Nach Insolvenzantrag von Galeria Karstadt Kaufhof: Viele Lieferanten bangen um ihr Geld

Warenhaus-Chef Olivier Van den Bossche und Interims-Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus haben den Handelspartnern jetzt die Vertragsbedingungen in der Insolvenz verschickt. Wie viele es genau sind, konnte der Insolvenzverwalter am Freitag nicht beantworten. Ein Regensburger Unternehmer, der in einer früheren Insolvenz des GKK-Konzerns bereits betroffen war, schildert, was das für die Lieferanten bedeutet, die nun zu Gläubigern wurden.
Nicht nur die zwischenzeitlich noch etwa 15 500 Mitarbeiter von Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) bangen derzeit. Auch das Geld vieler Lieferanten und Handwerker steht erneut im Feuer. Wie bedrängend eine Insolvenz in dieser Größenordnung wie die der Warenhauskette mit noch etwa 90 Häusern in Deutschland ist, macht ein Schreiben deutlich, das der Mediengruppe Bayern vorliegt. Zeitgleich mit der Ankündigung des Insolvenzantrags versandte der Interims-Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus zusammen mit dem Vorstandschef der Warenhauskette, Olivier Van den Bossche und Finanzchef Guido Mager, ein Schreiben an die Lieferanten und Zulieferer.
„Wichtige Information für Handelspartner der Galeria Karstadt Kaufhof GmbH“ ist es überschrieben. Darin werden Rechte und Pflichten der Lieferanten dargelegt. Es zeigt, welche Härten auch bei der dritten Insolvenz innerhalb von vier Jahren auf tausende Gläubiger unterschiedlicher Größenordnung zukommen können.
Lieferanten müssen warten
Beigefügt ist dem Schreiben auch der Beschluss des Amtsgerichts Essen vom Dienstag dieser Woche. „Der vorläufige Insolvenzverwalter ist nicht allgemeiner Vertreter der Schuldnerin“ – gemeint sind Denkhaus und die Warenhauskette. „Er hat die Aufgabe, durch Überwachung der Schuldnerin deren Vermögen zu sichern und zu erhalten.“ Das deutsche Insolvenzrecht schützt also zunächst denjenigen, der Insolvenz angemeldet hat.
Allerdings war bereits im durchaus erfolgreichen Weihnachtsgeschäft von Galeria Karstadt Kaufhof klar, dass die meisten Lieferanten ohnehin Ware nur noch auf Konzession bereitstellten. Dem Schreiben an die Lieferanten ist aber vorsorglich auch gleich ein Kommissions-Liefervertrag beigefügt. „Wir gehen davon aus, dass die innerhalb der erwähnten Verträge gelieferten Ware in Ihrem Eigentum steht“, heißt es darin.
Der Regensburger Unternehmer Willi Neuking hat sich auf den Import auf in Asien produzierte Regenschirme spezialisiert. Sein Unternehmen war selbst 2020 betroffen, als Galeria Karstadt Kaufhof in das erste Insolvenzverfahren schlitterte. „Wir hatten damals das Glück, unsere Ausfälle über eine Versicherung abdecken zu können“, sagt Neuking. Aber er kennt Handelskollegen, denen es nicht so gut erging. „Die Lieferanten und Handwerker sind diejenigen, die auf dem Schaden sitzenbleiben und anders als die Mitarbeiter haben sie oft keine Fürsprecher“, sagt der Regensburger Unternehmer. Andererseits sei es ohnehin absehbar gewesen, dass es neuerlich zu einer Insolvenz kommen wird. „Für mich ist klar, dass das Modell GKK nun zu einem Ende kommt“, sagt Neuking. „Zudem steht auch noch gar nicht fest, ob am Ende das Insolvenzverfahren auch eröffnet wird“, sagt Neuking.
Das Problem für die Lieferanten ist dies: Zwar lieferten viele von ihnen nur gegen Vorauskasse. Doch im Warenbestand dürften sich auch noch viele Artikel befunden haben, die noch auf Kommission geliefert wurden. Im in den Warenhäusern angeblich gut verlaufenen Weihnachtsgeschäft wechselte die Ware den Eigentümer – doch die Einnahmen gehören nun zur Insolvenzmasse. Einer der größten Gläubiger bei der letzten Insolvenz der Warenhauskette ist übrigens der Staat. Über den Wirtschaftsstabilisierungsfonds wurden dem Konzern wegen der Corona-Pandemie 680 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, die eigentlich hätten zurückgezahlt werden müssen. Doch nur ein kleiner Teil der Forderungen konnten am Ende noch befriedigt werden.
„Wir glauben an Galeria“
Konzernchef Olivier van den Bossche und Finanzchef Guido Mager versuchten gegenüber den Mitarbeitern, Zuversicht zu verbreiten. In einem internen Schreiben, das dieser Zeitung vorliegt, schrieben beide an diese: „Die kommenden Wochen werden für uns alle sehr anstrengend, aber wir werden sie gemeinsam bewältigen! Wir glauben an Galeria.“ Van den Bossche verwies darauf, dass die Situation des Mutterkonzerns Signa die Insolvenz diesmal ausgelöst habe. „Darüber hinaus sind wir durch hohe Mieten und teure Dienstleistungen in unserer zukünftigen
Entwicklung stark eingeschränkt“, hieß es weiter. Der GKK-Konzernlenker glaubt noch an eine Übernahme: „Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, sich aus den erdrückenden Rahmenbedingungen zu befreien, um den Fortbestand des Unternehmens zu sichern“, schrieb er den Mitarbeitern. „Unsere Ziele sind der Eigentümerwechsel und die Lösung aus der Umklammerung.“
Das sagt Insolvenzverwalter
Der vorläufige Insolvenzverwalter sagte zunächst zu, Fragen zur Höhe der Ausstände noch am Freitag zu beantworten. Dabei wollte die Mediengruppe Bayern wissen, wie hoch die aus früheren Warenlieferungen offenen Forderungen sind, die derzeit nicht beglichen werden dürfen. Auch die Zahl der Lieferanten, die sich nun in die Reihe der Gläubiger anstellen müssen, wurde bis zum Redaktionsschluss nicht genannt.