Feuerwehr Bergham rettete den Kater im Juni – Tierärztin Heike Roidl gab ihm ein Zuhause

Von Lisa Steigerwald · 25. Dezember 2023 um 05:00

Der Findlings-Kater Röhrich lauert unter dem Sofa und hinter der Tür und krallt aus dem Hinterhalt nach allem, was vorbeiläuft. Vor allem auf die Katzendamen Hetti und Seli hat es der Kater abgesehen. Mit der jungen Hetti spielt er gern, nur „manchmal ist er ihr zu grob“, erklärt seine Besitzerin, Tierärztin Heike Roidl aus Bergham (Landkreis Schwandorf).

Sie päppelte die Babykatze auf, nachdem sie im Juni durch eine groß angelegte Rettungsaktion von der Freiwilligen Feuerwehr Bergham aus einem unterirdischen Rohr eines Entwässerungssystems befreit worden war. Rund drei Stunden arbeiteten die Retter in der prallen Sonne, um das Tier zu bergen.

Dazu trugen die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr eine Steinschicht ab und gruben zwei 1,30 Meter tiefe Löcher. Seinen Namen erhielt der Kater dann auch von den Feuerwehrleuten: „Wenn er schon in ein Rohr fällt, dann muss er Röhrich heißen“. Zuerst stand es knapp um den kleinen Findling, aber die Tierärztin brachte ihn wieder auf die Beine – und schenkte ihm ein neues Zuhause.

Röhrich macht Jagd auf Spielzeug und Füße

Jetzt hat er sich gut eingelebt, und wie es sich für einen jungen Kater gehört, stellt er viel an. „Röhrich ist ein richtiger Abenteurer geworden“, sagt Roidl und bedankt sich noch mal bei den helfenden Feuerwehrleuten. Der Freigänger jagt neben Füßen und seinen Artgenossen auch Spielzeug. „Wenn er es gefangen hat, trägt er es wie eine Trophäe durch die ganze Wohnung und lässt es nicht mehr los.“ Und auch wenn der 19-jährige Kater Luis es lieber ruhig mag, toleriert er seinen aufmüpfigen Mitbewohner.

Neben Fressen und Spielen schmust der junge Kater gern und viel. „Er lässt fast alles mit sich machen“, sagt Roidl. Er mag es zum Beispiel, wie ein Schal über der Schulter getragen zu werden. Aber wenn es ihm mal zu viel ist, könne es schon passieren, dass er haut. In letzter Zeit sei Röhrich jedoch etwas scheu und ängstlich gegenüber Besuchern geworden, erzählt seine Besitzerin.

Lesen Sie die ganze Geschichte von Röhrichs Rettung noch einmal nach: Feuerwehr Bergham rettet mit viel Muskelkraft und Ausdauer jungen Kater aus Rohr

Ebenfalls im Juni hat Heike Roidl die Praxis von ihrer plötzlich verstorbenen Kollegin Kerstin Peschel übernommen. „Es ist wie nach Hause kommen“, sagt die 50-Jährige. Zuvor hatte sie in einer Praxis in Miltach gearbeitet. Eine Arbeitsstrecke von rund 55 Kilometern einfach nahm sie jeden Tag auf sich. Für den Bereitschaftsdienst hatte Roidl eine Dienstwohnung in Miltach. Nun sei sie erleichtert über den Arbeitsweg von nur zehn Minuten.

Die gebürtige Nittenauerin erzählt, dass sie von den Patienten und deren Besitzern gut angenommen worden sei. Zudem habe sie viele Patienten von ihrer Vorgängerin übernehmen können. Ihren Kater Röhrich kastriert die Tierärztin demnächst selbst.

Der Kater frisst für sein Leben gern – und muss deshalb im neuen Jahr abspecken

Mit Rottweiler Bertel ist der junge Kater „dick“ befreundet: Die beiden fressen sogar gemeinsam aus einem Napf. Überhaupt ist Röhrich schon ein richtiges „Dickerchen“ geworden. „Er frisst sehr gerne und besonders unser Essen“, gibt die Tierärztin zu. Roidl erzählt, dass der Kater schon in der Früh an der Kaffeemaschine wartet, um dort Milchschaum aus Hafermilch zu bekommen. „Vielleicht ist das ein Kindheitstrauma“, vermutet Roidl in Bezug auf sein Essverhalten. Der Vorsatz für 2024 steht deshalb auch schon fest: abspecken.

Viel Unsinn hat er im Kopf. Foto:
Vorsatz für das neue Jahr: Gewicht reduzieren. Foto: Roidl
Nach etwa drei Stunden, kopfüber und bis zur Hüfte unter der Erde, erreichte ein Kamerad der FF Bergham mit den letzten Fingerspitzen die Katze. Foto: Anna Stöger, Archiv
Völlig erschöpft und durchnässt kam das Tier bei Tierärztin Roidl an. Foto: Anna Stöger, Archiv
Roidl hat Röhrich ins Herz geschlossen. Foto: Roidl
Zuhause kann er mit vielen Artgenossen und Hund Bertl spielen – und sie ärgern. Foto: Roidl