Der Ton wird rauer im Streit um neue Supermärkte in Mühlhausen

Von Wolfgang Endlein · 10. November 2023 um 13:16

Die zweite Infoversammlung innerhalb von drei Tagen zum geplanten Einzelhandelszentrum in Mühlhausen (Landkreis Neumarkt) legte die Fehden zwischen den Hauptakteuren deutlich offen. Neben bekannten Argumenten für oder gegen das Projekt gab es auch neue Infos. Beispielsweise zur Summe, die der Investor in die Hand nehmen will.

Bürgermeister Martin Hundsdorfer fasste die Entwicklung in den vergangenen Monaten in einem Vortrag zusammen und wehrte sich dabei gegen die Kritik der Gegner. Die wiederum, allen voran die Gemeinderäte René Meyer und Manfred Schreiner (Freie Wähler), hielten dagegen.

Ist Mühlhausen Aggressor oder Getriebener?

Viel Neues zur Sache kam bei dem Schlagabtausch nicht heraus. Hundsdorfer wiederholte seine Szenarien für Mühlhausen. Im Zentrum steht dabei folgende Aussage: Weil Edeka in Pollanten einen großen Markt eröffnen will, sieht der Rathauschef den kleineren Edeka in Mühlhausens Ortsmitte als nicht zukunftsfähig an. Das Einzelhandelszentrum Nord soll die Gemeinde absichern. „Wir sind nicht der Aggressor, sondern der Getriebene“, sagte Hundsdorfer. Mühlhausen wolle niemandem etwas wegnehmen, sondern nur aktuell abfließende eigene Kaufkraft im Ort binden.

Der Königsweg aus seiner Sicht: Das Projekt in Mühlhausen wird schneller fertig und Edeka gibt seine Pollantener Pläne auf. Dann, so glaubt der Bürgermeister, könnte Mühlhausen auch der hiesige Edeka erhalten bleiben. Das Handelsunternehmen hat jedoch immer wieder betont, dass es den Markt in Pollanten auf jeden Fall umsetzen will – und zugleich beiden Standorten eine Garantie gegeben.

Darauf wiesen auch die Gegner des Projekts hin, die durch die Pläne in Mühlhausen die dortige Nahversorgung im Ortskern aufs Spiel gesetzt sehen. Insbesondere äußerten sie wiederholt Zweifel an der These, dass sich in Pollanten neben Edeka ein Discounter ansiedeln könnte. Es wäre ein Ballung, die selbst ein Edeka-Vertreter als „fatal“ für die Märkte im Ortskern Mühlhausens bezeichnet hatte.

Investor Plank will in Mühlhausen zwölf Millionen Euro investieren

Hundsdorfer verwies hierzu erneut auf ein Schreiben von Aldi an die Gemeinde, in dem das Unternehmen den Gang nach Pollanten angekündigt hatte – wenn die Pläne in Mühlhausen nichts würden.

Darauf sprang Jakob Plank an. Der Geschäftsführer der gleichnamigen Bäckerei und Investor hinter dem Einzelhandelszentrum trat zum erstem Mal in dieser Sache öffentlich in Erscheinung. Er bekräftigte die Aussage Hundsdorfers am Beispiel Bergs, wo auch zunächst nur ein Rewe entstanden sei. Im Nachgang siedele sich dort nun eine Norma an.

Ebenfalls erstmals öffentlich in Erscheinung trat Roland Liesmann. Er ist auf die Entwicklung von Einzelhandelsprojekten spezialisiert. In Mühlhausen macht er dies für Investor Plank, der nach Angaben an diesem Abend insgesamt zwölf Millionen Euro investieren will. Liesmanns Aussagen lassen sich so zusammenfassen: Die Märkte im Ortskern Mühlhausens sind nicht mehr zeitgemäß – jedenfalls nach Maßstäben der Handelskonzerne wie Edeka. Deren Maxime laute: Märkte mit größeren Verkaufsflächen und vielen Parkplätzen, um den Kunden das gewünschte Einkaufserlebnis bieten zu können. In Ortskernen sei dafür aber in der Regel kein Platz.

Liesmanns Fazit: An einem Einzelhandelszentrum führe kein Weg vorbei, wenn man langfristig in Mühlhausen eine Nahversorgung haben möchte. Man müsse sich dem Markt anpassen und dessen Regeln akzeptieren.

Ausgang des Bürgerentscheids in Mühlhausen ist für die Gemeinde bindend

In die Diskussion, in der an diesem Abend die Befürworter in der Überzahl waren, schalteten sich aber auch Bürger ein, die für sich noch keine Entscheidung gefällt zu haben schienen. Eine Frau wollte wissen, wie bindend das Bürgerbegehren sei. Hundsdorfer erklärte, dass sich die Gemeinde an das Votum halten werde – in die eine wie die andere Richtung.

Angesichts des von Hundsdorfer skizzierten Wettlaufs zwischen Pollanten und Mühlhausen wollte ein Bürger wissen, ob Mühlhausen sein Verfahren überhaupt noch rechtzeitig durchbringen könnte.

„Mir schwindet allmählich etwas die Hoffnung“, erklärte der Rathauschef. Zu geteilt sei die Meinung in der Gemeinde, als dass Mühlhausen überzeugend mit seinen Plänen bei den Genehmigungsbehörden auftreten könne. Und da ist auch der Zeitfaktor: Aktuell ruhen die Planungen wegen des Bürgerentscheids. Selbst wenn dieser positiv für das Projekt ausfalle, sei das weitere Verfahren ergebnisoffen. Die Öffentlichkeit aus Bürgern, Verbänden und Behörden werde noch zwei Mal beteiligt. „Das ist noch lange nicht in trockenen Tüchern“, sagte Hundsdorfer.