Baumarkt, Bestattung und Betreuung: Marktlücken in der Altstadt erfolgreich geschlossen?

Mit einem besonderen Business haben sich Magdalena Schwarzwald und Anni Klostermeier in die Regensburger Altstadt gewagt. Seit März betreiben sie das Bestattungsinstitut Plan B. in der Obermünsterstraße. „Wir haben uns den Standort sehr bewusst ausgesucht“, sagt Klostermeier, „unser Laden soll offen und einladend sein – und dafür ist hier genau der richtige Ort.“
Wie gut das Geschäft dann angelaufen sei, habe die Gründerinnen selbst überrascht. Vom ersten Tag an habe das Telefon geklingelt. „Wir sind ohne große Referenzen gestartet. Aber die Menschen haben uns sofort viel Vertrauen geschenkt“, sagt Schwarzwald.
Auch wenn sich der ursprünglich zum Jahresanfang geplante Start wegen Renovierungsarbeiten, Lieferzeiten und Bankkredit verzögert hatte, habe sich bislang immer alles gefügt, erzählen die Unternehmerinnen. „Wir haben uns zum Beispiel Sorgen gemacht, dass wir keinen Parkplatz für den Leichenwagen finden. Aber dann kam plötzlich der Anruf, dass ab Februar ein Platz im Parkhaus zu haben ist“, erzählt Schwarzwald.
Neue Pläne für 2024
Nur einen ganz kleinen „Nachteil“ habe das florierende Geschäft. „Eigentlich haben wir geplant, in den Räumen auch Veranstaltungen anzubieten“, sagt Schwarzwald, „aber das Tagesgeschäft nimmt uns so in Anspruch, dass wir bisher keine Zeit für konkrete Konzepte oder die Umsetzung hatten.“
Im neuen Jahr bekommen die beiden Sozialpädagoginnen allerdings Unterstützung von einer weiteren Mitarbeiterin. Dann wollen sie das Thema Veranstaltungen – etwa in Form von Lesungen oder Workshops – angehen.
Über fehlende Aufmerksamkeit konnte sich auch Andreas Kölbl, Inhaber des Mini-Baumarkts Da Bastler in der Schwarzen-Bären-Straße, nach der Eröffnung im Juni nicht beklagen. „Ich hatte nicht damit gerechnet, dass das Interesse so groß sein würde“, sagt er. Dementsprechend entwickelt habe sich seine Kundschaft.
„Ich habe schon den Eindruck, dass viele Leute gezielt herkommen, weil sie wissen, dass es den Laden hier gibt.“ Im Vergleich zu den Sommermonaten, wo vor allem das Geschäft mit Gartenzubehör wie Gießkannen oder Blumenerde boomte, sei es nun etwas ruhiger geworden. „Ich denke, das ist saisonal bedingt. Wir sind nicht groß ins Weihnachtsgeschäft eingestiegen“, sagt er.
Insgesamt ist der Inhaber jedenfalls zufrieden mit dem Umsatz. „Was mich verwundert hat, ist, dass Elektrozubehör wie Bohrer oder Sägeblätter für die Stichsäge nicht so stark nachgefragt sind. Das ist wohl mehr etwas für Leute, die viel Platz haben und nicht in einer Wohnung in der Innenstadt wohnen.“
Für das neue Jahr hat Kölbl ebenfalls schon Pläne. Den Gartenbereich will er zum Frühjahr hin weiter ausbauen – und auch beim Fahrradzubehör soll aufgestockt werden. „Da ist der Bedarf definitiv da.“
Dass 2024 wohl noch eine weitaus größere Veränderung anstehen wird, kann er ebenfalls schon sagen. „Spätestens im Sommer müssen wir hier ausziehen. Das Gebäude wird saniert.“
Vollkommen unvorbereitet habe ihn diese Botschaft nicht getroffen, erklärt Kölbl. „Dass das irgendwann passieren wird, war von Anfang an klar. Nur der Zeitpunkt nicht.“ Für seine rund 1500 Baumarkt-Artikel – etwa 500 davon sind Schrauben – braucht er deshalb ein neues Zuhause. „Nächstes Jahr wird auf jeden Fall aufregend“, sagt er. Ab März, April oder Mai suche er neue Räumlichkeiten. „Bis zu 70 Quadratmeter – und auf jeden Fall in der Innenstadt, sonst macht das Konzept keinen Sinn.“
Dass trotz guter Planung nicht immer alles so läuft, wie erhofft, zeigt sich dagegen bei Sabina Haberkorn. Sie hatte im September das Kinderzimmer in der Simadergasse eröffnet. Vormittags Krippe, nachmittags Kurzzeitbetreuung, während die Eltern bummeln – ein solches Konzept habe in der Altstadt noch gefehlt, sagt sie.
Als Ergänzung zu der Betreuung bot sie in dem zweiten Laden zudem neue und gebrauchte Schwangerschaftsmode, Geschenke und Spielzeug an. Zuletzt gastierte dort sogar ein Pop-Up-Store. „Eine Marktlücke“, hatte sich die Gründerin kurz vor der Eröffnung gegenüber unserer Zeitung geäußert. Gerade die Krippe am Vormittag sei sehr gut angelaufen, zog Haberkorn dann Anfang Dezember ein erstes Fazit.
Kurz darauf änderte sich die Lage für die Unternehmerin allerdings völlig unerwartet. Ein Feuer zerstörte ihr Elternhaus im Landkreis Regensburg. Der entstandene Schaden ist immens. „Den Neuaufbau zu begleiten, wird ein enormer Aufwand. Das kann ich nicht nebenbei stemmen“, sagt sie.
Monatliche Veranstaltungen
Aus diesem Grund kann sie die Kurzzeitbetreuung derzeit nicht anbieten. Lediglich Kindergeburtstage könne man weiterhin online buchen. Den Bereich Schwangerschaftsmode wird sie in diesem Format ebenfalls nicht fortführen. Stattdessen will Haberkorn ein monatliches Veranstaltungsformat rund um Schwangerschaft und Kind etablieren, bei dem auch Mode angeboten wird. „Es wäre schön, wenn Schwangere den Einzelhandel bei so etwas unterstützen“, sagt sie.
Trotz des Schicksalsschlages will Haberkorn positiv in die Zukunft schauen. „Auch wenn das Projekt Kinderzimmer nun teilweise pausieren muss, freue ich mich auf ein Wiedersehen“, sagt sie, „genauso wie auf 2024 und auf neue Ideen.“
Infos für Gründer
Standortsuche: Wie finden Gründer den passenden Standort für ihr Business? Das Team der Wirtschaftsförderung der Stadt Regensburg kann bei diesem Schritt beraten und unterstützen. Für den Standort Altstadt sind dabei die Altstadtkümmerer die richtigen Ansprechpartner, heißt es außerdem von Seiten der Stadt.
Beratung: Fragen zu Businessplänen oder zur Wahl der geeigneten Rechtsform? Hier kann das Amt für Wirtschaft und Wissenschaft weiterhelfen. Das Amt greift dabei laut Stadt auf ein breites Netzwerk zurück, das unter anderem aus der Industrie- und Handelskammer, der Handwerkskammer und der Dehoga besteht.

