Trotz langfristigen Mietvertrags: Sind die Tage der Bahnpost in Regensburg gezählt?

Das Filialnetz der Postbank steht vor einer Ausdünnung. Zu dieser Ankündigung gesellt sich nun das Gerücht der Schließung der Bahnpost in Regensburg.
Überaus arm an brisanten Themen war die Bürgerversammlung für Kumpfmühl, Ziegetsdorf und Neuprüll am vergangenen Donnerstag. Nur eine Wortmeldung ließ aufhorchen. Diese hat zwar keinen direkten Bezug zu den drei genannten Stadtteilen, ihr Inhalt hätte aber Bedeutung für die gesamte Stadt. „Ich habe mehrfach gehört, dass die Post-Filiale am Bahnhof schließen soll. Was ist da dran?“, wollte ein Bürger wissen.
Die Oberbürgermeisterin konnte ihm darauf nur bedingt eine Antwort geben. „Mir ist davon bislang nichts bekannt“, sagte Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Doch die Erfahrung mit der früheren Dompost zeigt: Tatsächliche oder mögliche Schließungen von solch großen Post-Niederlassungen sind immer ein Aufreger-Thema. Die Medien, so der Tenor bei der Bürgerversammlung, werden sich deshalb schon drum kümmern.
Und tatsächlich: Nachfragen bei der Post sowie beim Vermieter lassen zumindest nicht ausschließen, dass die Bahnpost in absehbarer Zeit Geschichte sein könnte.
Aus 550 werden 300 Filialen
„Es besteht zwar ein langfristiger Mietvertrag, aber sicher wissen kann man es bei solchen Unternehmen nie“, lautet die Auskunft des Managements der Dallmeier Objekt GmbH. Dies ist eine Tochterfirma der Dallmeier Electronic GmbH & Co. KG, in deren Gebäudekomplex in der Bahnhofstraße seit jeher auch die Post residiert.
Ein wesentliches Merkmal „solcher Unternehmen“ seien ständig wechselnde Ansprechpartner. „In unserem Fall hat das mit der Post an sich gar nichts mehr zu tun“, so die Sprecherin der Dallmeier Objekt GmbH. Letzten Endes sei die Deutsche Bank zuständig.
Aus diesem Grund wurde die MZ-Anfrage bei der regionalen Post-Pressestelle in München auch an die Medienabteilung der zur Deutschen Bank gehörenden Postbank in Bonn weitergeleitet. Diese stellt zunächst grundsätzlich fest: „Die Filiale in der Bahnhofstraße in Regensburg ist eine Filiale der Postbank.“
Diese steht vor einschneidenden Veränderungen, wie aus Bonn zu erfahren ist. Weil stationäre Angebote aufgrund der voranschreitenden Digitalisierung immer weniger gefragt seien, steht eine Ausdünnung des Netzes bevor. Die Zahl von aktuell rund 550 Filialen bundesweit soll bis Mitte 2026 auf etwa 300 reduziert werden. Schon in Kürze soll mit den zuständigen Arbeitnehmervertretungen ausgehandelt werden, wo es zu Schließungen kommt und welche Filialen erhalten bleiben.
Schon jetzt steht fest: „In etwa 200 dieser Standorte werden weiterhin Post- und Paketdienstleistungen angeboten“, teilt die Postbank mit. In Regensburg befindet sich 500 Meter vom Bahnhof entfernt eine weitere Postbank-Niederlassung im Dörnberg-Viertel.
Bei zwei so nah beieinander liegenden Standorten sei es schon denkbar, dass einer aufgegeben werde, meint die Sprecherin der Dallmeier Objekt GmbH – und spekuliert darauf, dass es dann eher die Filiale im Dörnberg treffen könnte: „Bei der Bahnpost hast das Unternehmen erst in jüngster Zeit noch richtig viel in Brandschutz-Maßnahmen investiert. Das zeigt eigentlich, dass dieser Standort als wertvoll angesehen wird. Aber wir können nichts ausschließen.“
Vandalismus im SB-Bereich
Eine Schließung hat die Post(bank) am Bahnhof indes bereits zu Beginn dieses Monats vollzogen. Wegen Vandalismus-Vorfällen ist der vorgelagerte SB-Bereich unter der Woche nur noch von 9 bis 18.30 Uhr und samstags von 9 bis 12.30 Uhr geöffnet, ansonsten bleibt er geschlossen.
„Das ist voll in unserem Sinne, denn da haben immer wieder Leute übernachtet oder auch hinein uriniert“, sagt die Vermieter-Vertreterin. Armin Biersack, zuständig für die Sicherheit bei der Dallmeier Objekt GmbH, pflichtet ihr bei: „Dass wir hier im Bahnhofsbereich nicht mehr die beste Gegend sind, hat sich mittlerweile ja herumgesprochen.“