Zwei wollen Bürgermeister werden: Wahl zeigt neue Verhältnisse im Neumarkter Stadtrat

Marco Gmelch (CSU) und Sebastian Schauer (UPW) kandidieren am 5. Dezember im Neumarkter Stadtrat für das Amt des ersten Oberbürgermeister-Stellvertreters. Nach dem überraschenden CSU-Sieg bei der OB-Wahl sortiert sich das Kräftespiel im Stadtrat gerade neu. Das Duell ist der Auftakt dazu.
Seit klar ist, dass der CSU-Mann Ochsenkühn auf den Stuhl des OB wechselt und der des Bürgermeisters frei wird, laufen Gespräche hinter den Kulissen. Wird die CSU einen Kandidaten aufstellen? Was macht die UPW? Sprechen sich die größten Fraktionen ab? Gesprochen haben sie, herausgekommen sind dennoch zwei Kandidaten: Marco Gmelch für die CSU und Sebastian Schauer für die UPW.
Fraktion und Partei hätten ihn gebeten, zu kandidieren, sagt Gmelch. Es sei ein reizvolles Amt, bei dem man einiges für die Stadt tun könne. Der bisherige Fraktionschef der CSU betont zudem seine Motivation, das in den vergangenen Jahren beim Wiedererstarken der Neumarkter CSU erfolgreiche Gespann Ochsenkühn und Gmelch an der Spitze des Rathauses fortzuführen. Gmelch: „Es geht nicht um die Partei, sondern um die Person und ob sie mit dem OB gut zusammenarbeiten kann.“
UPW wirbt für Schauer als neuem Neumarkter Bürgermeister
Mit guter Zusammenarbeit, aber eben auch der Parteizugehörigkeit argumentiert ebenso Schauer. Ihm geht es um jene zwischen OB, Verwaltung und den Fraktionen. Wenn ein UPW-Vertreter als Bürgermeister eingebunden werde, könne das die Zusammenarbeit erleichtern und verbessern.
UPW-Fraktionschef, Martin Meier, verweist zudem auf die Bürger: „Die UPW ist die mit Abstand zweitstärkste Fraktion. Es wäre ein schönes Signal, wenn sich der Wählerwillen abbildet.“ Was sicherlich auch eine Rolle spielt: Die UPW will ein Zeichen nach außen senden, dass man trotz des Tiefschlags bei der OB-Wahl noch da ist. Immerhin sind 2026 Stadtratswahlen.
CSU und UPW suchen nach Unterstützung im Neumarkter Stadtrat
Es wird demnach zu einer Kampfabstimmung kommen, bei der die Stadträte geheim wählen. Wer gewinnen will, braucht mehr als die Hälfte der abgegebenen Stimmen. Weil Lokalparlamente für gewöhnlich anders als Bundestag oder Landtage weniger Fraktionsdisziplin kennen, ist das Ergebnis schwer vorherzusagen. Es dürfte knapp werden.
Mit 15 bzw. zwölf Stimmen können weder CSU noch UPW aus eigener Kraft ihren Kandidaten durchbringen. Sie sind auf die anderen Parteien angewiesen, weswegen in diesen Tagen viel telefoniert wird. Es gilt SPD, Grüne, FLitZ, FDP und Linke zu überzeugen, aber auch Abweichler in den Reihen von CSU bzw. UPW zu finden.
Hinter vorgehaltener Hand ist in Stadtratskreisen zu hören, was öffentlich am Beispiel des Umweltbeirats zu erahnen war. Den Antrag für dieses neue Gremium bringen CSU, SPD und FDP gemeinsam in den Stadtrat ein – von den Grünen bei ihrem ureigensten Thema keine Rede. Zwischen CSU und SPD sowie UPW und Grünen verläuft eine Bruchlinie im Stadtrat. In Stein gemeißelt sind diese Lager bei künftigen Entscheidung sicherlich nicht, aber es zeichnet sich eine Tendenz ab, wer mit wem gut kann.
Bürgermeister-Wahlen in Neumarkt sind oftmals besonders
Gelänge es CSU und SPD, ihre 20 Stimmen hinter Gmelch zu vereinen, wäre die Wahl sehr wahrscheinlich durch. Denn: Dass die UPW die Grünen für sich erwärmen können, ist realistisch. FDP und Linke sind eine andere Frage – und FLitZ angesichts der langjährigen Streitigkeiten mit OB Thumann unwahrscheinlich. Zudem muss sich auch erst zeigen, ob die entsprechenden Stadträte in der Sitzung am 5. Dezember da sein werden.
Hinzu kommt, dass die CSU es schaffen muss, die eigenen Reihen geschlossen zu halten. Mit Bürgermeisterwahlen hat die Partei so ihre schlechten Erfahrungen in der Vergangenheit gemacht. Erinnert sei an die Wahl 2014, als Albert Löhner (CSU) mithilfe der UPW am eigentlichen CSU-Kandidaten Werner Thumann vorbei Bürgermeister wurde.
Das Beispiel zeigt ebenso wie die Wahl des zweiten OB-Stellvertreters 2020, bei der eine Münze entscheiden musste, dass Vieles denkbar ist. Es gibt noch andere, natürliche Unwägbarkeiten: Wer ist krank und kann nicht im Stadtrat sein? Auch das könnte die Wahl entscheidend beeinflussen.