Traditionsmetzger zieht sich zurück: Am Neumarkter Bauernmarkt endet eine Ära

Einer fehlt künftig auf dem Neumarkter und auch auf dem Parsberger Bauernmarkt: Thomas Rammelmeier war mit seinem Metzgerstand am Ostersamstag zum letzten Mal in Neumarkt vertreten.
Er ist dort Gründungsmitglied und hört nun nach 35 Jahren aus Altersgründen auf. „Die Kommunikation war immer das Schönste am Markt“, blickt er im Gespräch mit unserer Zeitung auf diese lange Zeit zurück.
„Der persönliche Kontakt mit den Leuten machte mir sehr viel Spaß“, sagt der 65-Jährige. „Es war oft lustig. Früh haben meistens die gleichen Personen gewartet, es war fast wie ein Stammtisch.“ Beeindruckt hat ihn vor allem die Treue der Kunden: „Einige kamen seit 1988 zum Bauernmarkt. Manche sind schon gestorben, aber oft kamen dann die Kinder. Sie wissen, was sie dort kriegen.“
Thomas Rammelmeier räuchert Schinken und Bratwürste im Kamin
Thomas Rammelmeier hatte „zu 90 Prozent Stammkunden. Sie kamen aus dem ganzen Landkreis. Auch aus Richtung Altdorf sind welche nach Neumarkt gefahren.“ Auf dem Parsberger Bauernmarkt hatte der Metzger 34 Jahre lang jeden Freitag seinen Stand.
Vom ersten Tag an hat Rammelmeier Wurstkonserven und Geräuchertes verkauft. „Da hatten wir noch selbergemachte Holzstände ohne Kühlung.“ Der Neumarkter Bauernmarkt war damals am Parkplatz des Johanneszentrums. „Als ich später einen Anhänger mit Kühltheke hatte, konnte ich auch frisches Fleisch aus eigener Tierhaltung verkaufen.“ Hauptsächlich Schweine hat Rammelmeier verarbeitet, ab und zu auch Rinder.
„Meine Spezialität ist, dass ich Schinken und Bratwürste noch im Kamin räuchere“, sagt der Metzger. „Ist“ deshalb, weil Rammelmeier nur einen „Hauch Ruhestand“ verspürt, seit er am Bauernmarkt aufgehört hat. Den „Terrassenhof“ in seinem Geburtsort Finsterweiling betreibt er mit seinen beiden Töchtern Elisabeth und Viktoria sowie seiner Frau Maryna nach wie vor. Vor 30 Jahren hat er ihn von seinen Eltern übernommen, seit 48 Jahren wird die Gaststätte von der Familie Rammelmeier geführt.
Metzger aus Finsterweiling konzentriert sich künftig auf die Gaststätte
„Jetzt ist die Hälfte der Arbeit weggefallen“, sagt der Metzger, „ich kann es etwas ruhiger angehen lassen und mich mehr auf die Gaststätte konzentrieren.“ Zehn Schweine besitzt er noch und regelmäßig wird im Terrassenhof aufgekocht. Ab September gibt es dort jetzt einmal im Monat Schlachtschüssel. „Mit der Wirtschaft habe ich noch genug zu tun“, sagt er. „Es kommen Gruppen und wir haben sechs Gästezimmer.“
Kartoffeln baut der 65-Jährige weiter selbst an, zudem wird ein wenig Honig mitvermarktet. „Bis vor zwei Jahren haben wir im Terrassenhof die rohen Kartoffeln für die Klöße noch selbst gerieben“, erzählt der Wirt. Eigenes Futtergetreide baut er nun aber nicht mehr an.
„Als wir 1988 begonnen haben, waren wir noch sechs Metzger am Neumarkter Bauernmarkt“, erinnert sich Rammelmeier. „Nachdem ich aufgehört habe, sind es jetzt nur noch zwei. Viele kleine Metzger hören auf, auch weil die Lebensmittelzulassungen sehr viel Geld kosten. Manche verdienen ihr Geld lieber in der Fabrik.“
Wenn der 65-Jährige auf 35 Jahre als Fierant zurückblickt, lautet sein Resümee ganz einfach: „Der Bauernmarkt ist schon etwas Besonderes. Man trifft Leute aus allen Schichten und es ist schön, dass noch so viele Kunden Wert auf Qualität legen.“