Dolan-Werk in Kelheim wird verkauft
Der Kelheimer Acrylfaser-Produzent Dolan steht zum Verkauf an. Denn die Muttergesellschaft Dralon in Nordrhein-Westfalen meldete Insolvenz an. Wie Geschäftsführer Luis Puncernau sagte, müssten die Gläubiger von Dralon bedient werden. Bei der Dolan GmbH gebe es keine Umstrukturierung. Das Kelheimer Werk leidet seit Juli bereits nicht mehr unter den negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie – im Gegenteil.
Am 2. November wurde vom zuständigen Insolvenzgericht beim Amtsgericht Düsseldorf für die Dralon GmbH in Dormagen die Insolvenz in Eigenverwaltung eröffnet. Laut Puncernau werde Dralon nach einem Schutzschirmverfahren (eine besondere Verfahrensart des Insolvenzrechts), das am 4. August angemeldet worden sei, verwaltet. Das Gericht habe Rechtsanwalt Tillmann Peeters als Generalbevollmächtigten der Dralon GmbH und Rechtsanwalt Dr. Dirk Andres als Sachwalter bestellt.
In Kelheim „kein Personalabbau geplant“
Luis Puncernau ist einer der Geschäftsführer von Dralon, aber auch Geschäftsführer von Dolan. Als Hauptgründe für die Dralon-Insolvenz nannte er den Handelskrieg zwischen den USA und China im Vorjahr und den Umsatzrückgang 2020 durch die Pandemie. Von der Dralon-Insolvenz betroffen sind die beiden Werke in Dormagen und Lingen (Ems) mit insgesamt 511 Beschäftigten (Stand laut Puncernau von Ende August). Um insgesamt 94 Stellen werde die Belegschaft dieser beiden Werke abgebaut; „in Kelheim ist kein Personalabbau geplant“. Auch Dralon produziert Acrylfasern, aber keine sogenannten spinngefärbten wie Dolan.
Die Produktion in Dormagen und Lingen sei für Bekleidung und Heimtextilien, so Puncernau. Nicht nur die Faserart von Dralon und Dolan sind unterschiedlich, sondern auch die Märkte, die bedient werden.
Die spinngefärbten Acrylfasern made in Kelheim sind laut Geschäftsführer unter anderem im Outdoorbereich für Markisen, Gartenmöbel und Verdecke für Cabrios sowie beim Indoorbereich für Polster. Außerdem gehören zur Dolan-Produktion Homopolymerfasern für Filtrationen, zum Beispiel von Abgasströmen in Kohlekraft- oder Zementwerken.
Bis Ende Januar Aufträge
Nachdem im Mai und Juni bei Dolan wegen des Lockdowns in den Ländern Italien und Spanien sowie aus den USA die Aufträge zurückgegangen seien, ruhte die gesamte Produktion. Die meisten der 119 Mitarbeiter seien in Kurzarbeit gewesen. Seit Juli werde, bis auf den jährlichen Stillstand im August, wieder voll produziert, so der Geschäftsführer. Seiner Schilderung nach verlaufe die Auftragssituation jetzt sogar besser als in der Vergangenheit.
Für einen Zeitraum von zwölf Wochen seien aktuell Aufträge bestätigt, früher lediglich für „sechs bis acht Wochen“. Luis Puncernau: „Wir sind glücklich über den Auftragseingang.“ Bis Ende Januar seien die Auftragsbücher voll. Als Gründe für das Interesse an Dolan-Fasern vermute er auch Auswirkungen der Pandemie. Viele Leute hätten nicht verreisen können und es sich daher wohl zu Hause „komfortabel gemacht“.
Anfänge: Stilllegung:Wechsel:
Die Acrylfaser-Produktion mit dem Markennamen Dolan begann in Kelheim nach Auskunft von Betriebsratsvorsitzendem Josef Rummel Mitte der 60-er Jahre unter der Süddeutschen Chemiefaser AG.An dem Faserstandort in Kelheim gab es in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Veränderungen und Eigentümerwechsel. Vor 20 Jahren sei ein Großteil der Acrylfaserproduktion, die damals zu Acordis gehörte, stillgelegt worden, so Rummel.2004 habe Acordis den neuen Namen Kelheim Fibres erhalten. 2007 sei Dolan von Kelheim Fibres ausgegliedert worden. Die 100-prozentige Eigentümerin von Dolan sei dann die Lenzing AG gewesen. 2014 ist der Dolan-Betrieb an eine Investment-Firma veräußert worden. 2018 erfolgte der Verkauf an die Dralon GmbH.
Trotz der seit Monaten anhaltenden Vollproduktion rechnet der Geschäftsführer nicht mit der in früheren Jahren erzielten Jahresproduktionsmenge von 15 000 Tonnen. Er prognostiziert für 2020 nur 12 000 Tonnen.
Obwohl Vollproduktion ist, bleibt jedoch in Kelheim eine wichtige Frage: Wer kauft das Dolan-Werk? Es gebe Interessenten, die hauptsächlich aus Deutschland stammten, so Puncernau. Eine darauf spezialisierte Firma begleite den seit einigen Wochen laufenden Verkaufsprozess. Wie lange dieser dauert, dazu machte er keine Angaben.
Josef Rummel, Betriebsratsvorsitzender der beiden Unternehmen Kelheim Fibres GmbH und Dolan GmbH am Faserstandort in Kelheim-Affecking, überraschte die Insolvenz der Dolan-„Mutter“ Dralon. Aber er sei „überhaupt“ nicht in Sorge, dass ein solcher Schritt bei Dolan in Kelheim anstehe. Auch die Mitarbeiter sorgten sich „überhaupt nicht“. „Die wissen, was läuft.“ Mit einem Verkauf des Dolan-Werks habe man rechnen müssen. Rummel: „Es dürfte sich mit einem Eigentümerwechsel für die Mitarbeiter nichts verändern“.