Landkreis Regensburg will drittes Gymnasium bauen: Die Frage ist wo?

Von Thomas Kreissl · 12. Dezember 2023 um 05:00

Die Grundsatzentscheidung ist gefallen. Der Landkreis will ein drittes Gymnasium bauen. Einstimmig haben sich die Kreisräte gestern dafür ausgesprochen. Offen ist aber noch, wo das passieren wird.

Denn diesen Beschluss wollte das Gremium noch nicht fassen. Die Kreisverwaltung hatte zwar Alteglofsheim vorgeschlagen, doch aus den Reihen des Kreistags wurden Mintraching und Obertraubling ins Spiel gebracht.

Beim Blick auf die Schülerprognosen waren sich die Mitglieder des Kreisausschusses vor gut einem halben Jahr einig: Fast 1900 Schüler sind demnach im Schuljahr 2030/31 am Gymnasium Neutraubling zu erwarten – das ist viel zu viel. Deshalb hatte das Gremium damals beschlossen, beim Kultusministerium eine Bedarfsüberprüfung für ein weiteres Gymnasium im südlichen Landkreis zu beantragen.

Dass das Neutraublinger Gymnasium entlastet werden muss, hat das Ministerium mittlerweile bestätigt. Aus einem Schreiben, das erst vor wenigen Tagen im Landratsamt eintraf, geht das klar hervor. Und auch dass der Bau eines weiteren Gymnasiums diesen Engpass beheben könnte, liegt nach Ansicht des Ministeriums nahe. Das bedeutet aber noch nicht, dass der Landkreis grünes Licht für den Neubau hat. Auch das machte das Schreiben aus dem Ministerium deutlich.

Schulstandort darf nicht gefährdet werden

Um das Projekt auf den Weg zu bringen, muss der Landkreis einen verbindlichen Antrag für den Neubau an das Kultusministerium in München richten, in dem er sich bereiterklärt, die Trägerschaft für die Schule zu übernehmen. Vor allem muss darin aber ein konkreter Standort genannt sein, an dem das Gymnasium entstehen soll. Genau dort setzt einer der zentralen Punkte an, die das Ministerium prüfen wird: Die neue Schule darf keinen bestehenden Schulstandort gefährden.

Landrätin Tanja Schweiger präsentierte den Kreisräten ein Paket, das die Kreisverwaltung geschnürt hatte, um möglichst bald ins Verfahren zu kommen. „Wir müssen Neutraubling und auch die Stadt Regensburg entlasten“, betonte sie zur grundsätzlichen Frage, ob ein drittes Landkreis-Gymnasium entstehen soll. Zum Standort machte sie deutlich, dass der Landkreis nicht auch noch den Bau der erforderlichen Dreifachturnhalle stemmen sollte. „Gut wäre es, wenn wir keine Halle bauen müssen, sondern uns einmieten können“, erklärte sie.

Mehrere Pluspunkte

Genau diese Lösung bietet sich nach den Worten von Schweiger in Alteglofsheim an. Denn dort habe die Gemeinde ihre Bereitschaft signalisiert, eine Dreifachturnhalle zu errichten. In der Vorlage der Kreisverwaltung sind dazu weitere Pluspunkte aufgelistet: Demnach gibt es ein geeignetes Grundstück in der Nähe der Mittelschule, ein Schulschwimmbad, einen nicht allzuweit entfernten Bahnhof und ein Potenzial von 618 Schülern für das Gymnasium.

Die Landrätin gestand aber ein, dass Alteglofsheim noch längst nicht ausdiskutiert sei. Denn einen Gemeinderatsbeschluss zum Bau einer Dreifachturnhalle gebe es noch nicht. Vor allem müsse aber sichergestellt werden, dass das bestehende Gymnasium in Mallersdorf im benachbarten Landkreis Straubing-Bogen nicht gefährdet werde. Denn mehr als ein Drittel der knapp 600 Schüler, die derzeit das Mallersdorfer Gymnasium besuchen, kommen aus dem südlichen Landkreis Regensburg. „Die politische Schwierigkeit ist, dass wir ein Gymnasium bauen, in das nicht alle Landkreisbürger gehen dürfen“, erklärte Schweiger.

„Alteglofsheim ist gefährlich für Mallersdorf“

Fraktionsvorsitzender Rainer Mißlbeck von der CSU warnte denn auch davor, sich auf den falschen Standort festzulegen. „Alteglofsheim ist gefährlich für Mallersdorf“, erklärte er. Das sah auch seine Fraktionskollegen Daniela Baumer so. „Ein neues Gymnasium ja, aber nicht in Alteglofsheim“, betonte sie. Und nach Ansicht von Schierlings Bürgermeister Christian Kiendl ist die Strahlkraft eines neues Gymnasiums zu groß, um Mallersdorf nicht zu gefährden.

Die Mintrachinger Bürgermeisterin Angelika Ritt-Frank (SPD) brachte ihre Gemeinde ins Spiel. Hier gebe es bereits ein Schul- und Sportzentrum mit einer großen Ballsporthalle sowie den derzeit stillgelegten Bahnhaltepunkt in Mangolding, der für das Gymnasium reaktiviert werden könnte. Nach Auskunft der Landrätin habe allerdings die Analyse der Verwaltung ein zu geringes Schülerpotenzial für den Standort Mintraching ergeben.

Als „unattraktiv und nicht verkehrssicher“ bewertete Alfons Lang (CSU) den Weg vom Bahnhof in Köfering zu einem möglichen Standort bei der Mittelschule Alteglofsheim. Er schlug stattdessen Obertraubling vor und hatte hier auch schon ein Grundstück im Blick, das nahe beim Bahnhof liege. Zudem sei Obertraubling gerade auch für die Schüler aus Burgweinting ein attraktiver Standort. Nach Ansicht von Lang sollten Alteglofsheim und Obertraubling als vorläufige Standorte in die engere Wahl genommen und noch einmal genauer überprüft werden. Auch die Landrätin sah ein ausreichendes Schülerpotenzial in Obertraubling, doch sei der dortige Verkehrsknotenpunkt eine große Herausforderung. „Da ist jeder andere Standort besser“, sagte sie.

„Hausaufgaben machen“

Siegfried Böhringer (SPD) wollte zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Entscheidung treffen. „Die Bürgermeister sollten erst noch ihre Hausaufgaben machen“, schlug er vor und plädierte dafür, sich danach die Standorte anzuschauen und dann zu entscheiden. Auch Patrick Grossmann (CSU) hätte gerne noch mehr Informationen zu den Standorten. „Wir müssten die Dinge schon vertiefen“ forderte er, bevor Josef Schindler mit einem Antrag zur Geschäftsordnung die Debatte beendete. Er forderte darin, die Standortfrage zurückzustellen.

Dem schloss sich bis auf Bürgermeister Herbert Heidingsfelder aus Alteglofsheim die überwiegende Mehrheit des Gremiums an. Einstimmig votierte der Kreistag dann dafür, ein drittes Gymnasium bauen zu wollen und auch die Trägerschaft dafür zu übernehmen. Die Landrätin wurde ermächtigt, Gespräche mit den Kommunen und dem Nachbarlandkreis zu führen, um die Standortentscheidung vorzubereiten.