Flüchtlinge im alten Edeka-Markt: In Obertraubling formiert sich Widerstand

Von André Baumgarten · 15. Dezember 2023 um 17:46

Per Plakat rufen „besorgte Bürger“ zu Treffen auf und wollen eine BI gründen. Der Landkreis bestätigt Verhandlungen zur Unterbringung von Flüchtlingen in Obertraubling – wo genau wollen Verantwortliche noch nicht sagen.

Soll bald eine neue Flüchtlingsunterkunft in Obertraubling entstehen? Das Landratsamt bestätigte auf Anfrage, man stehe „aktuell in Verhandlungen“. Nähere Infos dazu gebe es aber aktuell noch nicht, so stellvertretende Sprecherin Claudine Tauscher. Gegen diese Pläne scheint sich bereits Widerstand zu formieren. Am Donnerstag trafen sich rund 20 Personen am alten Edeka – laut Polizei „zur Gründung eine Bürgerinitiaive“, wie den Beamten mitgeteilt wurde. Einschreiten mussten die Ordnungshüter jedoch nicht.

Ein Plakat hatte für Donnerstagabend (14.12.) zum „Nein zu 120 Flüchtlingen in Obertraubling!!!“ aufgerufen. Unterzeichnet war der weiße Zettel mit „Die besorgten Bürger“. Anmeldung für eine Versammlung gab es laut Angaben des Landratsamts keine, weshalb die Neutraublinger Polizei informiert wurde.

Die Beamten stellten am alten Edeka keinen Versammlungscharakter fest. „Das Ganze ist ohne Vorkommnisse gelaufen“, teilte ein Sprecher auch Nachfrage mit. Nach rund einer Stunde, in der die rund 20 Personen „beieinander standen und gesprochen haben“, habe sich das Treffen von allein wieder aufgelöst.

Bürgermeister: Gemeinsam Lösung suchen

Bürgermeister Rudolf Graß bestätigte, dass Gespräche stattfänden. Es sei aber noch nichts in trockenen Tüchern. Ob es um den alten Edeka in Obertraubling gehe, sei ihm nicht bekannt. „Ich habe nur die Information, dass es ein bestehendes Objekt ist und der Landkreis Interesse hat“, sagte Graß. Und weiter: Obertraubling gehöre zu den Gemeinden des Landkreises Regensburg, in denen bisher keine Flüchtlinge untergebracht seien. „Fakt ist, dass sowohl die Landrätin als auch jeder einzelne Bürgermeister gefordert sind“, betonte er.

Es sei ein Zeichen des Zusammenhalts, gemeinsam nach Lösungen zu suchen. „Wenn der Landkreis eine solche aufzeigt und findet, begrüße ich das.“ Keinen Hehl machte der Bürgermeister daraus, dass er sich jeden anderen Standort als die Obertraublinger Mehrzweckhalle erhofft. Das wäre aus seiner Sicht die einzige Alternative. Da würden Vereine aber ihre Heimat verlieren und der Schulsport ausfallen müssen. Wie schwierig das sei, habe man 2015 gesehen, als die Mehrzweckhalle über Wochen zur Erstaufnahmeeinrichtung umfunktioniert worden war.

Genauer Standort noch nicht spruchreif

Ob es überhaupt um den leerstehenden früheren Edeka-Markt geht, ist indes offen. Offiziell hieß es: „Für eine Asylbewerberunterbringung beziehungsweise eine Notunterkunft in Obertraubling steht das Landratsamt aktuell in Verhandlungen.“ Graß ergänzte dazu: Sobald es spruchreif sei, werde man umgehend an die Öffentlichkeit gehen.