Landrat beim Neujahrsempfang in Roding: Landkreis ist trotz Krisen „erstaunlich stabil“

„Erstaunlich stabil“ sei der Landkreis bisher durch die aktuell schwierigen Zeiten gekommen, befand Landrat und Bezirkstagspräsident Franz Löffler bei seinem Grußwort beim gemeinsamen Neujahrsempfang der Stadt Roding und der Garnison. Nachdenklich, aber auch emotional sprach Löffler frei über einige Themen, „die die Bürger und auch die Lokalpolitik derzeit bewegen.“
Nach den beiden „beeindruckenden Reden“ von Bürgermeisterin Alexandra Riedl und Oberstleutnant Dr. Tobias Gößlbauer, Kommandeur des Versorgungsbataillons 4, sähen die Gäste in der voll besetzten Stadthalle aus, „als hätten sie bereits Durst“, begann Löffler launig, um dann aber doch auf einige Entwicklungen einzugehen. Es seien bewegte Zeiten, sagte der Landrat. Früher sei es jahrzehntelang quasi eine Selbstverständlichkeit gewesen, dass in Europa Frieden herrsche. Durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine habe dies sich aber geändert. „Die Kämpfe sind nicht weit weg von uns“, sagte der Landrat. Schwedens Verteidigungsminister habe jüngst seine Landleute aufgefordert, für einen Krieg gerüstet zu sein, „da gerät man schon ins Nachdenken.“
Auch im Zuge des Litauen-Einsatzes der Bundeswehr, über den zuvor Gößlbauer berichtet hatte, sei klar zu sehen, dass der Bündnisfall, früher undenkbar, nicht mehr so unrealistisch scheint. Dazu kämen noch die Konflikte im Nahen Osten.
„Enorme Entwicklung“
Trotz dieser weltpolitischen Situation, die vielen Menschen Sorge bereite, und weiterer Schwierigkeiten wie der Inflation navigiere die Region erstaunlich stabil in schwierigen Zeiten. Roding und der gesamte Landkreis böten einen attraktiven Lebensraum. Bei der regionalen Kaufkraft, die aufzeigt, was sich die Menschen von ihrem Lohn leisten könne, steht der Landkreis mittlerweile auf Rang 50 von 400 Regionen in Deutschland.
Diese enorme Entwicklung in den vergangenen Jahrzehnten sei das Verdienst aller, ob Unternehmer, Arbeitnehmer oder Politiker. Es gelte nun, den Wohlstand möglichst zu konservieren, was auch nur gemeinsam gelingen könne, nahm er den Hauptaspekt der Rede Riedls auf.
„Bevölkerung darf Vertrauen in Politik nicht verlieren“
Wichtig sei aber auch, dass die Politik das Vertrauen der Bevölkerung wieder zurückgewinne, das in manchen Bereichen verloren zu gehen drohe, sagte Löffler unter anderem mit Blick auf die Proteste der Landwirte oder die Steigerung des Bürgergelds auf ein Niveau, auf dem der Abstand zu schlecht bezahlten Jobs gering sei.
Auch immer neue Vorgaben, die im Raum stünden, sorgten für Unsicherheit. So hätte es im Vorjahr um die Hälfte weniger Anträge zum Bau von Einfamilienhäusern im Landkreis gegeben, „nicht nur, weil die Leute kein Geld haben, sondern weil sie etwa nicht wissen, welche Heizung sie nehmen sollen oder was gefördert wird“, ist sich der Landrat sicher. Vertrauen sei aber eine Grundvoraussetzung, damit ein Staat funktionieren könne.
Ebenso gelte es in Berlin und Brüssel, in der Frage der Migration endlich auf die Sorgen und Nöte von Landkreisen und Kommunen einzugehen. „Es macht uns auch keinen Spaß, wenn wir die Flüchtlinge bei uns in den Gemeinden verteilen müssen“, sagte er auch in Bezug auf Roding, wo das Containerdorf am Wertstoffhof auf das Doppelte vergrößert wurde und nun Platz für 160 Menschen bietet. „Wir sagen seit Jahren, dass wir an der Kapazitätsgrenze sind und das nicht mehr schaffen, nur muss das auch mal jemand hören“, machte Löffler klar.
Viele Studenten bleiben
Der Landkreis Cham tue sehr viel, um die Region abzusichern. So habe er sich um die digitale Infrastruktur gekümmert, ebenso wurden in Eigenregie die Regionalwerke gegründet, um „erneuerbaren Strom zu einem vernünftigen Preis zu den Bürgern zu bringen.“ Bezahlt mache sich auch die Technische Hochschule: 500 Studenten aus aller Welt gibt es mittlerweile in Cham, „und ein Drittel davon bleibt nach ihrem Abschluss auch im Landkreis. Das hätte ich vorher nie gedacht“, freute sich Löffler. Dies sei ein sehr wichtiger Beitrag, um Fachkräfte in der Region zu haben.
Die Zukunft werde viele weitere Herausforderungen bringen, „es sind schwierige Zeiten.“ Gemeinsam gelte es aber, diese gut zu meistern, was auch gelingen könne, schloss der Landrat zuversichtlich.
Großes Interesse an Internet-Livestream
Zum zweiten Mal: Zum zweiten Mal wurde in diesem Jahr im Internet ein Livestream des Rodinger Neujahrsempfang angeboten.
Mehr Zuschauer als bei der Premiere: Organisator Sebastian Gabler freute sich, dass dieser rege genutzt wurde und das Interesse im Vergleich zur Premiere noch einmal gestiegen ist.
710 Aufrufe und 190 Wiedergabestunden: Es gab insgesamt 710 Aufrufe und 190 Wiedergabestunden (2023 waren es 62).
Im Schnitt 65 Zuschauer: Maximal waren 100 Zuschauer gleichzeitig mit dabei, im Schnitt waren es 65.
Keine Probleme: Technisch habe alles reibungslos funktioniert, freut sich Gabler.

