Bürgerentscheid über Supermärkte in Mühlhausen: Das sind die Argumente beider Seiten

Am Sonntag haben die Mühlhausener die Wahl: Das Ratsbegehren spricht sich dafür aus, weiter ein Einzelhandelszentrum zu planen. Das Bürgerbegehren ist dagegen, im Norden einen Rewe, Aldi und dm anzusiedeln. Befürworter und Gegner eint einzig die Sorge, was passiert, wenn der jeweils andere gewinnt.
Wie gut oder schlecht ist Mühlhausen beim Einkaufen versorgt
?
Befürworter: Aus ihrer Sicht braucht es das Einzelhandelszentrum, weil Mühlhausen in gewissen Bereichen unterversorgt ist. Bürgermeister Martin Hundsdorfer verweist auf den Verlust von Drogerie- und Getränkemärkten in der Vergangenheit. Ein Gutachten, das die Firma Plank als Investor beauftragt hat, kommt zum Schluss: 40 Prozent der Kaufkraft für Produkte des täglichen Bedarfs (Lebensmittel, Drogerieartikel etc.) geben die Mühlhausener in anderen Gemeinden aus.
Gegner: Sie sehen den Ort bereits gut versorgt mit einem Edeka, Netto und Getränke Fellmeyer. Auch die Gegner können sich auf ein Gutachten beziehen, das Edeka beauftragt hat. Es kommt zu dem Schluss, dass Mühlhausen mit dem geplanten Einzelhandelszentrum massiv überversorgt wäre. Bei der Verkaufsfläche je 1000 Einwohner läge die Gemeinde dann das Doppelte über dem bundesweiten Durchschnitt.
Wie wirkt sich das Einzelhandelzentrum auf die Läden in Mühlhausens aus?
Gegner: Es ist der zentrale Grund für die Gegner, das geplante Zentrum abzulehnen. Sie argumentieren, dass die gebündelte Marktmacht von Rewe, Aldi und dm an dem gut erreichbaren Standort an der B299 übermächtig für die im Ort bestehenden Geschäfte sein werde. Edeka hat angekündigt, sollte das Zentrum kommen, werde der Markt in Mühlhausen schließen. Netto hat Bedenken angedeutet. Das von Edeka beauftragte Gutachten behauptet, dass den Läden im Ort 25 Prozent des Umsatzes verloren gehen würden.
Befürworter: Das zweite Gutachten kommt zu einem anderen Schluss: Die Umsätze, die umverteilt würden, betrügen nur 9,5 Prozent. Das Gutachten sieht die Läden im Ort daher als nicht gefährdet an.
Was bedeuten die Edeka-Pläne in Pollanten für Mühlhausen?
Gegner: Sie verweisen auf die Garantiezusage von Edeka für den Standort in Mühlhausen – auch wenn der größere Markt in Pollanten gebaut wird. Edeka argumentiert, dass der Pollantener Markt vor allem auf Kunden aus dem größten Berchinger Ortsteil ausgerichtet sei. Der Edeka in Mühlhausen wird dadurch nach Ansicht des Handelsunternehmens keine gravierenden Umsatzverluste erleiden.
Befürworter: Bürgermeister Hundsdorfer sieht Mühlhausen vor der Wahl: Entweder ein Einzelhandelszentrum auf eigenem Gebiet oder ein solches entsteht in Pollanten – mit gravierenden Folgen für Mühlhausen. Der Rathauschef glaubt, dass zwei Edeka-Märkte binnen weniger Kilometer sich nicht rechnen und dem kleineren Markt in Mühlhausen die Schließung droht. Ein Einzelhandelszentrum sichert aus Hundsdorfers Sicht die Gemeinde ab, möglicherweise völlig ohne Supermarkt dazustehen. Mehr noch: Der Bürgermeister hofft nach wie vor, dass er mit dem Mühlhausener Projekt jenes in Pollanten verhindern kann. Edeka betont jedoch, dass es so oder so in Pollanten bauen wolle.
Was passiert, wenn Aldi nicht nach Mühlhausen, sondern nach Pollanten ginge?
Befürworter: Ginge Aldi ebenfalls nach Pollanten, würde das den negativen Effekt auf Mühlhausen verstärken, sagt Hundsdorfer. Es entstünde ein Magnet für viele Kunden, dem die Geschäfte im Ortskern nichts entgegenzusetzen hätten. Die Befürworter verweisen auf ein Schreiben von Aldi an Investor Plank: Demzufolge zieht der Discounter zwar den Standort Mühlhausen vor, sollte sich jedoch das Projekt dort verzögern oder scheitern, werde Aldi Pollanten ins Auge fassen. Die Fläche neben dem geplanten Edeka steht zum Verkauf. Der Besitzer hatte in der Mittelbayerischen Zeitung eine Anzeige geschaltet, die die Fläche als geeignet für Discounter anpreist.
Gegner: Sie zweifeln daran, dass Aldi beabsichtigt, nach Pollanten zu gehen. Der Aufstellungsbeschluss des Berchinger Stadtrats beinhalte nur Pläne für Edeka. Das Aldi-Schreiben kommentierte FW-Gemeinderat Manfred Schreiner so: „Papier ist geduldig“. Edeka erklärt, es plane in Pollanten allein. Man könne aber nicht für Aldi sprechen.
Aber selbst wenn Aldi wollte, werde die Regierung der Oberpfalz anhand der Vorgaben der Landesplanung keine solche Ansammlung an Verkaufsflächen in Pollanten zulassen, glaubt die Bürgerinitiative. Hundsdorfer sieht das hingegen als nicht sicher an. Es seien andernorts Projekte trotz landesplanerischer Bedenken umgesetzt worden.
Ist die Lage des geplanten Einzelhandelszentrums in Mühlhausen gut oder schlecht?
Gegner: Der geplante Standort in einem Gewerbegebiet fernab der Wohnbebauung sei vor allem auf Autofahrer ausgerichtet, kritisieren die Gegner. Menschen, die kein Auto besäßen, zögen den Kürzeren – vor allem wenn die Geschäfte im Ortskern schließen müssten, wie es die Gegner befürchten. Nicht zuletzt verstoße der Standort auch gegen Vorgaben der Landesplanung des Freistaats, die der Entwicklung im Ortsinneren den Vorzug gibt.
Befürworter: Sie interpretieren den Standort anders. Eben gerade weil der Standort an der B299 ideal für Autofahrer gelegen sei, gewährleiste er eine verbrauchernahe Versorgung. Schließlich sei das Auto im ländlichen Raum auf lange Sicht das vorherrschende Verkehrsmittel. Radfahrer könnten zudem im flachen Gelände problemlos den Standort erreichen, hatte Hundsdorfer mehrfach betont.