Kommandeur blickt auf große Aufgaben: Rodinger Soldaten sind weiter in Litauen gefordert

Von Bastian Schreiner · 11. Januar 2024 um 20:45

Bei seiner zweiten Neujahrsrede ließ Kommandeur Dr. Tobias Gößlbauer das Jahr 2023 Revue passieren und blickte auf relevante Ereignisse in diesem Jahr voraus. Er ging aber auch auf wichtige Weichenstellungen der deutschen Sicherheits- und Verteidigungspolitik ein, die sich auch auf das Versorgungsbataillon 4 in Roding auswirken.

Der Empfang unterstreiche in beeindruckender und beispielgebender Weise, welch enger, authentischer und vertrauensvoller Zusammenhalt zwischen Stadt sowie der gesamten Region und der Bundeswehr seit Jahrzehnten bestehe, sagte Gößlbauer zu Beginn.

Das Zitat des Schriftstellers Karl Ferdinand Gutzkow „Bitter ist es, das heute zu müssen, was man gestern noch wollen konnte“ beschreibe die Situation oder das Dilemma, in dem sich die deutsche Sicherheits- und Verteidigungspolitik spätestens seit dem völkerrechtswidrigen Überfall Russlands auf die Ukraine befinde und welche zeitlichen und inhaltlichen Zwänge nun von außen auferlegt worden sind, sehr treffend, so Gößlbauer.

Wird Krisenmodus Alltag?

Nach 2022 mit „Zeitenwende“ habe die Gesellschaft für deutsche Sprache beim Wort des Jahres mit „Krisenmodus“ erneut einen Begriff gewählt, der mehr als treffend die derzeitige Lage in Deutschland und der Welt umschreibt. „Krisen gab es schon immer: die Öl-/Energiekrise, die Wirtschafts- und die Finanzkrise, die Klima-, die Flüchtlings- und die Coronakrise“, sagte er. 100 Jahre nach dem historischen Krisenjahr 1923 sei aber gefühlt so viel Krise, dass es der neue Normalzustand zu werden scheint. Der Ausnahmezustand sei in vielen Bereichen längst zum Dauerzustand geworden. Sieht man sich die genaue Bedeutung des Wortes Krisenmodus an, wäre es zu übersetzen mit einer „planmäßigen Verfahrens- oder Verhaltensweise in einer schwierigen Lage“, so Gößl-bauer. Das bedeute sinngemäß, dass man alles tut, um eine Wende herbeizuführen und aus der problematischen Situation wieder herauszukommen. Wenn es sich jedoch um eine Dauerkrise handele, erhalte das Wort eine neue, der ursprünglichen widersprechende Bedeutung: Der Krisenmodus tendiert dann zur Akzeptanz, zum „Sicheinrichten“ in der Krise.

Der Begriff Krisenmodus sollte jedoch nicht nur negativ gesehen, sondern auch als Aufruf zur Veränderung verstanden werden. „Er bietet die Möglichkeit, Krisen als Chancen zur Transformation zu betrachten und Wege zu finden, wie wir widerstandsfähiger und nachhaltiger werden können. Indem wir gemeinsam handeln, können wir den Krisenmodus nicht nur überwinden, sondern auch langfristige Strategien entwickeln, um zukünftigen Herausforderungen besser zu begegnen“, betonte er.

Das Jahr 2023 war vor allem geprägt durch konzeptionelle Weichenstellungen und Festlegung von Rahmenbedingungen in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Am 14. Juni 2023 beschloss das Kabinett die Nationale Sicherheitsstrategie der Bundesrepublik. Diese sei geprägt durch den russischen Angriffskrieg, der eine Zäsur darstellte. Dieser zeige uns auch, dass es Freiheit und Sicherheit eben nicht zum Nulltarif geben kann – weder politisch noch gesellschaftlich oder finanziell. „Ein Leben in Frieden und Sicherheit in Europa, wie wir es jahrzehntelang kannten und für selbstverständlich hielten und empfunden haben, erfordert Wehrhaftigkeit“, so Gößlbauer.

Deutschland habe daher das größte Investitionspaket in der Geschichte der Bundeswehr in der Verfassung verankert. Mit dem Sondervermögen werden und wurden bereits 100 Milliarden Euro zusätzlich zu den regulären Verteidigungsausgaben investiert. Und weiter: „Der Kernauftrag ist und bleibt dabei für die Streitkräfte die Landes- und Bündnisverteidigung.“

Der Blick in die Ukraine und den Nahen Osten zeige, wie fragil und wenig voraussagbar die Welt geworden ist, vielleicht aber auch schon immer nicht gewesen ist. Personal und Ausstattung der Bundeswehr müssen sich explizit nach diesem Auftrag ausrichten. Dazu brauche es eine kriegstüchtige Bundeswehr.

„Eine Rückkehr zu einer Ordnung, wie wir sie vor dem 24. Februar 2022 kannten, ist mittelfristig gegebenenfalls langfristig verbaut“, sagte der Oberstleutnant. Das gemeinsame Ziel sei es dabei, in Deutschland auch künftig in Frieden, Freiheit und Sicherheit leben zu können. Maßstab für die Bundeswehr sei hierfür die jederzeitige Bereitschaft zum Kampf mit dem Anspruch auf Erfolg im hochintensiven Gefecht. Nur so werde Abschreckung glaubwürdig und Frieden gewahrt.

2024 und die darauffolgenden Jahre seien für die Bundeswehr insgesamt wie für das Versorgungsbataillon 4 im Speziellen mit wichtigen Weichenstellungen verbunden und geprägt von einer Vielzahl an Neuerungen und Herausforderungen.

130 Soldaten im Einsatz

Ein wichtiger Aspekt sei die verstetigte Präsenz an der NATO-Außengrenze in neuer Qualität. Das Versorgungsbataillon 4 sei hierbei direkt und indirekt betroffen. So stelle man seit Juli 2023 im Zuge der 14. Rotation Enhanced Forward Presence (eFP) in Litauen die logistische Versorgung der dort eingesetzten Soldaten sicher und befinde sich deswegen derzeit noch mit circa 130 Angehörigen bis Januar/Februar diesen Jahres vor Ort. Direkt darauf folge die 15. Rotation eFP, die man erneut mit einer ähnlichen Zahl von Soldaten im Bereich der Logistik bis Mitte 2024 verstärken wolle.

Seit sechs Jahren führe Deutschland als Rahmennation in Litauen diese sogenannte Battlegroup, ein multinationales Bataillon. In der nun anstehenden 15. Rotation stellt das Versorgungsbataillon 4 für diese Kräfte die logistische Unterstützung unter Federführung der in Pfreimd stationierten 5. Kompanie des Bataillons und die Unterstützung aus allen Bereichen des Bataillons und vor allem des Stabes, der eine sogenannte Einsatzzen-trale Logistik stellt, sicher.

Das Bataillon tanzt laut Dr. Gößlbauer auch 2024 auf unterschiedlichen Hochzeiten – ob in der Gestellung der 14. und 15. Rotation eFP, der Teilnahme an der größten geplanten Übung Grand Quadriaga oder der logistischen Unterstützung der Verbände der Panzerbrigade 12 auf Übungen und im Grundbetrieb.

Zudem sei das Versorgungsbataillon 4 an den Standorten Roding und Pfreimd auch von den geplanten Anpassungen der Struktur des Heeres im Hinblick auf die sogenannte Division 2025 betroffen. „Positiv ist für uns, dass wir dabei gestärkt und an den Standorten Roding und Pfreimd sogar leicht personell aufwachsen werden“, sagte er. Die damit verbundenen Umgliederungen begannen im Oktober 2023 und werden sich bis September 2024 erstrecken.

Frei nach dem Zitat von Victor Hugo appellierte der Kommandeur am Ende, sich zu den Mutigen zu zählen, Herausforderungen zum Wohle aller gemeinsam anzupacken und auf das, was man gemeinsam in der Lage ist zu erreichen, zu vertrauen.