Drittes Gymnasium im Landkreis Regensburg: Das Rennen beginnt

Von Thomas Kreissl · 15. Dezember 2023 um 05:00

Wo wird das dritte Gymnasium im Landkreis Regensburg gebaut? Obertraubling will sich am Montag schon mal in Stellung bringen. Der Gemeinderat wird dann in seiner Sitzung grundsätzlich entscheiden, ob sich die Kommune als Standort für die neue Schule bewirbt. Bürgermeister Rudolf Graß hat dazu schon eine klare Meinung: „Wir hätten das Gymnasium gerne bei uns“, sagt er.

Für den Landkreis wird es kompliziert: Drei Kommunen haben sich am Montag in der Sitzung des Kreistags als mögliche Standorte für das dritte Gymnasium herauskristallisiert. Alle haben sie gute Argumente, aber auch Schwächen. Die gilt es jetzt gegeneinander abzuwägen. Denn die Standortentscheidung soll bei der Haushaltssitzung des Kreistags im März fallen. Diese Zielmarke hat sich Landrätin Tanja Schweiger gesetzt.

Grundsätzlich hat Schweiger aus der Sitzung vom Montag eine „schöne Botschaft“ mitgenommen. Das Gremium hat sich einstimmig dafür entschieden, ein weiteres Gymnasium im südlichen Landkreis bauen zu wollen – und es auch zu finanzieren. Damit könnte es in ein paar Jahren für die randvollen Gymnasien in Regensburg und Neutraubling eine Entlastung geben.

Um dies zu erreichen, muss das neue Gymnasium im südlichen Landkreis entstehen, an einem Standort, wo große Schülerströme nach Neutraubling und aus Burgweinting aufgefangen werden können. Als Favorit einer ersten Analyse der Landkreisverwaltung ging am Montag Alteglofsheim ins Rennen – eigentlich sogar als einziger Kandidat.

Grundstück neben der B15

Das sieht auch der Alteglofsheimer Bürgermeister Herbert Heidingsfelder so. „Ich bin davon ausgegangen, dass Alteglofsheim der einzige Standort ist“, beschreibt er seine Erwartungshaltung vor der Sitzung. Denn der Bürgermeister ist sicher, dass er „sehr gute Argumente“ ins Feld führen kann. So findet er, dass das Gymnasium gut zur Entwicklung des Kleinzentrums passt, das Alteglofsheim zusammen mit Köfering bildet. Zudem kann er sich gut vorstellen, dass der Gemeinderat dem Bau einer Dreifachturnhalle positiv gegenübersteht. „Im Augenblick haben wir nur eine Halle im Ort“, sagt er mit Blick auf die Vereine. Und auch ein Grundstück direkt neben der B15 steht seinen Worten zufolge zur Verfügung.

„Alteglofsheim kommt als gymnasialer Standort in Betracht“, hatte auch die Landkreisverwaltung das Fazit ihrer Analyse zusammengefasst. Sie sieht hier dauerhaft ein Potenzial von knapp 620 Schülern, 450 davon würden Neutraubling entlasten. Nicht eingerechnet sind dabei die Schüler aus Schierling, Pfakofen und Aufhausen, die auch weiterhin ans Burkhart-Gymnasium in Mallersdorf gehen sollen. Derzeit kommen 207 der insgesamt 585 Schüler des dortigen Gymnasiums aus den drei Gemeinden im südlichen Landkreis.

Ein Damoklesschwert

Das ist ein Damoklesschwert für den Standort Alteglofsheim. Der Bestand des Burkhart-Gymnasium darf durch die neue Schule nicht gefährdet werden. Das könnte aber drohen, wenn das neue Gymnasium zu attraktiv für Schüler aus dem südlichen Landkreis ist. Denn die Wahl der Schule ist grundsätzlich frei.

Im Landkreis Straubing-Bogen, dem Sachaufwandsträger der Schule in Mallersdorf, ist das nicht verborgen geblieben. Das bestätigt Pressesprecher Tobias Welck: „Wir sehen schon die Gefahr, die sich ergeben könnte.“ Doch Welck bestätigt auch, dass es Gespräche zwischen Landrätin Schweiger und Landrat Josef Laumer gibt. „Es geht darum, wie man das Gymnasium in Mallersdorf stärken kann“, sagt er.

Schule wird maximal dreizügig

Zumindest zwei Maßnahmen hat die Regensburger Landrätin schon parat. Zum einen müsse ein neues Gymnasium in Alteglofsheim die selben Fachrichtungen bieten wie das Burkhart-Gymnasium. Dort gibt es einen naturwissenschaftlich-technologischen, einen sprachlichen und einen wirtschaftswissenschaftlichem Zweig. Zudem dürfe die neue Schule maximal dreizügig ausgerichtet sein, was die Aufnahmekapazität einschränkt. „Das wäre ein pragmatischer Lenkungsfaktor“, erklärt Schweiger. Im Klartext bedeutet das. Wenn zu viele Schüler nach Alteglofsheim wollen, kommen manche nicht zum Zug und müssten nach Mallersdorf ausweichen.

Als Alternative zu Alteglofsheim hatte die Mintrachinger Bürgermeisterin Angelika Ritt-Frank in der Sitzung ihre Gemeinde ins Spiel gebracht. Sie verweist auf bereits erfolgte große Investitionen in die Infrastruktur, um die Lebensqualität zu steigern. Neben der Ballsporthalle nennt sie das Gemeinschaftshaus und das Pflegeheim. Und sie fragt: „Warum also nicht auch eine weiterführende Schule?“

Reichen die Schülerzahlen?

Nötig ist dafür eine sehr gute Verkehrsanbindung, betont die Bürgermeisterin. „Es wäre extrem wichtig, dass Bewegung in die Reaktivierung des Bahnhaltepunktes Mangolding kommt“, betont Ritt-Frank. So wäre die Anbindung auch für und Schüler aus Obertraubling und Burgweinting gut möglich. Ob das Potenzial tatsächlich ausreicht, kann sie derzeit nicht beurteilen.

„Leider liegt uns die Einschätzung möglicher Schülerströme nicht vor“, bedauert sie. Die Landrätin bezweifelt allerdings, dass die Schülerzahlen in Mintraching ausreichen. Und sie warnt davor, das Gymnasium vom Bahnhaltepunkt abhängig zu machen. Sie ist nicht sicher, ob die Bahn hier mitspielt.

„Verkehr ist sehr problematisch“

Auch der Standort Obertraubling ist nach Ansicht von Schweiger eine Herausforderung. Zwar würden hier die Schülerpotenziale passen, „aber der Verkehr ist sehr problematisch“, findet sie. Zudem glaubt die Landrätin nicht, dass Obertraubling eine zweite Dreifachturnhalle bauen wird, die dann für ein Gymnasium genutzt werden kann. „Wie realistisch ist das?“, fragt sie.

Auf jeden Fall nicht unrealistisch. Das verdeutlicht Bürgermeister Rudolf Graß, der davon ausgeht, dass sich Obertraubling bewerben wird. „Dass uns das Geld kostet, muss uns bewusst sein“, betont er mit Blick auf den Bau einer weiteren Dreifachturnhalle. Schließlich sei die Mehrzweckhalle jetzt schon voll. Und zur angespannten Verkehrssituation geht Graß davon aus, dass in den nächsten Jahren Lösungen gefunden werden. „Man sollte die Entscheidung zum Standort für das dritte Gymnasium nicht davon abhängig machen“, erklärt er.