18 Männer in U-Haft: Null-Toleranz-Strategie in Regensburg zeigt erste Wirkung

Im Kampf gegen Mehrfachintensivtäter in Regensburg ist die Zahl der Straftaten deutlich gesunken, sagt die Polizei in einer Zwischenbilanz. Im ersten Prozess gegen einen 24-Jährigen soll noch diese Woche das Urteil fallen.
Seit gut 50 Tagen wird in Regensburg ernst gemacht – mit einer Null-Toleranz-Strategie kämpfen die Behörden gegen Raub, Drogenhandel, Diebstähle und Gewalt. Die härtere Gangart gegen sogenannte Mehrfachintensivtäter zeigt erste Wirkung – Polizei und Staatsanwaltschaft verzeichnen bei Taschendiebstählen, aber auch Raub- und Sexualdelikten in den letzten Wochen einen starken Rückgang. Das wiederum füllt die Gefängnisse: 18 Verdächtige, die in kürzester Zeit vielfach auffielen, wurden aus dem Verkehr gezogen und sitzen in U-Haft. Elf Männer sind angeklagt, der erste erwartet am Mittwoch sein Urteil.
Nicht nur rund um den Regensburger Hauptbahnhof, sondern auch im Diskothekenviertel und in den großen Einkaufshäusern hatte sich zuletzt ein immer größer werdendes Problem aufgetan: Einige wenige Verdächtige – überwiegend Männer mit Wurzeln in den sogenannten Maghreb-Staaten (Nordafrika) – begingen äußerst schnell und in extrem hoher Frequenz Straftaten. Darauf reagierten die Behörden und greifen seit Mitte November 2023 hart durch.
Schwerpunkte sind ausgemacht
Fälle wie diese landen seitdem im neu geschaffenen Sonderreferat bei Staatsanwalt Konstantin Voges. Bundespolizei, die zwei Regensburger Inspektionen oder die Kripo melden Häufungen sofort an ihn weiter. „21 solche Intensivstraftäter werden im Projekt geführt“, sagte der Spezial-Staatsanwalt. Gegen fast alle hat das Amtsgericht Haftbefehle erlassen. „Die erheblichsten Intensivtäter Regensburgs haben wir so bereits abgefangen“, meinte Voges mit Blick auf die vergangenen Wochen.
Doch es werde wohl noch einige Monate dauern, bis sich die Lage wieder stabilisiere. Diese war von den Regensburger Polizeibehörden und der Stadt im Herbst 2023 als „heftig “ eingeschätzt worden. Daraus war die Arbeitsgruppe „Gemeinsam stark“ entstanden, um restriktiv gegen dieses Phänomen vorgehen zu können. „Die harte Gangart scheint sich aber herumzusprechen“, betonte Voges. Kürzlich hatte ein Edeka-Betreiber wegen dreister Diebe sogar öffentlich Alarm geschlagen. Dazu bestätigte der promovierte Jurist: DEZ und Bahnhof seien bei Diebstählen „in der Tat absolute Schwerpunkte“.
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Das spiegelt auch der erste Fall wieder, der vor Gericht behandelt wird: Ein 24-Jähriger hatte Anfang November Kokain dabei, ehe er am 20. November im Donaueinkaufszentrum ein 140 Euro teures Parfüm mitgehen ließ. Beides ließ der Tunesier seinen Strafverteidiger Marius Hoser vor Gericht einräumen. Bestritten wurde dagegen, dass der Angeklagte nur Tage später im St.-Peters-Weg beim Diebstahl eines Handys im Wert von 1200 Euro dabei gewesen sein soll. Gut vier Wochen danach kam der Mann im Eilverfahren vor Gericht. Im Prozess soll am Mittwoch eine Polizistin aussagen, die den Handy-Klau beobachtet haben soll. Danach dürfte das Urteil fallen.
Diebstähle spielen bei vielen Fällen eine Rolle, die Intensivstraftäter zuzuordnen sind. Abgesehen hätten die es auf teure Räder oder noch häufiger auf hochwertige Jacken und Schuhe, sagte Voges in einer ersten Zwischenbilanz auf MZ-Nachfrage. Das bestätigte auch Polizeisprecher Michael Zaschka. Verwertet würde das Diebesgut sehr unterschiedlich: Gelangten Täter an EC- oder Kreditkarten, würden Geld abgehoben oder Zahlungen getätigt. Noch immer würden Karte und PIN zusammen aufbewahrt, was es den Täter sehr leicht mache, warnte er.
Das passiert mit dem Diebesgut
Gestohlene Kleidung wird laut Zaschka häufig bei Wohnungsdurchsuchungen wieder sichergestellt. Damit werde offenbar untereinander rege gehandelt – anders bei Parfüm oder höherwertigen Gegenständen, die bei den Straftaten erbeutet wurden: „Die werden weiterverkauft.“ Ein gestohlenes Handy hätte die Regensburger Ermittler später sogar im nichteuropäischen Ausland ausgemacht. Der Polizei sei es durch die härtere Gangart gelungen, den ursprünglichen Schwerpunkt im Obermünsterviertel aufzuhellen. „Bei Mehrfachintensivtätern ergaben sich bereits nach kurzer Zeit erste Erfolge“, so Zaschka.
Der deutliche Rückgang bei Eigentumsdelikten, Raub und sexuellen Übergriffen sei allerdings nicht allein auf hartes Durchgreifen bei Intensivtätern zurückzuführen, betonte der Sprecher des Polizeipräsidiums. Das wäre vielmehr auf das Bündel an Maßnahmen wie beispielsweise Betretungsverbote, erhöhte Präsenz sowie intensive Kontrollen zurückzuführen. „Das alles bringt einfach mehr Licht ins Dunkel.“
Am Wochenende: Erneut Handys und Geldbeutel weg
Am Ziel scheinen die Behörden allerdings bei weitem nicht zu sein, wie sich vergangenes Wochenende zeigte: Neben tätlichen Auseinandersetzungen im Diskothekenviertel (siehe folgende Seite) beschäftigen die Regensburger Polizei wieder neue Eigentumsdelikte: Unbekannte entwendeten in Nachtlokalen zwei Mobiltelefone und zwei Geldbörsen. Das bestätigte ein Sprecher der Polizeiinspektion Süd am Sonntag. In einem weiteren Fall fiel einem Gast der versuchte Diebstahl des Smartphones gerade noch auf, woraufhin der Täter flüchtete.
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Ob dieser dem einschlägig bekannten Täterkreis zuzuordnen sei, müssten die weiteren Ermittlungen zeigen, hieß es dazu vorerst. „Allgemein war es ein eher ruhiges Wochenende“, betonte der Polizeisprecher.