„Ich will zum ESC!“: Regensburger (22) singt in neuer Casting-Show im Ersten

Von Jonas Raab · 24. Januar 2024 um 10:00

Er nennt sich Apollson, therapiert sich mit Musik selbst – und will Deutschland beim Eurovision Song Contest in Schweden vertreten. Der 22-jährige Bruno Dettmann kämpft in der neuen Casting-Show „Ich will zum ESC!“ um einen Platz im deutschen Vorentscheid. Kann der Regensburger die Juroren überzeugen?

Dettmanns musikalische Reise begann im Alter von sechs Jahren im Kinderchor der Musikschule Neunburg vorm Wald (Landkreis Schwandorf). Mit 17 sang er in der Big Band des Ortenburg-Gymnasiums in Oberviechtach. Mit 18 führte ihn sein Weg nach Regensburg – nicht auf eine Bühne, sondern in die Klinik. Diagnose Depression.

In dieser Zeit ist Dettmanns erfolgreichstes Lied entstanden: „Sterne Fallen“. Sein damaliger Psychologe hatte ihm geraten, seine Gedanken und Gefühle niederzuschreiben. „Musik hat eine therapierende Wirkung“, sagt der 22-Jährige. „Man muss mit den Karten spielen, die man bekommen hat von da ganz oben. Ich habe die Musik bekommen.“

Musik statt Medikamente: Apollson hat seinen Weg gefunden

Zwei Jahre lang nahm Dettmann Medikamente. Mit 20 setzte er sie aufgrund starker Nebenwirkungen ab. „Ich habe einfach angefangen, das zu machen, was ich am meisten liebe“, sagt er und meint damit die Musik. So habe er einen Weg gefunden, mit der Krankheit umzugehen. Er habe sich „stabilisiert“.

2021 zog Dettmann nach Regensburg, um als freischaffender Musiker zu arbeiten. In der Region ist Apollson ein eher unbeschriebenes Blatt. „Ich bin viel in Berlin, Hamburg und Wien unterwegs“, erklärt er. Man könne sich leider nicht aussuchen, wo man gefeiert wird. Knapp 30.000 monatliche Hörer gibt der Streaming-Dienst Spotify an. „Sterne Fallen“ haben sich allein dort mehr als 600.000 Menschen angehört. Bei TikTok verbucht Apollson rund 17.000 Follower.

Regensburger in ESC-Casting-Show: So klingt Apollson

Seine Musik kategorisiert Dettmann im Genre „Dark Pop“ ein. „Es ist kein Hip Hop, kein Rap. Ich habe eine Singstimme“. Den Sound beschreibt er als „mystisch, dunkel und treibend“.

Das Alter Ego Apollson geht auf griechische und nordische Mythologie zurück. „Diesen ganzen Götterglauben“ habe er schon immer „gefeiert“, Apollon „krass“ gefunden, sagt Dettmann. Er wolle sich nicht hinstellen und behaupten „Ich bin Apoll, ich bin ein Gott“. Vielmehr versuche er, dessen Werten nachzustreben. Das symbolisiere die Endung „son“, wie sie im Skandinavischen als Referenz auf den Vatersnamen verwendet wird.

2022 hatte sich Apollson mit „Sterne Fallen“ direkt für den deutschen ESC-Vorentscheid beworben. „Cool, aber nicht Pop genug“, bekam er laut eigner Aussage damals zu hören. Doch der Regensburger scheint Eindruck hinterlassen zu haben. Vergangenes Jahr wurde er gefragt, ob er am neuen Format „Ich will zum ESC!“ teilnehmen wolle.

„Ich will zum ESC!“: Apollson verpasst Aufzeichnung fast

Die ersten fünf Folgen der Show sind schon seit Oktober im Kasten. Um ein Haar hätte Dettmann die Aufzeichnung verpasst. Nur Stunden nach einem Aufritt in Wien musste er über Amsterdam nach Berlin fliegen. Der erste Flieger habe „miese Verspätung“ gehabt. Am Flughafen in Amsterdam sei er deshalb 15 Minuten lang durchgesprintet, „wie Usain Bolt“. Auf den allerletzten Drücker schaffte er es in das Flugzeug – und kam im Gegensatz zu seinem Gepäck rechtzeitig in Berlin an.

Darüber, was während der Aufzeichnung passiert ist und ab Donnerstag im TV zu sehen ist, darf Dettmann noch nicht viel erzählen. Neben ihm buhlen in der Casting-Show 14 weitere Talente um die Gunst der beiden Juroren Rea Garvey und Conchita Wurst. „Man singt vor Menschen, die Ahnung von der Sache haben. Jede Runde müssen natürlich ein paar Leute gehen“, erklärt Dettmann die Regeln.

Als Apollson geht er mit „Love On The Brain“ von Rihanna ins Rennen. „Eine großartige Sängerin“, schwärmt er. Eins seiner eigenen Lieder zu singen, erschien ihm als „zu billige Promo“. Ob das Lied die richtige Wahl war? „Das werden wir am Donnerstag herausfinden“, sagt er schmunzelnd.

„Ich will zum ESC!“ im Ersten: Der Weg zum deutschen ESC-Vorentscheid

Das Format: 15 Talente kämpfen bei „Ich will zum ESC!“ um einen Platz im deutschen ESC-Vorentscheid. Dazu müssen sie es in die Teams der beiden Juroren schaffen. Zusammen mit Conchita Wurst und Rea Garvey erarbeiten sie dann ihre ESC-Songs. Nach und nach sieben die Coaches aus. Vier der Talente schaffen es ins Live-Finale.

Die Ausstrahlung: Die ersten fünf Sendungen wurden bereits aufgezeichnet. Zwischen 25. Januar und 4. Februar werden sie zuerst in der ARD Mediathek und dann im Ersten ausgestrahlt. Das Finale, eine Live-Show, läuft am 8. Februar im NDR und in der ARD Mediathek.