Leerstand in Obertraubling wird zur Notunterkunft für bis zu 100 Flüchtlinge

Von André Baumgarten · 11. Januar 2024 um 05:00

Vier Notunterkünfte hat der Landkreis Regensburg aktuell – bald sollen es zwei mehr sein. In Obertraubling sollen im alten Edeka bis zu 100 Personen leben. Vor deren Einzug in einigen Wochen wird nun umgebaut. Was bisher bekannt ist.

Mitte Dezember gab es erste Gerüchte, dass Obertraubling eine Notunterkunft bekommen soll. Nun ist es bestätigt: In einigen Wochen sollen im alten Edeka bis zu 100 Flüchtlinge eine Bleibe finden. Man stehe „in abschließenden Vertragsverhandlungen mit dem Vermieter“, teilt das Landratsamt auf Nachfrage mit. Die Halle an der Hauptstraße werde als Schlaf- und Aufenthaltsraum genutzt. Die Gemeinde will bis dahin vorbereitet sein. Einige offene Fragen hat Bürgermeister Rudolf Graß dazu jedoch an die große Politik.

Laut aktueller Auskunft des Landratsamts ist die Übernahme des Objektes „in den nächsten vier Wochen angedacht“. Im Moment stünden noch Umbaumaßnahmen an, die durch den Eigentümer erledigt würden. Ab wann die Notunterkunft in Obertraubling genutzt werde, stehe noch nicht fest. „Nach Übernahme statten wir das Objekt noch mit Schlafplätzen, Waschmaschinen, etc. aus“, erklärte Hans Fichtl, der Pressesprecher des Landkreises Regensburg an Anfrage.

Bis zu 100 Personen sollen dort künftig wohnen, hieß es weiter. Deren Herkunftsländer seien „wie bisher auch der arabisch-persische Raum sowie die Ukraine“. Da in dem Objekt selbst nicht ausreichend Möglichkeiten vorhanden sind, soll vor der Halle ein Sanitärcontainer aufgestellt werden. Dieser könne erst nach der Übernahme bestellt und angeschlossen werden, so die Info des Landratsamts. Die Bewohner der Notunterkunft in Obertraubling sollen sich allein verpflegen.

Sicherheitsdienst soll „Kümmerer“ sein

Sich selbst überlassen würden sie aber nicht: Objekte in dieser Größe werden laut Auskunft von Fichtl grundsätzlich mit einem Sicherheitsdienst betrieben. Wie in anderen Einrichtungen werde dieser „auch in Obertraubling als Kümmerer und erster Ansprechpartner fungieren“. Zu den Aufgaben gehöre auch die Umsetzung der Besuchszeiten sowie Mitteilungen an das Landratsamt, wenn sich Bewohner ohne Erlaubnis länger als drei Tage nicht im Objekt aufhielten. Die Person werde dann als „untergetaucht“ geführt, so Fichtl.

Aktuell sind im Landkreis Regensburg vier Notunterkünfte vorhanden – auf der MS Rossini leben 191 Personen (Stand 10.1.), in Bernhardwald 65, in Schierling-Am Gewerbering 89 und in Zeitlarn 70. Damit sind mehr als 1500 Flüchtlinge in 96 dezentralen Unterkünften sowie in vier Notunterkünften im Landkreis untergebracht. Wahrscheinlich kommen laut Landratsamt ab 1. Februar kommen Schierling (Autohaus Knögler) mit 120 sowie voraussichtlich Neutraubling mit 45 Plätzen hinzu. Weitere Planungen gebe es neben Obertraubling für Köfering, so Fichtl.

In Obertraubling formierte sich Widerstand

Bereits kurz nach dem Bekanntwerden der Pläne für eine Unterbringung von Asylbewerbern hatte sich im Ort Widerstand geregt. Per Plakat hatten „Die besorgten Bürger“ zum Treffen und einem „Nein zu 120 Flüchtlingen in Obertraubling!!!“ aufgerufen. Angemeldet worden war nach MZ-Recherchen keine Versammlung, weshalb das Landratsamt die zuständige Polizei in Neutraubling informiert hatte. Die stellten an jenem Abend rund 20 Personen fest, die „beieinander standen und gesprochen haben“, hieß es. Nach gut einer Stunde habe sich das Treffen von allein wieder aufgelöst. Ob sich daraufhin, wie damals angekündigt, eine Bürgerinitiative gründete, ist offen.

Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Kinderpornografie: Tipp des FBI führte Ermittler in den Landkreis Regensburg

Offiziell soll der Gemeinderat in seiner Sitzung am Montag informiert werden. So geht es aus der Ladung hervor. Bürgermeister Rudolf Graß sagte auf MZ-Nachfrage, dass die Gemeinde tätig wird, falls das nötig sein sollte. Denkbar wäre, die Nachbarschaftshilfe beispielsweise für Sprachkurse einzubinden. Zudem gebe es in Obertraubling eine Generationenmanagerin im Rathaus, die über ein großes Netzwerk verfüge – so könnte mögliche Zusatzleistungen unbürokratisch in die Wege geleitet werden. Schon im Dezember hatte Graß betonte, dass Zusammenhalt gefragt wäre, um gemeinsam gute Lösungen zu finden. Ob der alte Edeka in Obertraubling der richtige Standort ist, „darüber kann man sicherlich streiten“, sagte Graß weiter.

Für Bürgermeister Graß fehlen Antworten

Langfristig werde man sich grundlegend mehr Gedanken machen müssen, so das Gemeindeoberhaupt. „Die Frage ist doch, wie das Ganze im Großen weitergehen soll.“ Eine Antwort darauf ließe die Politik in Berlin bisher leider vermissen. Die Kommunen und Landkreise müssten planen können, was sie in den kommenden Jahren zu leisten und womöglich investieren hätten. „Wir brachen einfach Sicherheit, was da auf uns zukommen soll“, sagte Graß.

Fakt ist laut dem Bürgermeister aber, dass Obertraubling bisher zu den wenigen Gemeinden im Landkreis Regensburg gehörte, in denen keine Flüchtlinge untergebracht waren. Das wird sich in einigen Wochen nun aber ändern.