Der Tag nach der OB-Stichwahl in Neumarkt: Sieger und Verlierer analysieren den Ausgang

Von Wolfgang Endlein · 23. Oktober 2023 um 12:42

Eine neue Ära beginnt in Neumarkt: Nach 18 Jahren Thomas Thumann (UPW) regiert ab 5. Dezember Markus Ochsenkühn (CSU) als Oberbürgermeister. Die Stichwahl am Sonntag wirft aber noch einige Fragen auf nach dem Warum und wie es im Stadtrat weitergeht.

Was sagt Neumarkts Wahlgewinner Markus Ochsenkühn am Tag nach der Stichwahl?

Es war eine kurze Nacht für Markus Ochsenkühn. Der Alltag holte den überraschenden Sieger der OB-Stichwahl um 7 Uhr ein, als der Wecker klingelte. „Die Kinder müssen in die Schule“, erklärte der künftige OB mit frischer Stimme am Frühstückstisch – trotz weniger Stunden Schlaf.

Man könnte schlimmer erwachen. „Als ich aufgewacht bin, habe ich mir schon gedacht: ,Da war doch was‘“, schwang beim 48-Jährigen die Freude über die 52 Prozent in der Stichwahl nach. „Gestern war Ausnahmezustand“, berichtete Ochsenkühn über die Folgen. Die CSU hatte im Johanneszentrum noch länger gefeiert. Bei ihm seien unzählige Nachrichten eingegangen – unter anderem rief Ministerpräsident Markus Söder an –, die er abarbeiten müsse.

Zuvor war aber noch Zeit für etwas Wahlanalyse. Für seinen Sieg gebe es nicht den einen Faktor, sondern mehrere hätten das Ergebnis ausgemacht, glaubte der CSU-Kandidat. Bei seinem Wahlkampf an den Haustüren habe er die Wechselstimmung gespürt. Es in die Stichwahl geschafft zu haben, sei für ihn als Außenseiter positiv und für den Amtsinhaber negativ gewesen. Es sei der CSU gelungen, das gute Ergebnis und die Stimmung daraufhin in den vergangenen zwei Wochen vor der Stichwahl mitzunehmen.

Wie reagiert die UPW am Tag nach der Niederlage in der Neumarkter OB-Stichwahl?

„Glückwunsch an Markus Ochsenkühn und Dank für den fairen Wahlkampf“, war die erste Reaktion des UPW-Vorsitzenden Sebastian Schauer. Das Ergebnis war ein Tiefschlag für die UPW. „Eine Erklärung zum jetzigen Zeitpunkt ist noch zu früh. Wir werden das Ergebnis erstmal sacken lassen und dann in Ruhe analysieren.“

Was sagen die anderen Parteien im Stadtrat zum Ausgang der OB-Stichwahl in Neumarkt?

Wie vielen ging es auch den Stadträten anderer Parteien: Sie waren vom Ergebnis überrascht. Im Frühjahr sei beim Haustürwahlkampf zwar schon eine Wechselstimmung zu spüren gewesen, aber die sei im Sommer abgeflaut, sagte Günther Stagat (SPD). Thumann habe im Vergleich zum ersten Wahlgang deutlich Stimmen verloren (ca. 1800). Die UPW habe es nicht geschafft, ihre Wähler an die Urnen zu bringen, urteilte Stagat.

Ein Argument, dass am Wahlabend auch von UPW-Vertretern zu hören war. Manch einer glaubte, dass Thumann-Wähler daheim geblieben wären, weil sie von dessen Sieg überzeugt gewesen seien.

An einen Sieg des amtierenden OB glaubte auch Grünen-Fraktionschef Thomas Leykam. Der Sieg Ochsenkühns kam für ihn überraschend.

Eine andere Erklärung für die Wahlniederlage Thumanns lautete, dass diverse Brennpunkte der Unzufriedenheit im Stadtgebiet (Solarpark, B299-Ausbau, Schulsanierung Woffenbach etc.) sich zusammenaddiert und eben jene Wechselstimmung angeschoben hätten. Für Dieter Ries (FLitZ) vertritt diese These. Aber auch er war nach eigener Aussage überrascht über das Ergebnis.

Wie stimmten die Wahlbezirke bei der OB-Stichwahl in Neumarkt?

Thumann konnte nur 16 von 55 Wahlbezirken für sich entscheiden. Ansonsten war überall der Trend pro Ochsenkühn, der insbesondere bei den Briefwahlbezirken stark war: 20 von 25 gingen an ihn.

In ihren „Heimatbezirken“ brillierten beide Kandidaten. Ochsenkühn in beiden Pöllinger Bezirken, Thumann in jenen in Holzheim. Das beste Ergebnis erzielte Ochsenkühn aber anderswo: In Stauf stimmten beinahe 70 Prozent für ihn. Für Thumann bedeutete das eine herbe Klatsche, die mancher auf den geplanten B299-Ausbau und die inzwischen verworfenen Sportparkpläne zurückverfolgte. Allerdings hat sich auch Ochsenkühn für den B299-Ausbau ausgesprochen.

Was erklärt die niedrige Wahlbeteiligung bei der OB-Stichwahl in Neumarkt?

Die OB-Wahl war diesmal nicht von anderen Wahlen wie etwa für Bundes- und Landtag begleitet. Dass im Gegensatz zu den 66,2 Prozent am 8. Oktober diesmal nur 53,7 Prozent der Wahlberechtigten eine Stimme abgaben (4000 weniger), erklärten sich Beobachter unter anderem damit, dass Lokalpolitik nicht die Aufmerksamkeit habe wie die „große“ Politik. Die Vermutung: Insbesondere junge Menschen hätten noch nicht die Bindung zu einem Ort aufgebaut wie in späteren Lebensjahren und blieben daher der Wahl fern.

Neuer OB Ochsenkühn: Wie geht es im Neumarkter Stadrtrat weiter?

Dadurch, dass Ochsenkühn ab 5. Dezember OB ist, wird ein Stadtratsplatz frei, den Heidi Rackl (CSU) aus Pölling nachbesetzt. Thumann, bei der vergangenen Stadtratswahl der Stimmenkönig schlechthin, kann hingegen nicht in den Stadtrat zurückkehren. Er hatte das Mandat ausgeschlagen.

Und noch ein Posten wird frei: Der des Bürgermeisters. Wer der nächste Stellvertreter des OB wird, ist noch offen. In den kommenden Wochen werde es entsprechende Gespräche unter den Parteien geben, ist von allen Seiten zu hören. Als stärkste Fraktion im Stadtrat ist aber die CSU am Zug.

Für den Verlierer der OB-Stichwahl in Neumarkt, Thomas Thumann, hab es aufmunternden Applaus im Rathaussaal. Foto: Endlein