Nach Einbruch: Der Dorfladen in Blechhammer kämpft gegen Flaute

Von Renate Ahrens · 12. April 2023 um 19:00

Nach einem Einbruch verschärfen die Betreiber des Landkauf24 in Blechhammer die Sicherheitsmaßnahmen. Seitdem bleiben Kunden zunehmend fern. Aufgeben wollten die Verantwortlichen deswegen nicht – und planen verschiedene Aktionen.

Der Landkauf 24-Laden in Blechhammer wirdseit Eröffnung im Oktober gut angenommen. Lange hatte ein Dorfladen in diesem Ortsteil gefehlt. Bedroht ein Einbruch im Februar nun den Fortbestand? Einige Sicherheitsmaßnahmen, die man daraufhin vorgenommen hatte, ließen die Umsatzzahlen rapide einbrechen. Die Betreiber wollen nicht aufgeben. Für sie ist der Laden eine „Herzensangelegenheit“.

Mit Gewalt hatten am 28.Februar um 13.30 Uhr zwei nicht vermummte Täter den Bargeld-Safe aus einem Möbelstück herausgerissen. Das zeigten die Aufnahmen der Videokameras, die im Laden installiert sind. Diese „exzellente Überwachung“ habe sehr gut funktioniert und zur Aufklärung dieses besonders schweren Falls des Diebstahls geführt, lobt Polizeihauptkommissar Markus Schmitt. Die Diebe wurden bereits zwei Tage später von der Polizei gefasst. Ein 23-Jähriger aus dem südlichen Landkreis Schwandorf sowie ein 28 Jahre alter Mittäter sollen für den Überfall verantwortlich sein. Der Safe wurde sichergestellt. Die 1000Euro, die sich darin befanden, waren allerdings weg.

Die Betreiber entschieden sich daraufhin schweren Herzens, die Zahlung mit Bargeld einzustellen. Sie war auf Vertrauensbasis erfolgt: Das abgezählte Geld warfen die Kunden in den Safe. „Bis dahin zahlte etwa die Hälfte der Kunden bar, vor allem Ältere. Die andere Hälfte nutzte die Möglichkeiten, mit EC-Karte oder Paypal zu bezahlen“, berichtet Florian Diez. Bereits zuvor hatte es mehrere geringfügigere Diebstähle gegeben, wie einmal 24Dosen Getränke im Wert von 60 Euro. „Die Einbußen waren im Laufe der Zeit zu groß. Es konnte nicht so weitergehen“, sagt Diez.

Eingang ist nun versperrt, aber per Telefon zu öffnen

Die bislang offene Tür ist nun versperrt. Doch der Zugang sei laut den Betreibern Timo Sonntag und Florian Diez noch immer einfach möglich – und das rund um die Uhr: Man wählt eine kostenlose Telefonnummer, es klingelt, danach können die Kunden eintreten. Daten und Nummern werden nicht gespeichert oder registriert, es ist auch niemand am Telefon, so die Unternehmer weiter.

Für sie stehe der soziale Aspekt des Ladens im Vordergrund – schließlich wünschten sich die Bürger des Ortsteils schon lange Einkaufsmöglichkeiten für den täglichen Bedarf.

Das ist nun geboten. Wie in einer kleinen Markthalle sind rund 700 Produkte übersichtlich angeordnet, ob gekühlte Milchprodukte, Gefrorenes wie Eis oder Pizza, Drogerieartikel, frisches Obst, Semmeln einer Nittenauer Bäckerei oder Konserven. Die Preise sind vergleichbar mit denen im Supermarkt.

Doch seit dem Vorfall kaufen dort weit weniger Bürger ein. „Wir vermuten, dass der Umsatzeinbruch vor allem an der geschlossenen Tür liegt. Dabei ist diese Barriere durch einen Anruf sehr einfach zu überwinden“, so Diez. Seine Enttäuschung ist groß: „Das Vertrauen wurde von einigen Menschen missbraucht. Der Großteil der Kunden ist ja ehrlich.“

Immer wieder stellten sich die Betreiber auf Kundenwünsche ein und passten das Sortiment an. Auch regionale Produkte von Direktvermarktern findet man hier. Ab fünf Euro Einkauf darf man sich kostenlos einen Kaffee oder Tee nehmen. „Das Feedback war sehr positiv“, so Diez. Aufgeben komme aber nicht infrage: Man will den Laden unbedingt weiterführen und überlegt sich Aktionen, um Kunden anzulocken. Obwohl normalerweise kein Personal vor Ort ist, steht ab 19. April nun für sechs Wochen an jedem Mittwoch von 12 bis 14 Uhr ein Mitarbeiter für Fragen zur Verfügung. Er erklärt auch das Self-Checkout-Kassensystem.

Verantwortliche planen einen Tag der offenen Tür

Die Zugangskontrolle hatten die Diez und Sonntag, die erstmals einen Dorfladen mit diesem Konzept betreiben, selbst entwickelt. Um den Bürgern den Laden noch näherzubringen, wird es am Sonntag, 30.April, einen Tag der offenen Tür geben.

Diez und Sonntag hoffen auf mehr Akzeptanz. „Woanders haben schon Läden wegen Vorkommnissen wie diesen dicht gemacht. Das wollen wir auf keinen Fall.“ Es sei allerdings schade, so sagen sie, dass die Ehrlichen für den Schaden einiger weniger Menschen mitzahlen müssten. Das Konzept trage sich nur, wenn die gesamte Dorfgemeinschaft dahinterstehe.

Nach dem Umbau zieht der Laden in das Bahnhofgebäude in Blechhammer ein. -Foto: Renate Ahrens