Verkauf gescheitert, Mitarbeiter gekündigt: Dolan-Aus schockiert in Kelheim

Von Beate Weigert · 29. Juni 2023 um 15:43

Bitteres Aus für das Industrie-Unternehmen in Kelheim: Die Hoffnung auf Sanierung und Verkauf des Acrylfaser-Spezialisten Dolan war groß. Doch sie ist zerborsten. Alle 100 Mitarbeiter erhielten die Kündigung. Das Unternehmen wird abgewickelt.

Noch im Frühjahr hatte man die Flucht nach vorne angetreten und versucht, mit einer Insolvenz in Eigenverwaltung Betrieb und Arbeitsplätze zu retten. Doch daraus wurde nichts.

Die Dolan-Verantwortlichen sehen sich als „Opfer des Standorts Deutschland“. Der Krieg in der Ukraine ließ die Energiepreise explodieren und den Acrylfaser-Produzenten straucheln. Aufträge brachen dem Weltmarktführer weg. Kunden, die Markisen, Cabriodächer oder Strandkörbe fertigen, orderten laut Vorstand Steffen Liebich beim Konkurrenten in der Türkei statt in Kelheim.

Andreas Blaser: Stimmung bei den Mitarbeitern ist gedrückt

Liebich steht nicht nur Dolan vor. Er ist auch Vorstandsvorsitzender von Kairos Industries, der Dolan seit 2021 gehörte. Noch sei man handlungsfähig, betont der Manager.

Bei den 100 Facharbeitern und Angelernten ist die Stimmung „gedrückt, viele sind enttäuscht und auch wütend auf die Geschäftsführung und Kairos Industries“, sagt Andreas Blaser, der Bezirksleiter der Gewerkschaft IG BCE. Die Kündigungsfrist beträgt maximal drei Monate.

Vieles funktioniert im Insolvenzrecht anders, so Gemeinschafts-Betriebsratsvorsitzender Josef Rummel, zuständig für Kelheim Fibres und Dolan. Nach Abschluss von Interessensausgleich und Sozialplan gebe es weder eine Betriebsrats-Anhörung noch eine Sozialauswahl.

Produziert wird aktuell nicht mehr. Laut Liebich dauert es jedoch, bis ein chemischer Betrieb wie der von Dolan ruhe. Weil man auch mit Gefahrstoffen arbeite, dauere es Wochen bis Monate, bis diese aus den Anlagen geleert seien.

Das sagt der Gemeinschafts-Betriebsratsvorsitzende

Rummel geht davon aus, „dass das Geld für die Mitarbeiter bis 30. September reicht, schriftlich haben wir das aber nicht.“ Dann müsse man sehen, wie der bestellte Sachwalter agiere, so Blaser.

Für die beiden Männer ist es „die große Frage, ob Kairos Industries die Anlagen veräußert bekomme und falls ja, wie hoch die Einnahmen ausfallen“. Mit Blick auf Entschädigungen für die Mitarbeiter, die teils jahrzehntelang hier arbeiteten, sehe es düster aus, lässt der Gemeinschafts-Betriebsratsvorsitzende durchblicken. „Es kann auf eine Null hinauslaufen“, sagt auch Blaser. Im ausgehandelten Sozialplan ist mit Blick auf alle Mitarbeiter eine maximale Summe festgeschrieben. Wenn es am Ende noch Geld gäbe. Das, was da steht, „ist sehr wenig“, so Blaser. „Maximal zweieinhalb Monatsgehälter stehen pro Mitarbeiter im Sozialplan für die Verteilung zur Verfügung.“

Bis klar sei, ob am Ende tatsächlich Geld für die Mitarbeiter da ist, könnten „ein bis zwei Jahre vergehen“, schätzt Rummel.

Immerhin habe mit Hilfe des Gerichts und der Gewerkschaft erreicht werden können, dass die Arbeitnehmer-Vertretung überhaupt im Gläubigerausschuss vertreten sei.

IG BCE: Mitarbeiter boten tariflichen Verzicht an

Bis zuletzt seien die Mitarbeiter sehr flexibel gewesen. Für den Investor wären sie – nach längerer Kurzarbeit im vergangenen Jahr – bereit gewesen, „auf tarifliche Leistungen zu verzichten“, so Blaser.

Bürgermeister Christian Schweiger bedauert die Schließung. Er kenne viele, die bei Dolan arbeiten. Das Aus sei Thema in der Stadt. „Doppelt schade“ sei, dass die Bemühungen mit Landrat und Standortbetreiber Kelheim Fibres nicht zum Erfolg führten. Nach Möglichkeit versuche er bei Firmen, von denen er wisse, dass sie Mitarbeiter suchten, zu vermitteln. Wie sich die Schließung von Dolan auf die Kreisstadt auswirke, werde man erst Ende des Jahres beurteilen können, so Schweiger.

Steffen Liebich: So soll es weitergehen

Ziel sei es, den Betrieb „in 2023 abzuwickeln“, so Steffen Liebich. Dies sei eine „sehr komplexe Sache“. Auch weil die technischen Anlagen auf „fremdem Grund“ stehen. Gebäude waren gemietet, viele Dienstleistungen von Verbundpartner Kelheim Fibres gekauft. Bezüglich der Anlagen führe man Gespräche mit Fibres wie Dritten.

So geht es für die Mitarbeiter weiter

Gewerkschaft: Laut Andreas Blaser von der IG BCE wurde im Sozialplan ein Bewerbertag am Dolan-Gelände vereinbart. Zu diesem sollen umliegende Firmen eingeladen werden. Ein konkreter Termin stehe noch nicht fest.

Arbeitsmarkt: Die Lage am Arbeitsmarkt in der Region schätzt Blaser als „recht gut“ ein. Facharbeiter, aber auch Ungelernte hätten gute Aussichten neue Arbeit zu finden. „Für alle, die älter als 50 sind, dürfte es schwierig werden.“

Abfindung: Die Aussicht auf Abfindungen oder gerichtlichen Erfolg ist laut Blaser „sehr gering“. Daher werden auch alle älteren Gekündigten (Ü55) „noch einmal arbeiten müssen“, um über die Runden zu kommen.