24-Stunden-Supermarkt in Pösing: Gemeinde und Betreiber ziehen erste Bilanz

Einkaufen, wann immer man möchte. Bezahlen quasi im Vorbeigehen. Seit etwa einem Monat ist das in Pösing (Landkreis Cham) möglich. Im November wurde in einem Container neben dem Bürgerhaus der landkreisweit erste Selbstbedienungs-Mini-Supermarkt eröffnet.
Entstanden ist die Idee aus der Not heraus. Nachdem im Frühjahr der letzte Bäcker im Ort zugemacht hat, standen vor allem die älteren Bewohner vor der Frage, wohin zum Lebensmitteleinkauf. Mit Landkauf24 hat in Pösing ein Konzept Einzug gehalten, das Bestand haben könnte.
Laut Bürgermeister Michael Reith wird der Laden vor dem Bürgerhaus bislang gut angenommen. Auch wenn der gut 18 Quadratmeter große Container in der Schulstraße zunächst an einen überdimensionalen Schuhkarton erinnert, erfüllt er doch einen ernstzunehmenden Zweck.
Viele Waren auf kleiner Fläche
Ein Gang durch die Regalreihen zeigt die Produktvielfalt, die sich auf engem Raum den Pösingern bietet: Müsli, Kaffee, Milch, Mineralwasser, alkoholfreie Getränke bis hin zu Butter, Käse, diversen Aufstrichen sowie Süßigkeiten und Hygieneartikel. Sogar an vegane Kunden hat man gedacht.
Mit den ausgefeilten Sortimenten namhafter Supermarktketten kann der Landkauf24 freilich nicht mithalten und das muss er auch gar nicht, wie Reith erklärt: „Uns war wichtig, dass ein Grundangebot an Lebensmitteln da ist.“ Immerhin befinden sich die nächsten Einkaufsmärkte in rund sechs Kilometern Entfernung in Roding. Alternativ können die Pösinger nach Stamsried fahren.
Auch wenn man ursprünglich eher die ältere Bevölkerung als Klientel für das Geschäft im Blick hatte, wird das 24-Stunden-Angebot auch von jüngeren Leuten stark genutzt, sagt Reith. In den ersten Tagen seien sogar viele Auswärtige nach Pösing gekommen, um sich die neuartige Einkaufsmöglichkeit genauer anzusehen. Immerhin hat dieses Konzept der Versorgung momentan noch Seltenheitswert im Landkreis. „Man geht quasi in den Automaten hinein“, beschreibt der Rathauschef das besondere Einkaufserlebnis.
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Ebenfalls zufrieden mit dem bisherigen Umsatz ist Florian Dietz, einer der beiden Geschäftsführer. Pösing ist für ihn und Geschäftspartner Timo Sonntag nach Bodenwöhr der zweite Laden. Weitere Mini-Läden im näheren Umkreis sind derzeit in der Planung. Trotz bislang zufriedener Zahlen sei es für ein abschließendes Urteil noch zu früh. „In der Lebensmittelbranche braucht es mindestens drei Monate, bis man ein endgültiges Fazit ziehen kann“, sagt er.
Viele Rückmeldungen
Dankbar sind Diez und Sonntag über die vielen Rückmeldungen der Pösinger in den vergangenen Wochen, etwa zum Sortiment. Bislang konnten alle Wünsche berücksichtigt werden. Sehr gut angenommen werde das nachträglich hinzugekommene Angebot an frischen Backwaren. Diese werden täglich von der Bäckerei Höcherl von der Hindelmühle bei Stamsried geliefert, aufgrund der Hygienevorschriften jedoch abgepackt.
Sollte sich der Laden auch weiterhin rechnen, könne sich Reith vorstellen, die Verkaufsfläche um einen Container zu erweitern. „Die Option besteht definitiv“, sagt er. Den Platz dafür gebe auch das Fundament, das die Mitarbeiter des Bauhofs für die Container gebaut haben, her.
Die Hoffnung auf die Ansiedlung eines der namhaften Supermärkte hat Reith mittlerweile aufgegeben. „Wir hatten in der Vergangenheit schon Gespräche mit Vertretern entsprechender Märkte“, erzählt er. Das Ergebnis sei immer dasselbe gewesen. „An Orten mit weniger als 1000 Einwohnern haben die großen Lebensmittelketten kein Interesse.“
Zutritt zum Geschäft nur durch einen Telefonanruf möglich
So positiv die Stimmen aus der Bevölkerung zu der neuen Einkaufsmöglichkeit auch sind, stieß die Gemeinde mit der Idee eines unbesetzten Verkaufscontainers bei einigen Pösingern zunächst auf Skepsis. Hauptsorge sei anfangs gewesen, dass die älteren Bürger nicht technikversiert genug wären, um im Laden einkaufen zu können. Immerhin ist der Zutritt zum Geschäft nur durch einen Telefonanruf möglich, die Waren müssen selbstständig gescannt werden und die Bezahlung erfolgt ausschließlich an einem EC-Terminal.
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Vonseiten der Gemeinde habe man daher versucht, gerade in der Anfangszeit so gut wie möglich gegenzusteuern. „Uns war natürlich klar, dass man das den Leuten ausführlich erklären muss“, sagt Reith. Dafür habe es etwa einen Tag der offenen Tür gegeben, an dem älteren Leuten die Funktionen genau gezeigt wurden.
Und mit einer Ausnahme, habe es bislang auch keine Probleme gegeben. Einzig vor einigen Wochen seien die Kunden plötzlich vor verschlossenen Türen gestanden, als die Öffnungs- und Anrufmechanismen kurzzeitig streikten. Dies sei aber schnell behoben worden.
18 Kameras installiert
Probleme durch Diebstähle hat es im Pösinger Markt bisher laut Diez noch nicht gegeben. Anders in Bodenwöhr: „Bei manchen Kunden ist nach gut einem halben Jahr die Ehrlichkeit etwas weggebrochen“, erzählt Diez. Im Februar haben dort außerdem maskierte Jugendliche frühmorgens Waren im Wert von rund 300 Euro geklaut, berichtet er weiter. Anhand der Telefonnummer, die zum Öffnen der Tür angerufen wurde, konnten die Täter ermittelt werden.
Alleine im Pösinger Container sorgen 18 Kameras dafür, um Fällen wie diesem künftig besser entgegenwirken zu können. Außerdem setzt das Betreiberduo auf Künstliche Intelligenz, die etwa die Bilddaten auswertet und die Einnahmen mit dem Warenbestand abgleicht.






