Ein Kinderzimmer für die Altstadt: Die Eltern shoppen, das Kind geht spontan zum Yoga

Von Micha Matthes · 1. Mai 2023 um 13:22

Sabina Haberkorn möchte mit ihrem Konzept für die Regensburger Innenstadt über eine gewöhnliche Betreuung hinausgehen und Workshops wie Kinderyoga und Handwerken anbieten. Außerdem sieht sie eine Marktlücke für Hotels in Regensburg.

Das Geschrei ist groß: Der Sohn zieht in die eine Richtung, die Mutter in die andere. Er will endlich zum Sandkasten, sie wollte doch nur noch schnell eine Hose kaufen – eigentlich eine Sache von Minuten, jetzt zieht sich die Meinungsverschiedenheit hin und zehrt an den Nerven. Regelmäßig kann man in der Altstadt junge Familien in ähnlicher Situation beobachten. Doch was gibt es da schon für Optionen? Da ist das Café Kona mit opulentem Spielbereich und kinderfreundlicher Bedienung. Im Mehrgenerationenhaus in der Ostengasse gibt es verschiedene Angebote wie das Kindercafé für sechs- bis zwölfjährige am Freitag von 15 bis 18 Uhr. Mancher Biergarten hat noch eine Spielecke. Ansonsten sieht das Beschäftigungsangebot für Kinder aber eher mau aus – vor allem bei schlechtem Wetter.

Während das Donau-Einkaufszentrum bereits eine spontane Betreuung für kleine Besucher ab zwei Jahren im Kinderclub Paletti anbietet, existiert ein solches Angebot für die Innenstadt bislang noch nicht. Das will Sabina Haberkorn nun ändern. Sie möchte mit ihrem Konzept sogar noch über eine gewöhnliche Betreuung hinausgehen und Workshops wie Kinderyoga und Handwerken anbieten. Außerdem will sie sich eng mit Hotels in der Innenstadt vernetzen, damit auch deren Gäste für ihre Kinder auf das Angebot zurückgreifen können.

Laden für Kinder und für Umstandsmode in Regensburg

Die eigene Erfahrung habe sie auf die Idee gebracht, erzählt Haberkorn. „Meine Eltern und die ganze Verwandtschaft wohnen weiter weg. Ich habe gemerkt: Manchmal würde man sich einfach freuen, ein Zeitfenster zu haben – nur um mal zum Friseur gehen zu können ohne Kind. Diese Situation ist mir so oft im Alltag begegnet.“ Das Konzept Kinderzimmer – Haberkorn kürzt den Namen als „Kizi“ ab – soll aber nicht nur Eltern eine Erleichterung verschaffen, sondern den Kindern auch Selbstständigkeit vermitteln und ihr Selbstvertrauen beispielsweise durch ein kreatives Selbsterlebnis, das sie für sich verbuchen können, erweitern.

„Der Firmenname ist Programm“, sagt die 43-Jährige. „Wer mag, kann einfach ins Kinderzimmer reinkommen und findet dort zahlreiche Beschäftigungsmöglichkeiten vor.“ Beim Freispiel können Kinder mit Playmobil, Lego oder Puppen spielen. Im Kreativbereich kann gebastelt oder gemalt werden.

Im Eingangsbereich wird ein großes Regal mit gebastelten Werken stehen, dahinter liegt das zugehörige Material, das gegen die Materialkosten erworben werden kann und mit dem die Kinder dann gleich losbasteln können. Der Mann von Haberkorn ist Schreiner. Gemeinsam mit ihm sollen Workshops zu handwerklichem Arbeiten angeboten werden. Im Kreativbereich werde es aber auch Raum geben, um beispielsweise Hausaufgaben zu machen. Außerdem will Haberkorn auch für die Kinder kochen.

Gleichzeitig soll das Kizi auch ein Kinderladen sein, in dem es Spielsachen und „Dinge, die Kinder bereichern“, zu kaufen geben soll – etwa auch Geschenke zu Geburt und Kommunion. Und noch eine weiter Marktlücke hat Haberkorn, die selbst zweifache Mutter ist, entdeckt: Während es in Regensburg viele Geschäfte für Kinderbekleidung gibt, mangelt es an Umstandsmode. Daher wird sie auch diese in ihr Sortiment aufnehmen.

Gratis-Betreuung zum Start in der Simadergasse

Nachdem bereits vor wenigen Tagen das Modegeschäft Frauenzimmer im frisch sanierten Erdgeschoss des Eckgebäudes Obermünsterstraße 15 eröffnet hat, zeichnet sich mit dem Kinderzimmer für die zuletzt stark von Vandalismus geplagte Simadergasse jetzt die nächste Neueröffnung ab. Das Jugendamt habe die Räume bereits auf Kindertauglichkeit geprüft. Die Verträge seien am Donnerstag unterschrieben worden und es gebe auch schon ein Logo, sagt Haberkorn. Eröffnen soll das Kizi im Juli. Haberkorn will die Kinderbetreuung dann zum Kennenlernen in der ersten Woche umsonst anbieten.

Ansonsten plant sie, dass eine Stunde Betreuung voraussichtlich 15 Euro kosten wird. Zusammen mit einer Mitarbeiterin will Haberkorn immer maximal zehn Kinder im Alter zwischen drei und zwölf Jahren gleichzeitig betreuen. Die Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 14 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 18 Uhr. Über ein Buchungssystem können auch online Termine reserviert werden.

Haberkorn ist eigentlich Hauswirschaftliche Betriebsleiterin, lässt sich derzeit aber auch noch zur Tagesmutter ausbilden. Vormittags soll dann in den Räumen in der Simadergasse noch eine normale Großtagespflege (zwei Tagesmütter, die sich zusammenschließen) eingerichtet werden.

Simadergasse: Von Vandalismus geplagte Ecke steht vor Wandel

Die Simadergasse soll aufgewertet werden. Der Prozess ist ein Projekt des „Labors der kreativen Köpfe“ und Bestandteil der Smart City-Strategie R_Next. Bei dem Pilotprojekt arbeiten kreative Menschen von Anfang an eng mit der Stadtverwaltung und den Anwohnern zusammen, um neue Ideen für Lösungsansätze zu finden und diese zu erproben. Auf Basis von Gesprächen und Workshops sind so bereits grobe Entwürfe, sogenannte „Prototypen“, für die Simadergasse entstanden. Diese werden aktuell noch weiterentwickelt. In naher Zukunft werde es dazu weitere Neuigkeiten geben, sagt Altstadtkümmerer Stephan Bergmann. Im Sommer soll dann eine Testphase beginnen. Bei einem der Entwürfe leuchtet der komplette Straßenboden in Neonfarben. Durch die aufgemalten lila, gelben, grünen und roten Sechsecken wird der Boden aktiviert. Die ganze Gasse wird zu einem Kunstwerk. Solche großflächigen Gemälde auf der Straße – Asphalt- oder Pavement Murals genannt – kennt man aus Städten wie New York oder Paris.

Ein Familienunternehmen aus Rosenheim hat das ehemalige Kino Gloria in der Simadergasse gekauft. Ein Architekturbüro führt nun eine Generalsanierung durch. Im Hinterhaus sollen Wohnungen entstehen. Für das Vorderhaus – das ehemalige Kino – sucht der Eigentümer Mieter. Er plant dort einen Gastrobetrieb – „idealerweise mit Kunst und Kultur dabei“.