Auch neuer Vorstoß zur Bebauung des Brantl-Areals in Roding ist wenig erfolgversprechend

Von Christoph Klöckner · 28. Dezember 2023 um 05:00

Ein großes Loch wird auch 2024 und wohl noch länger die Stadt begleiten: Das Brantl-Areal in Roding (Landkreis Cham) bleibt vorerst weiter unbebaut.

In diesem Jahr unternahm der Investor, die Raiffeisenbank Chamer Land, die das ehemalige Brauerei-Gelände inmitten der Stadt kaufte, einen eigenen Vorstoß ohne Städtebauplaner und Stadt mit einem nur wenig veränderten Bebauungsplan von 2020 – und scheitert ganz offensichtlich wieder damit. Sowohl die Einwände der Nachbarn sind geblieben, wie auch die der Regierung der Oberpfalz.

Im Einklang mit den Zielen

Somit hat mancher beim Blick auf den nun seit fast fünf Jahren sich dahinziehenden Vorgang ein Déjà vu – denn mit dem Vorstoß 2023 ist alles wieder zurück auf Anfang gegangen. Und auch die Pläne des Architekten der Raiffeisenbank, die bei der Abwägung des ersten Bebauungsplan-Versuchs mit Städtebauplaner, Stadt und Regierungsbeteiligung durchfielen, wurden nur wenig verändert neu eingereicht. Das Ergebnis verwundert da nicht: die Regierung der Oberpfalz als maßgebliche Behörde hat die Pläne jetzt aktuell in einer Stellungnahme für das Bayerwald-Echo als „nicht vereinbar“ mit den Zielen des Städtebaus für Roding bezeichnet. Regierungssprecherin Kathrin Kammermeier fasste die Auffassung der Behörde zusammen. Darin wird zunächst die Lage beschrieben. Das Brantl-Areal im Zentrum der Stadt Roding befinde sich im förmlich festgelegten Sanierungsgebiet II und stelle eine wichtige städtebauliche Entwicklungsfläche im Bereich der Altstadt dar. Im Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) der Stadt Roding sei die Weiterentwicklung des Areals daher auch als wichtiges Impulsvorhaben für die städtebauliche Erneuerung festgeschrieben. Städtebauliche Planungen in diesem Bereich müssten im Einklang mit den Zielen einer integrierten und nachhaltigen Stadterneuerung stehen.

„Seit mehreren Jahren gibt es erfreulicherweise Bestrebungen diese Fläche zu bebauen und einer neuen Nutzung zuzuführen“, so die Stellungnahme. Im Rahmen ihrer kommunalen Planungshoheit musste die Stadt Roding die Vereinbarkeit von Planungen Dritter – in diesem Fall eines Investors – mit ihren eigenen städtebaulichen Zielen überprüfen. „Mit Unterstützung der Städtebauförderung möchte die Stadt Roding gerade in den für die Stadterneuerung relevanten Sanierungsgebieten ein hohes Maß an baulicher Qualität realisieren“, betont die Vertreterin der Regierung.

Städtebauliches Strukturkonzept

Da die ersten Planungen des Investors für das Brantl-Areal nach der Beurteilung des städtebaulichen Beraters der Stadt – und weiterer Fachstellen – die Anforderungen nicht erfüllten, ließ die Stadt Roding ein städtebauliches Strukturkonzept zur nachhaltigen Entwicklung des Brantl-Areals erarbeiten. Dieses Konzept vom Januar 2022 sollte als Grundlage für die nachfolgende Bauleitplanung für das Brantl-Areal dienen und die notwendige städtebauliche Qualität der Planung sicherstellen, heißt es weiter.

Im April 2023 hätten die Fachstellen wie die Regierung einen überarbeiteten Planungsstand des Investors vom 26. Januar 2023 vorgelegt bekommen. Und dann heißt es vonseiten der Regierung: „Auch dieses Mal konnte die Vereinbarkeit der Planung mit den Zielen der Stadterneuerung leider nicht festgestellt werden. Es besteht weiterhin relevanter Handlungsbedarf bezüglich der im Städtebaulichen Strukturkonzept von Januar 2022 aufgezeigten Aspekte. Zu nennen sind hier vor allem die städtebauliche Struktur der geplanten Gebäude, wie etwa der Baumasse der einzelnen Baukörper, deren Situierung auf dem Gelände, sowie deren Wechselwirkung mit der umgebenden Bebauung.“ Auch lasse der vorgelegte Entwurf des Bebauungsplans unter anderem notwendige Festsetzungen offen, die die Gebäude- und Freiflächengestaltung betreffen. Da insbesondere das Brantl-Areal eine wichtige innerstädtische Entwicklungsfläche darstellt, habe die Regierung der Oberpfalz der Stadt angeboten, die Erstellung einer Bauleitplanung unter Federführung der Stadt Roding mit Mitteln der Städtebauförderung zu unterstützen, um so die Weiterentwicklung des Brantl-Areals mit einer qualitätvollen und nachhaltigen Planung zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen, so die Regierung.

Ball beim Investor

Die Stadt habe die neuen Bebauungsplanungen nach der öffentlichen Auslegung vor kurzem mit den eingegangenen Stellungnahmen an den Investor zur Einarbeitung weitergeleitet, sagte Bürgermeisterin Alexandra Riedl auf Nachfrage. Es habe auch einen großen, gemeinsamen Termin über die Inhalte der Stellungnahmen gegeben. „Es liegt nun am Planer des Investors, die Stellungnahmen dementsprechend richtig einzuarbeiten“, so Riedl, die auch bejahte, dass es weiterhin die schon zuvor bestehenden Nachbarschaftseinsprüche gebe. „Ich kann nur mitteilen, dass der Bebauungsplan derzeit überarbeitet wird“, teilte Reinhard Paulus, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Chamer Land dazu mit.

Die erste Planung fürs Brantl-Areal wurde beim Bauamt weiter verfolgt, bis die Regierung auf die Probleme aufmerksam machte. Foto: Klöckner
In beispielloser Weise hatten die Vorstände der Raiffeisenbank im Oktober 2022 ihre Enttäuschung über die Stadt deutlich gemacht. Foto: Klöckner
So sah das erste Modell aus zur Neubebauung des Brantl-Areals, das von der Stadt Roding zunächst als gut empfunden wurde. Foto: Schreiner