Kelheimer Faserspezialist Dolan bestätigt Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung

Von Etienne Nückel · 24. April 2023 um 13:00

Der Kelheimer Faserhersteller Dolan führt ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung durch. Die Geschäftsführer haben konkrete Pläne für Unternehmen und Belegschaft.

Grundlage ist ein Beschluss des Amtsgerichts Regensburg vom 22. Februar 2023. Diese MZ-Information bestätigt Co-Geschäftsführer Steffen Liebich am Montag auf Anfrage. Liebich ist außerdem Vorstandder Industrieholding Kairos Industries AG, die Dolan 2021 übernommen hatte. Auslöser für das Insolvenzverfahren sind laut Liebich „anhaltende Turbulenzen auf den internationalen Rohstoff- und Energiemärkten“.

Kelheim: Dolan soll verkauft werden

Die Insolvenz in Eigenverwaltung biete die Möglichkeit, unter Aufsicht eines Sachwalters die Insolvenzmasse selbst zu verwalten und eigenständig nach tragfähigen Lösungen zu suchen, teilt Liebich mit. Derzeit führe man Gespräche mit vier Investorengruppen und Vertretern der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IGBCE): „Wir gehen davon aus, bis Ende Mai einen Käufer präsentieren zu können.“ Stellen wurden laut Liebich bisher nicht abgebaut, dies sei auch nicht geplant.

Als Sachwalter im Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung wurde laut Liebich Jan Markus Plathner von Brinkmann & Partner aus Frankfurt benannt. Der Gläubigerausschuss besteht aus Vertretern der Bundesagentur für Arbeit, des Betriebsrates, des Standortbetreibers Kelheim Fibres, einem Vertreter der Warenkreditversicherer sowie einem Kleingläubiger. Die Eigenverwaltung ist vom Gläubigerausschuss beauftragt worden, den Frankfurter Unternehmensberater Eichenfels einen Verkaufsprozess durchführen zu lassen.

Die Eigenverwaltung ist eine Sonderform des Insolvenzverfahrens, sagt Ingo Schorlemmer, Pressesprecher der auf Restrukturierung und Insolvenzverwaltung spezialisierten Großkanzlei Schultze und Braun. Anders als bei einem gewöhnlichen Insolvenzverfahren gebe es keinen Insolvenzverwalter mit Zustimmungsvorbehalt, sondern einen Sachwalter. Die Geschäftsführung bleibe handlungsfähig. Die Vorstellung, dass eine Insolvenz gleichzeitig das Ende eines Unternehmens bedeute, sei zwar weit verbreitet, aber veraltet, so Schorlemmer. Vielmehr sei das Ziel des Insolvenzrechtes, Unternehmen zu sanieren.

Das sind die Hintergründe

Eine weitere Besonderheit des Insolvenzverfahrens in Eigenverantwortung ist laut Schorlemmer, dass es nicht öffentlich gemacht werden muss – wenn ein Gericht dies anordnet. Sonst könnten beispielsweise Spediteure, die mit einem Zahlungsausfall rechnen, von ihrem Pfandrecht Gebrauch machen. Das könnte noch liquide Unternehmen in die Zahlungsunfähigkeit treiben. Das Amtsgericht Regensburg äußerte sich auf unsere Anfrage bisher nicht zum Fall Dolan.

Grund für das derzeitige Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung ist die Insolvenz des ehemaligen Mutterkonzerns Dralon GmbH im Herbst 2021, sagt Betriebsratsvorsitzender Josef Rummel. Kairos hatte die profitable Tochterfirma Dolan gekauft. Schon damals rechnete Rummel im Gespräch mit der MZ damit, dass Kairos Dolan irgendwann weiterverkaufen werde.

Die Dralon-Insolvenz habe für Dolan „Millionen-Verluste“ bedeutet, sagt Rummel. Normalerweise hätte das Unternehmen das überstanden, sagt Rummel: „Dolan ist gesund“.Allerdings habe sich dann die Energiekrise bemerkbar gemacht. Mit einer Unterbrechung von rund zwei Monaten ruhte die Produktion bei Dolan sei Juli 2022, die Belegschaft war in Kurzarbeit (wir berichteten).

Produktion bei Kelheimer Faserspezialist Dolan läuft wieder

Laut Liebich und Rummel wurde die Produktion Mitte April wieder hochgefahren. „Auch wenn sich die Insolvenz in Eigenverwaltung angesichts des krisenbedingten Auftragsrückgangs nicht vermeiden ließ, ist und bleibt Dolan unter regulären Rahmenbedingungen absolut wettbewerbsfähig“, sagt Geschäftsführer Yorck Richter.

Rummel ist „sehr zuversichtlich“, dass sich ein Käufer für Dolan finden wird. Die Stimmung in der Belegschaft sei zwar angespannt. Aber es habe nur wenige Kündigungen gegeben, meist von Mitarbeitern, die erst kurze Zeit beim Unternehmen beschäftigt waren. Dolan hat laut Rummel rund 110 Beschäftigte, Ende 2021 waren es rund 120.