Besteht im Schlossbad Lebensgefahr? Besucher fordert, das Bad in Neumarkt zu schließen

Ein Mann wollte am Sonntag eigentlich nur eine Zwei-Euro-Münze aus dem Erlebnisbecken fischen, nachdem sein Neffe die Münze verloren hatte. Was er dann im Neumarkter Schlossbad feststellte, schockierte ihn. Jetzt reagieren die Stadtwerke.
Das Geldstück war dem Kind unter die Sprudelliege im Erlebnisbecken gefallen. Fabian Schreiner wollte deshalb unter die Edelstahl-Liege tauchen. Das ist aber aufgrund einer Vorrichtung zwischen dem unteren Bereich der Liege und dem Boden unmöglich. Dramatisch ist aus Schreiners Sicht, dass diese Konstruktion nicht am Beckenboden abschließt. Stattdessen befindet sich ein „circa eineinhalb Finger“ breiter Spalt zwischen der Vorrichtung und dem Boden. Um die Münze im Tauchgang zu erwischen, griff Schreiner mit seiner Hand durch diesen Schlitz – und blieb kurze Zeit stecken.
Schlossbad Neumarkt: Besucher steckte kurz fest
„Ich kann nur von Glück reden, dass es durch meine langjährige Erfahrung als Taucher zu keinem lebensgefährlichen Unfall gekommen ist“, schildert Schreiner den Vorfall am Tag danach. Er ist sich sicher: Wäre er länger dort stecken geblieben, wäre er ums Leben gekommen. Denn die Wasseroberfläche wäre laut Schreiner zu weit entfernt gewesen, um mit eingeklemmter Hand am Beckenboden an der Wasseroberfläche Luft zu schnappen. „Es grenzt an ein Wunder, dass ich in diesem Moment noch Ruhe bewahren konnte und dass an diesem eigenartigen Konstrukt bislang noch keine weiteren Unfälle passiert sind“, sagt Schreiner.
Neben diesem Schlitz unter Wasser hält Schreiner auch den Spalt zwischen der Sprudelliege und dem Beckenrand an der Wasseroberfläche für gefährlich. Auch dort könne man sich einklemmen und steckenbleiben. Insgesamt gelte es, diese Sprudelliege zu überdenken, meint Schreiner.
Der Bürger aus dem Landkreis Neumarkt, der nach eigenen Aussagen sehr gerne und oft ins Schlossbad geht, hat seinen Vorfall in einer ausführlichen Mail auch den Stadtwerken geschildert. In dem Schreiben, das unserer Zeitung vorliegt, fordert Schreiner Dominique Kinzkofer, den Geschäftsführer der Stadtwerke, auf, „das Schlossbad mit sofortiger Wirkung zu schließen und diese Konstruktion und Lebensgefahr aus dem Schlossbad zu entfernen oder mindestens zu entschärfen“.
Die Stadtwerke haben am Montagvormittag auf Schreiners Mail reagiert. Auch unserer Zeitung haben sie auf Anfrage geantwortet. Nach dem Vorfall habe das Bäderteam die Maße der zulässigen Öffnungen sowie die Sprudelliege selbst sofort geprüft. Das Ergebnis laut Stadtwerke: „Die Sprudelliege in der Konstruktion entspricht bei bestimmungsgemäßer Anwendung den Anforderungen der gültigen Norm.“ Dies sei von der für den Einbau verantwortlichen Firma bestätigt worden, heißt es in der Antwort der Stadtwerke weiter.
Neumarkter Schlossbad: Stadtwerke leiten Gutachten in die Wege
Bei der Sprudelliege handle es sich um eine vielfach ausgeführte und übliche Attraktionseinrichtung in öffentlichen Schwimmbädern. Der Einbauort und die Einbausituation sei so gewählt, dass eine sichere und bestimmungsgemäße Nutzung der Anlage gewährleistet sei. Zudem haben die Stadtwerke Schreiners Schilderungen zum Anlass genommen, eine weitere, noch tiefer gehende Prüfung und Bewertung der Sprudelliege in die Wege zu leiten. Ein Prüfsachverständiger soll sich die Lage im Schlossbad im Detail anschauen und ein Gutachten erstellen.
Schlossbad: Stadtwerke stellen zusätzliche Aufsichtsperson
Bis das abschließende Ergebnis vorliegt, positioniert sich nach Angaben der Stadtwerke seit der Öffnung des Bads am Montagvormittag „dauerhaft während der Betriebszeiten eine zusätzliche Aufsichtsperson aus dem Bäderteam der Stadtwerke direkt an der Sprudelliege“.
Mit dieser Antwort gibt sich Fabian Schreiner allerdings nicht zufrieden. Er gehe davon aus, dass sich bei dem Gutachten herausstellen werde, dass alle gesetzlichen Regularien erfüllt seien. „Das mag sein, ändert aber nichts an der Ist-Situation, dass die Abgrenzungen zum Beckenrand und -boden schlichtweg lebensgefährlich sind“, sagt Schreiner, der betont, dass es ihm nicht um „irgendwelche Forderungen an die Stadtwerke“ gehe. Seine Verletzung an der Hand hält sich glücklicherweise in Grenzen. „Mir geht es lediglich um den Schutz der Besucher des Schlossbads und um den Schutz von Menschenleben“, sagt Schreiner.
Er bezweifelt, dass eine zusätzliche Aufsichtsperson an der Liege einen eingeklemmten Badegast im Notfall wirklich rechtzeitig retten könnte. Schreiner hofft, dass dieses Szenario nie eintritt.

