Überraschung im Kreis Neumarkt: Die einzige Metzgerei in Rappersdorf schließt

Von Bernhard Neumayer · 30. November 2023 um 11:00

Eigentlich wollte Metzger Johannes Breindl den Familienbetrieb in Rappersdorf, einem Gemeindeteil der Stadt Berching im Landkreis Neumarkt, so lange weiterführen, bis er 60 ist. Das hatte er noch beim Jubiläum im Sommer mitgeteilt. Jetzt hat er seine Meinung geändert.

Die Dorfmetzgerei schließt nach Angaben des Metzgermeisters für immer. Der Familienbetrieb aus dem Berchinger Ortsteil werde offiziell zum 31. März 2024 aufgelöst. Am Samstag, 30. März, haben Kunden das letzte Mal die Möglichkeit, Fleisch und Wurst bei den Breindls zu kaufen.

„Das ist sehr schade für das Dorf“, sagt Ortssprecher Erhard Wolfrum. Erstens falle die Einkaufsmöglichkeit direkt im Ort weg, zweitens habe die Metzgerei Breindl bei Feiern im Dorfhaus immer wieder das Catering übernommen. Dass sich die Rappersdorfer bald umstellen müssen, habe sich im Dorf mittlerweile herumgesprochen, sagt der Ortssprecher. Angebahnt habe sich die Schließung für viele Rappersdorfer aber nicht. „Wir waren überrascht“, sagt Wolfrum.

Metzger: 70 bis 90 Stunden pro Woche gearbeitet

Denn im Juli feierte Johannes Breindl noch mit einer Rabatt-Aktion sein zehnjähriges Bestehen als Inhaber der Landmetzgerei. Jetzt hat der Metzgermeister keine Kraft mehr: „Ich bin fertig, ich kann körperlich nicht mehr.“ Seit August habe er jede Woche 70 bis 90 Stunden in der Woche gearbeitet. „Das schlaucht.“

Deshalb habe er schon länger mit dem Gedanken gespielt, aufzuhören. Den endgültigen Ausschlag habe vor gut zwei Wochen eine seiner Verkäuferinnen gegeben, indem sie ihrem Chef mitgeteilt hatte, zu kündigen. „Das hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen“, blickt Breindl auf diesen Tag zurück. Dann habe er zu seinen Eltern gesagt: „Ich habe die Schnauze voll.“

Eine Kurzschlussreaktion? Nein, sagt Breindl. Auch wenn er in den vergangenen zwei Wochen noch gegrübelt habe, stehe sein Entschluss fest: Er gibt die Metzgerei auf. Am Tag nach der Entscheidung sei ihm ein großer Stein vom Herzen gefallen.

Rappersdorf: Der Metzgerei Breindl fehlt Personal

Das große Problem sei wie in vielen anderen Branchen, dass Personal fehle. „Wenn man gar kein Personal mehr findet, wird es schwierig“, sagt Breindl. „Nachdem jetzt eine von neun Personen zum Jahresende gekündigt hat, brennt es bei uns hinten und vorne.“ Zudem werden Johannes Breindls Eltern nicht jünger. Im kommenden Jahr feiern Mutter Katharina und Vater Anton jeweils ihren 69.Geburtstag. Heute sind beide noch voll im Familienbetrieb eingespannt: Katharina Breindl hinter der Verkaufstheke, Anton Breindl hilft bei der Fleischverarbeitung.

Dass nicht nur Metzger wenig bis kein Personal finden, wundert Johannes Breindl nach eigenen Angaben nicht. Die Branche bezahle wie viele andere schlecht. Und die Regierung helfe kleinen Betrieben auch nicht dabei, Mitarbeiter zu finden, sagt Breindl und verweist auf das Bürgergeld. Für manche lohne sich das Arbeiten überhaupt nicht mehr.

Neue Rolle für den Rappersdorfer Metzger Johannes Breindl

Der Metzgermeister wird sein Handwerk künftig aufgeben. Auch in einem anderen Betrieb wolle er nicht als Metzger arbeiten. „Als Angestellter verdiene ich nicht das Geld, das ich brauche.“ Mit Fleisch und Wurst wolle er trotzdem beruflich etwas zu tun haben, nur in einer anderen Rolle. Wie diese genau aussieht, könne Breindl jetzt noch nicht verraten.

Fest steht aber dagegen schon, dass mit dem Aus eine Familientradition endet. Die Anfänge reichen bis in das Jahr 1950 zurück. Vor 73 Jahren haben die Urgroßeltern von Johannes Breindl eine Flaschenwirtschaft am Hof in Rappersdorf eröffnet. Ende der 1960er-Jahre wurde daraus eine Schankwirtschaft. Ab den 90er-Jahren fanden dort regelmäßig Schlachtschüssel-Essen statt.

1992/93 hat Anton Breindl mit der Direktvermarktung von Bratwurst- und Pressackdosen angefangen, ehe 1999 das Schlachthaus gebaut wurde. Vor zehn Jahren übernahm dann der Junior die Metzgerei.

Ende März geht diese Ära zu Ende. Was aus dem Schlachthaus und dem Laden wird, wisse Breindl noch nicht. Zuerst wolle er die Maschinen verkaufen – und den 24 Stunden-Verkaufsautomaten, der an der Uferpromenade in Berching steht. Wie lange sich Kunden dort versorgen können, ist noch ungewiss.