Kommt das dritte Gymnasium im Landkreis Regensburg?

Von Thomas Kreissl · 31. Mai 2023 um 05:00

Landkreis Regensburg. Der Landkreis beantragt beim Bayerischen Kultusministerium die Prüfung des Bedarfs für ein drittes Gymnasium im südlichen Landkreis. Diesen Beschluss fasste der Kreisausschuss.

78 Klassen mit 1888 Schülern im Schuljahr 2030/31 – das ist viel zu viel. Bei der Bewertung der Schülerprognose für das Gymnasium Neutraubling herrscht Einigkeit. Ob Schulleitung, Ministerialbeauftragte für die Gymnasien in der Oberpfalz oder Schulexperten von Stadt und Landkreis Regensburg – alle sind sie überzeugt, dass das Neutraublinger Gymnasium so viele Schüler nicht verkraftet.

Maximal 1500 Schüler in Neutraubling

Langfristig können es maximal 1500 Schüler sein, sagen die Experten. Eine Zahl, die allerdings wohl schon in zwei Jahren gerissen wird. Die Lösung könnte ein neues Gymnasium im südlichen Landkreis sein. Den Bedarf dafür soll jetzt das Bayerische Kultusministerium prüfen. Das hat der Kreisausschuss in seiner Sitzung beschlossen. Eine grundsätzliche Investitionsentscheidung könne jedoch nur der Kreistag treffen, machte Landrätin Tanja Schweiger deutlich.

Dass die Situation an den Gymnasien in Stadt und Landkreis schon jetzt sehr angespannt ist, skizzierte Schweiger vor den Mitgliedern des Kreisausschusses. So hätten eigentlich schon zum aktuellen Schuljahr nicht alle Schüler am Gymnasium Neutraubling aufgenommen werden können. Durch eine Umverteilung von Schülern im Raum Regensburg sei dies aber dennoch ermöglicht worden. „Heuer konnten alle auf die Schule gehen, auf die sie gehen wollten“, sagte die Landrätin. Künftig könnte das allerdings schwierig werden.

Erweiterungen reichen nicht

Denn die Kapazitäten an den beiden Landkreis-Gymnasien Neutraubling und Lappersdorf reichen laut den Prognosen nicht aus, um den Bedarf zu decken – und das sogar einschließlich der ohnehin bereits geplanten Erweiterungsbauten. So ist das Gymnasium Neutraubling eigentlich für 1117 Schüler in 46 Klassen genehmigt, beherbergt aber im laufenden Schuljahr 1239 Schüler in 47 Klassen. Hinzu kommen 27 Schüler in zwei ukrainischen Brückenklassen. Selbst mit der geplanten 6,5-zügigen Erweiterung kann nur eine Kapazität von 1456 Schülern erreicht werden. Bereits zum Schuljahr 2025/26 werden aber aufgrund der Wiedereinführung des G9 1635 Schüler in Neutraubling erwartet.

78 Gastschüler aus der Stadt Regensburg besuchen derzeit das Neutraublinger Gymnasium. Von den aktuell 849 Schülern am Gymnasium Lappersdorf kommen 34 aus der Stadt. Im Gegenzug besuchen 1440 Schüler aus dem Landkreis Gymnasien in Regensburg. Damit ist das Ende der Fahnenstange ziemlich erreicht. „Auch in der Stadt ist die Schülersituation angespannt“, stellte die Landrätin fest. Dort sei mittelfristig die Erweiterung mehrerer Gymnasien geplant.

Standort: „Eher südlich von Neutraubling“

Es braucht also mehr Kapazitäten für die Schüler, die künftig ein Gymnasium besuchen wollen. In der Frage, wie diese Kapazitäten geschaffen werden sollen sind sich Stadt und Landkreis mittlerweile einig, berichtete die Landrätin. „In der Region reicht ein zusätzliches Gymnasium aus“, erklärte sie. Errichtet werden soll es im Landkreis. Schweiger denkt an einen Standort „eher südlich von Neutraubling“. Deshalb will sie diesen Bereich dem Ministerium als Aussage für eine mögliche Standortentscheidung mit auf den Weg geben.

Denn dort, im Süden von Regensburg, verzeichne der Landkreis die größten Einwohnerzuwächse, machte die Landrätin auf Anfrage von Johann Mayer deutlich. Und sie führte noch ein weiteres Argument ins Feld. Als Standort kommt ihrer Meinung nach nur eine Gemeinde in Betracht, die eine Dreifachturnhalle zur Verfügung stellen könne. „Unsere Ambitionen, eine weitere Dreifachturnhalle zu bauen, halten sich in Grenzen“, erklärte sie.

CSU für offene Prüfung

Fraktionssprecher Rainer Mißlbeck von der CSU konnte sich nicht damit anfreunden, den Prüfauftrag auf den südlichen Landkreis zu beschränken. Er plädierte dafür, die Prüfung offener zu gestalten, stieß damit aber auf Widerspruch der Landrätin. Sie befürchtet, dass sich das Verfahren ohne Standortempfehlung deutlich verzögern könnte. Für den südlichen Landkreis votierte auch der Neutraublinger Bürgermeister und Fraktionssprecher der Freien Wähler, Harald Stadler: „Die Prognosen sagen doch klar, dass wir eine Entlastung für Neutraubling brauchen“, betonte er. „Gefühlt“ ist das auch nach Ansicht von Thomas Gabler (CSU) so. Er monierte aber, dass den Kreisräten dazu bislang noch keine belastbaren Zahlen geliefert worden seien. Claudia Wiest von der ÖDP appellierte an das Gremium, bei der Standortfrage einen Bahnanschluss und eventuell die Weiterführung der Stadtbahn im Auge zu behalten.

Schülerströme sind schwer vorhersehbar

Mit Entlastungsmöglichkeiten für das Gymnasium Neutraubling beschäftigten sich die Schulleitung und Ministerialbeauftragte Anette Kreim zusammen mit Vertretern von Stadt und Landkreis Regensburg. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie es gelingen kann, die Schülerzahl am Gymnasium Neutraubling langfristig auf maximal 1500 Schüler zu begrenzen. Unter anderem wurde dabei auch eine umfangreiche Umverteilung von Schülerströmen durch Anpassung der ÖPNV-Verbindungen diskutiert.

Denn Gymnasien haben keine feste Sprengelzuordnung. Die Schüler können die Schule frei wählen. Die Einzugsbereiche können nur durch die Kostenfreiheit des Schulwegs gelenkt werden. Möglich ist, dass Beförderungskosten grundsätzlich nur zur nächstgelegenen Schule übernommen werden. Schülerströme sind aber schwer vorhersehbar und rechtlich ist eine Lenkung nicht möglich. Zudem ist großer Unmut bei Eltern und Schülern zu erwarten. Für die Experten war es deshalb sehr fraglich, ob diese Lösung in der Realität funktioniert.