13 Tonnen Altfett abgegeben: Trotzdem werden Automaten in Berching und Freystadt abgebaut

Alle Beteiligten sind sich einig: „Jeder Tropfen zählt“ ist ein sinnvolles Projekt. Dadurch können Bürger in Berching und Freystadt zu jeder Uhrzeit ihr altes Speisefett entsorgen. Dennoch sind die Tage der Container gezählt. Doch es gibt Alternativen für Bürger.
Der Grund, warum das Pilotprojekt nicht weitergeführt wird, ist die Finanzierung, die zum größten Teil der Landkreis Neumarkt in Kooperation mit den beiden Kommunen gestemmt hatte. Im Juli 2021 hatte der Landkreis 15000Euro beigesteuert, um das Pilotprojekt in Berching und Freystadt ins Laufen zu bringen. Von Anfang an sei damals intern klar kommuniziert worden, dass es sich um einen einmaligen Zuschuss handle, betont Roland Hadwiger, der Leiter der Abfallwirtschaft am Landratsamt.
Denn der Landkreis könne nicht nur zwei Gemeinden bei dieser bequemen Art der Altfett-Entsorgung finanziell unter die Arme greifen. Wenn dann müsse das Landratsamt der Fairness halber alle 19 Gemeinden im Landkreis Neumarkt unterstützen, sagt Hadwiger. Das System der Jeder Tropfen Zählt GmbH sei dem Landratsamt aber zu teuer.
„Jeder Tropfen zählt“: Altfett und Speiseöl richtig entsorgen
Denn dieses würde dem Landratsamt etwa 135000Euro pro Jahr kosten, wenn es auf den gesamten Landkreis ausgeweitet würde. Denn Hadwiger rechnet mit einem Euro pro Bürger. „Wir müssen mit den Abfallgebühren verantwortungsbewusst umgehen“, sagt er. Und jährlich 135000Euro für ein „Wellness-Angebot“ auszugeben, sei nicht verantwortungsbewusst.
Dass das Angebot für die Bürger sehr komfortabel ist, ist auch für Hadwiger unstrittig. Denn die Freystädter und Berchinger konnten seit August 2021 ihr benutztes Fritteusen- und Bratfett sowie überschüssiges Öl zuhause bequem in eine 1,2 Liter fassende Flasche umfüllen. Wenn der Behälter voll war, konnten sie ihn an jedem Tag zu jeder Uhrzeit in einen der grünen Container werfen und bekamen dort einen neuen.
Das gesammelte Fett landete auf diese Weise nicht im Abfluss und damit in der Kläranlage, wo es aufwendig herausgefiltert werden muss. Stattdessen wurde es wiederverwertet zu Bio-Kraftstoff, der dann dem herkömmlichen Diesel beigemischt wurde.
Landkreis oder Kommunen: Wer soll das Projekt finanzieren?
„Ein sinnvolles Projekt, aber der Landkreis ist nicht verpflichtet, es weiter zu finanzieren“, sagt Hadwiger, der für die Abfallwirtschaft des Landkreises keinen spezifischen Nutzen sehe. Vielmehr profitieren seiner Meinung nach die Kommunen selbst. Deshalb müsse eine Gemeinde auch die Kosten für das Projekt übernehmen. Denn kippen Bürger ihre Fett- und Ölreste nicht mehr in den Abfluss, verstopfen auch die Leitungen der Kommunen nicht mehr so schnell, argumentiert Hadwiger.
Berchings Bürgermeister Ludwig Eisenreich sieht das anders: „Altfett ist Abfall und Abfall ist Aufgabe des Landkreises.“ Deshalb sieht er finanziell auch den Landkreis in der Verantwortung. „Von uns Kommunen war das eine freiwillige Aufgabe, die wir zum Start gern unterstützt haben“, sagt Eisenreich. Das Projekt halte er nach wie vor für eine gute Aktion. „Aber wenn der Landkreis nicht mehr mitmacht, ...“
Bürgermeister-Kollege Alexander Dorr aus Freystadt teilt Eisenreichs Ansichten. „Wir können uns das so nicht mehr leisten“, sagt Dorr und verweist dabei auf die „finanzielle Englage“ beider Kommunen.
„Jeder Tropfen zählt“ Im Januar endet das Projekt im Landkreis Neumarkt
Deshalb werden die Automaten aus Freystadt und Berching Mitte Januar abgebaut. Nach Angaben der Firma Jeder Tropfen zählt haben sich die Bürger beider Kommunen fleißig an der Aktion beteiligt. Im Zeitraum von August 2021 bis November 2023 seien knapp 16500 Sammelbehälter getauscht und damit 13300 Kilogramm Altspeiseöl/-fett abgegeben worden.
Wie es mit den Sammelbehältern der Bürger weitergeht, könne das Unternehmen aus Thalmässing noch nicht sagen. Das solle noch mit den Bürgermeistern geklärt werden. Ihr Altfett können Berchinger und Freystädter aber weiterhin abgeben – und zwar beim jeweiligen Wertstoffhof der Kommune. Auch am Wertstoffhof in Neumarkt steht eine Fetttonne parat, sagt Hadwiger.
Vier Kommunen in Neumarkt nutzen Öli-Eimer
Parallel dazu vermittelt der Landkreis Kommunen ein zweites Sammelsystem einer anderen Firma. In Sengenthal, Deining, Parsberg und Velburg können Bürger ihr Altfett in einem sogenannten „Öli-Eimer“ (drei Liter) am Wertstoffhof abgeben. Wer einen vollen Eimer bringt, bekommt wieder einen leeren. Der Landkreis finanziert die Aktion. Im Vergleich zum Pilotprojekt in Berching und Freystadt sind das laut Hadwiger aber „Peanuts“. Die Eimer werden mehrere Monate gesammelt, bis eine größere Kiste voll ist. Die Firma Berndt holt den vollen Behälter ab – für 35 Euro pro Abholung.