Nach Dolan-Insolvenz in Kelheim: Das sind die „kleinen Lichtblicke“

Die Schließung des Acrylfaser-Spezialisten Dolan schockierte 2023 Kelheim: Der Betrieb, angesiedelt am Gelände der Kelheim Fibres, wurde abgewickelt, nachdem sich Verkaufspläne zerschlagen hatten. Das sind laut dem Gemeinschafts-Betriebsratsvorsitzenden die „kleinen Lichtblicke“ und das soll sich im Januar tun.
An die 110 Mitarbeiter verloren 2023 am Affeckinger Industriestandort ihren Arbeitsplatz, nachdem im Frühjahr potenzielle Käufer abgesprungen waren. Die Dolan-Verantwortlichen sahen sich als „Opfer des Standorts Deutschland“. Der Krieg in der Ukraine ließ die Energiepreise explodieren und den Acrylfaser-Produzenten straucheln. Kunden des einstigen Weltmarktführers, die Markisen, Cabriodächer oder Strandkörbe fertigen, orderten in anderen Ländern, wo es sich billiger produzieren ließ.
Fünf letzte Kündigungen bei Dolan in Kelheim
Ende September hatten die meisten Dolan-Mitarbeiter ihren letzten Tag. Viele nach Jahrzehnten. Kurz vor Jahresende erhielten nun auch die fünf letzten, noch verbliebenen Mitglieder der Belegschaft, die Maschinen reinigen und Prozesse herunterfahren, ihre Kündigung. Für sie wird laut Gemeinschafts-Betriebsratsvorsitzendem Josef Rummel Ende März Schluss sein.
Allerdings stünden die Chancen gut, dass sie bei Kelheim Fibres weiterbeschäftigt werden könnten. Auch wenn dies noch nicht final in trockenen Tüchern sei.
Damit gehe es insgesamt für die Hälfte der früheren Dolan-Mannschaft bei Fibres weiter. Insgesamt sei die Dolan-Insolvenz aber ein „trauriges Kapitel der Geschichte am Standort“, sagt Josef Rummel.
Im Nachhinein müsse er sagen, dass gesehen für den Aufwand, den die Arbeitnehmer-Vertreter betrieben hatten, „leider sehr wenig für die Leute“ herausgeholt werden konnte.
Mini-Erfolg: Pensionskasse
Immerhin – im Januar werden Betriebsrat und dessen Anwälte den Sozialplan prüfen. Durch den Verkauf von Rohstoffen und Waren sei Geld vorhanden, so Rummel. Die Frage sei, wie viel konkret. Auch wie eine mögliche, konkrete Verteilung an die Mitarbeiter gemäß Sozialplan ausfallen könne und wann diese mit Geld rechnen könnten, müsse sich zeigen.
Besonders üppig war das Ausgehandelte zum Leidwesen der Dolan-Beschäftigten ohnehin nicht ausgefallen. Maximal zweieinhalb Monatsgehälter stehen pro Mitarbeiter im Sozialplan für die Verteilung zur Verfügung. Als immerhin kleinen Erfolg wertet Josef Rummel, dass die Firma „bis zuletzt in die Pensionskasse einzahlen konnte“.
Seit 40 Jahren ist der heutige Gemeinschafts-Betriebsratsvorsitzende am Standort: 1999 gab es schon einmal eine schwierige Situation. Damals war die Trockenspinnerei geschlossen worden. 200 Mitarbeiter mussten gehen. Damals habe es jedoch einen „richtigen Sozialplan“ gegeben. Inklusive Verrentung. Mitarbeiter die älter als 55 Jahre waren, konnten in Rente gehen.
Josef Rummel: Einschnitt so groß wie der von 1999
Die „Größe des Einschnitts“ ist in Rummels Augen jetzt mit Dolan so groß wie damals. Zwar sei es 2023 um weniger Mitarbeiter gegangen. Aber die Lage sei „wesentlich ärgerlicher“ gewesen.
Das Aus von Dolan trieb nicht nur die Dolan-Mitarbeiter um. Dieses drückte auf die Stimmung aller Mitarbeiter am Standort, sagt Rummel. Auch bei Kelheim Fibres setzte eine höhere Fluktuation ein. Auch das KF-Jahresergebnis trübte die Dolan-Insolvenz. Schließlich waren Gebäude gemietet, viele Dienstleistungen von Fibres gekauft.
Denke er an die Zukunft von Kelheim Fibres sei er aber „positiv gestimmt“, sagt Josef Rummel zum Jahresende.