Neue Aufgaben für Schwandorfer Stadtpfarrer Christian Kalis von St. Jakob: 54-Jähriger nun Prodekan

Im September 2022 hat Christian Kalis (54) als Stadtpfarrer von St.Jakob die Nachfolge von Hans Amann angetreten. Nach einer Zeit der Eingewöhnung hat er inzwischen zusätzliche Aufgaben übernommen. Die vielleicht wichtigste: Als Prodekan, also als Stellvertreter, steht er nun Dekan Michael Hirmer zur Seite.
„Im ersten Jahr hatte ich noch Welpenschutz und habe keine weiteren Aufgaben übernommen. Aber die Zeit ist nun vorbei“, sagt Kalis. Seine neue Stellung im Kollegium hängt mit dem Rückzug des ehemaligen Wackersdorfer Pfarrers Christoph Melzl zusammen. Der hatte im August überraschend das Arbeitsverhältnis mit der Kirche gekündigt. Eine der Folgen: Das Amt des Prodekans war plötzlich vakant.
Ernennung durch Bischof Voderholzer
Bei der Schwandorfer Dekanatskonferenz im September einigte sich das Gremium auf Christian Kalis als Nachfolger. Zuvor war angefragt worden, und der Schwandorfer Stadtpfarrer hatte seine Bereitschaft signalisiert, das Amt zu übernehmen. Das Votum wurde nach Regensburg gemeldet, Bischof Rudolf Voderholzer nahm am 8. November die Ernennung vor – und fertig.
Der Schwandorfer Stadtpfarrer sieht seine neue Funktion ganz unaufgeregt. „Das ist kein Ehrentitel oder eine Aufwertung, sondern einfach eine weitere Tätigkeit. Zum Pfarrdienst kommt nun auch der Dekanatsdienst“, sagt der 54-Jährige. Wie genau die Zusammenarbeit mit Dekan Michael Hirmer, dem Haupt der Stadtkirche Burglengenfeld, organisatorisch ablaufen soll, muss laut Kalis noch abgestimmt werden. Aber auch ein Dekan will sich in den Belangen, die über die Pfarrei hinausgehen, mit Menschen seines Vertrauens austauschen, einmal eine Zweitmeinung hören. „Das möchte ich ihm gerne anbieten“, sagt Kalis.
Kommunikation mit dem Bistum
In der Praxis springt nach seinen Worten ein Prodekan immer dann ein, wenn der Dekan verhindert ist. Dann leitet er Konferenzen, hält Absprachen innerhalb des Personalverbunds der Pfarrer und sorgt dafür, dass die Kommunikation zwischen Bistum und Dekanat gut funktioniert – in beiden Richtungen. Auch die Installierung neuer Pfarrer gehört zu den Aufgaben von Dekan und Prodekan.
In der örtlichen Verteilung der beiden Ämter – hier der Dekan in Burglengenfeld, da sein Vize in der Großen Kreisstadt – sieht Kalis einen Vorteil für die gemeinsame Arbeit: „Das passt auch räumlich ein bisschen. Die Wege werden gleichmäßig verteilt.“
Das gilt nach seinen Worten auch für die zweite Aufgabe, die der Stadtpfarrer von St. Jakob neu übernommen hat. Als stellvertretender Vorsitzender engagiert sich Kalis ehrenamtlich im Caritas-Kreisverband Schwandorf. Auch in dieser Funktion folgt er dem ehemaligen Pfarrer Melzl nach. Und auch hier sieht er in der räumlichen Nähe einen entscheiden Vorteil für seine Tätigkeit: Die Geschäftsstelle des Kreisverbands und auch das Marienheim der Caritas in Schwandorf sind nur einen Katzensprung von Kalis’ Arbeitsstätte entfernt.
Arbeit bleibt dem Stadtpfarrer auch in der Pfarrei St. Jakob genug.
Personaldecke ist merklich ausgedünnt
Das Problem: Die Personaldecke ist in den vergangenen Monaten merklich ausgedünnt. „Als ich die Pfarrei übernommen habe, waren wir noch zu viert – mit mir als Pfarrer und den Ruhestandsgeistlichen Pfarrer Andreas Renner in Haselbach und Pfarrer Josef Nickl, der vor allem das Elisabethenheim betreut hat. Dazu kam noch der Pfarrvikar.“ Die beiden Ruhestandsgeistlichen sind vor kurzem gestorben, und Pfarrvikar Deogratias wurde abberufen, ohne dass es Ersatz gegeben hätte. Als Einzelkämpfer ist Kalis „als Pfarrer nun nicht mehr so greifbar“, wie er bedauert.
Dabei ist sein Arbeitspensum ohnehin recht sportlich. Denn dem 54-Jährigen ist es wichtig, dass „die alten Menschen in den Heimen betreut werden“. Und von denen liegen in der Pfarrei immerhin drei – neben dem Marienheim das Elisabethenheim und die Naab Residenz. Dazu kommt die Expositur in Haselbach, wo es am Donnerstag und Sonntag ebenfalls „Programm“ gibt, wie es Kalis formuliert.
Da trifft es sich gut, dass Pastoralreferent Alfred Gaßner seit kurzem für mehr Entlastung sorgen kann. Vor etwa 14Tagen und nach gezielter Fortbildung erhielt Gaßner die bischöfliche Erlaubnis, auch Begräbnisse zu leiten, „das ist im Bistum Regensburg neu“. Seither teilen sich Pfarrer und Pastoralreferent die Termine für die Trauerfeiern auf – wochenweise und ohne Ansehen der Person.
Neue Initiativen: Sundowner und Mini-Minis
Nach der Zeit der Einarbeitung wird zunehmend auch Kalis’ persönliche Handschrift in der Seelsorge deutlich. Er hat „Mini-Minis“ eingeführt – also Ministranten ab dem Grundschulalter, die noch vor der Kommunion einfachere Dienste am Altar verrichten: „Die Kinder haben mich gefragt, ob sie denn nicht auch ministrieren können.“ Kalis hat mit dem „Sundowner“ ein neues Format erprobt, bei dem Gebet und Geselligkeit zusammenkommen. Und er stellt die ersten drei Jahre seines Wirkens jeweils unter ein Leitthema, dem sich die Gemeinde zuwendet – Hoffnung, Glaube und Liebe.
Größere Baumaßnahmen sind dem Stadtpfarrer von St.Jakob bisher erspart geblieben. Nur der Treppenaufgang zum Pfarrbüro kommt langsam ins Rutschen und muss saniert werden. Die Planungen laufen, in Abstimmung mit der Stadt. Dabei wird es auch darum gehen, Barrieren zum Schwandorfer Marktplatz abzubauen.