Nach Rettung aus Rohr: Kater „Röhrich“ blüht bei Tierärztin in Nittenau auf

Von Cornelia Lorenz · 29. Juni 2023 um 14:52

Ein Katzenbaby, das unterirdisch in einem Rohr festsaß, hat kürzlich die Feuerwehr Bergham stundenlang in Atem gehalten. Nun ist das Tierchen kaum wiederzuerkennen: „Röhrich“ ist dank guter Pflege wieder fit – und hat das Herz der neuen Nittenauer Tierärztin Heike Roidl im Sturm erobert.

Dem Katerchen sind die Strapazen nicht mehr anzusehen: Eine gründliche Reinigung hat unter der Schmutzschicht sein eigentliches Fell zum Vorschein gebracht – es ist weiß mit rötlichen Abzeichen. Mittlerweile wiegt das Tier rund 900Gramm, hat großen Appetit und, so wie jedes andere Katzenbaby auch, vor allem Flausen im Kopf.

Dass es dem kleinen Findelkind heute so gut geht, ist einerseits den Kameraden der Berghamer Wehr zu verdanken: Sie ließen nichts unversucht und befreiten das laut wimmernde Katerchen am 19. Juni aus dem KG-Rohr eines Entwässerungssystems – eine schweißtreibende Angelegenheit, schließlich mussten die Kameraden in der prallen Sonne zuerst eine größere Steinschicht abtragen und dann von zwei Seiten jeweils 1,30 Meter tief bis zum Rohr graben – das letzte Stück sogar mit bloßen Händen. Nach rund drei Stunden konnten die Retter das erschöpfte und durchnässte Kätzchen befreien.

Röhrich hat jämmerlich gemaunzt

Aufgrund der dramatischen Rettungsgeschichte gaben die Kameraden dem Kater den Namen „Röhrich“ – und so nennt ihn Tierärztin Heike Roidl heute immer noch. Sie kümmerte sich nach seiner Befreiung sofort um ihn. Da habe er noch jämmerlich geschrien, sei dann aber immer apathischer und stiller geworden. „Er wäre fast gestorben, sein Herz hat kaum noch geschlagen“, sagt Roidl. Kein Wunder: Normalerweise liegt die Körpertemperatur von Katzen bei 38,5 Grad, alles unter 35 Grad sei für ein Tier gefährlich – und bei Röhrich habe das Thermometer, das Temperaturen ab 33 Grad aufwärts anzeigen könne, nicht mehr reagiert. Mit Hilfe von Wärmematten und einer angewärmten Infusion mit Elektrolyten habe sich Röhrichs Zustand aber zum Glück stabilisiert. „Er ist eine echte Kämpfernatur“, sagt Roidl.

Die 49-jährige gebürtige Nittenauerin hat am 1. Juni die Praxis der im Dezember 2022 überraschend verstorbenen Tierärztin Kerstin Peschel übernommen. Roidl lebt mit ihrer Familie in Fischbach. Ihr Tiermedizinstudium hat sie in München absolviert und war in den vergangenen 19 Jahren in Miltach im Landkreis Cham in einer tierärztlichen Gemeinschaftspraxis tätig. Die täglichen Fahrten dorthin seien eine Belastung. „Das ist mir allmählich zu viel geworden“, sagt sie. Deshalb habe sie nun die Chance genutzt, sich heimatnah niederzulassen. Dass sie einmal Tierärztin werden wollte, war Roidl von klein auf klar. „Ich habe das schon in der Grundschule gewusst“, sagt sie. Erlebnisse wie die Rettung von Katerchen Röhrich sind es, die ihr besonders viel Freude machen. „Wenn ich einem Tier zurück ins Leben helfen kann und sehe, wie gut es sich entwickelt, dann weiß ich, dass sich meine Arbeit wirklich lohnt“, sagt sie.

Ihre tierischen Patienten liegen Roidl am Herzen. Wichtig ist ihr, dass sie vor Ort in der Praxis möglichst wenig Stress durch Begegnungen mit anderen Tieren ausgesetzt sind. Deshalb achte sie zum Beispiel darauf, Hunde und Katzen nicht in denselben Räumen zu behandeln. Schließlich könnten Katzen durch den Geruch von Hunden im Behandlungszimmer nervöser werden als ohnehin. Langfristig plane sie deshalb auch eine eigene „Katzensprechstunde“ für Samtpfoten, die Angst vor Hunden haben.

Kater hat sich mit Rottweiler angefreundet

Kater Röhrich zumindest wird dieses spezielle Angebot wohl nicht brauchen: Zuhause bei Familie Roidl hat er sich bereits mit deren Rottweiler Bertl angefreundet. Auch mit den Katzen Luis, Sally und Hetty sucht er immer wieder Kontakt. „Er ist uns schon richtig ans Herz gewachsen“, sagt die Tierärztin und gibt freimütig zu, dass sie Röhrich gern behalten würde.

Mittlerweile rechnet sie nicht mehr damit, dass sich dessen Besitzer bei ihr melden wird. Vermutlich stamme er aus dem Wurf einer Streunerkatze. Geschätzt sei er sieben bis acht Wochen alt und müsste eigentlich noch mit seinen Geschwistern zusammen bei seiner Katzenmutter sein. Wer ihn nun zurückfordere, müsse Beweise liefern, sagt Roidl. Zum Beispiel mit einem Foto – jeder, der einen Wurf Kätzchen zuhause habe, habe doch sicherlich viele Bilder gemacht.

Erschöpft und durchnässt: Das Katzenbaby hatte Glück im Unglück. Foto: Anna Stöger
Das Fell ist nun wieder sauber und flauschig.