Krankheitsfälle halbieren: Das können Arbeitgeber für ihre Mitarbeiter tun

Von Franziska Mahler · 21. November 2023 um 05:00

Personalausfälle treffen Unternehmen in Zeiten des Fachkräftemangels hart. Aber wer in die Gesundheit seiner Mitarbeiter investiert, kann Fehlzeiten sogar halbieren. Dabei helfen soll auch ein kürzlich in Regensburg eröffnetes Zentrum für Arbeitsmedizinischen Dienst.

Das Unternehmen Webasto hat es geschafft: Niedrige Unfallzahlen, niedrige Fehlzeitenquote, aber dafür motivierte und zufriedene Mitarbeiter. Der Schlüssel zu diesem Erfolg ist Gesundheits- und Arbeitsschutz, sagt der Verantwortliche des Unternehmens Robert Gierl. Geholfen hat dabei unter anderem der TÜV Rheinland. In Regensburg hat kürzlich ein Zentrum für Arbeitsmedizinischen Dienst (AMD) eröffnet – eines von fünf in Bayern.

Spätestens seit der Corona-Pandemie war das Thema Gesundheitsschutz in aller Munde, sagt Niederlassungsleiter Thomas Wagenpfeil. Neu ist es aber nicht. Was sich verändert hat, sind die Themen, die im Fokus stehen, so Wagenpfeil. Früher, vor allem in schwerindustriellen Berufen, ging es hauptsächlich darum, Arbeitsunfälle zu vermeiden.

Der Arbeitgeber kann viel tun

Neben Atemwegserkrankungen sorgen heute besonders zwei Themen für Fehlzeiten in Unternehmen: Psychische Erkrankungen und Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems, also beispielsweise Rücken-Probleme. Das zeigt auch der aktuelle Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse. Mit einer Investition in Gesundheits- und Arbeitsschutz lassen sich diese Fehlzeiten eindämmen, so Wagenpfeil.

Das Zentrum für Arbeitsmedizinischen Dienst agiere für Unternehmen als beratendes Organ und liefere beispielsweise Verbesserungsvorschläge für die Gestaltung der Arbeitsplätze. Somit könnten unter anderem Rückenprobleme vorgebeugt werden, sagt Wagenpfeil.

Möglichkeiten der Gesundheitsförderung sind unbegrenzt

Aber auch für die Gesundheit der Mitarbeiter gibt es viele Angebote und sie wird regelmäßig überprüft – je nach Untersuchung auch im neuen AMD in der Osterhofener Straße. Die Räumlichkeiten mit einem Sehtest- und Hörtestraum sowie mehreren Arztzimmern erinnern an eine gewöhnliche Praxis. Vier Ärzte und Arzthelfer, ein Sicherheitsingenieur sowie ein Psychologe bilden das Experten-Team. Darüber hinaus, je nach Engagement des Unternehmens, seien die Möglichkeiten der Gesundheitsförderung unbegrenzt.

Das zeigte sich auch bei einer Kooperationsveranstaltung des vbw (Vereinigung der bayerischen Wirtschaft) und der BGF-Koordinierungsstelle Bayern (Betriebliche Gesundheitsförderung) in München. „Schon kleine Schritte können hier viel bewirken“, sagte Annette Bleher von der Koordinierungsstelle.

Die Initiative muss von oben kommen

Drei Unternehmensvertreter berichteten von den positiven Effekten, die sie durch die Investition in Betriebliche Gesundheitsförderung erzielt haben. Einig waren sich Autefa Solutions, Jungheinrich und Hirschvogel darin, dass die Initiative von oben kommen muss.

Die Ergebnisse sind eindeutig: Bei Jungheinrich haben sich die Krankheitsfälle mittlerweile fast halbiert, berichtete Geschäftsleiter Lars Planko. Bei Autefa Solutions habe man die Zufriedenheit der Mitarbeiter und das Betriebsklima durch viele Gesundheitsangebote, etwa in Form von Kursen, verbessert. Dabei sei man laut der HR Managerin Cordula Heiler auf die Wünsche der Mitarbeiter eingegangen.

Zufriedene Mitarbeiter in Schwandorf

Der Zweckverband für Müllverwertung (ZMS) in Schwandorf ist neben Webasto ein Kunde des TÜV Rheinland. Auch ihnen ist Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz ein großes Anliegen. „In Zeiten des Fachkräftemangels sind gesunde, motivierte und erfahrene Mitarbeiter aufgrund ihres Knowhows das höchste Gut eines Betriebs“, sagt Dieter Brandl vom ZMS. Vorgesetzte müssten deshalb immer ein offenes Ohr für die Belange ihrer Mitarbeiter haben.

Neben diesen Erfolgsgeschichten gibt es sicherlich noch einige Firmen, bei denen die Situation weniger rosig aussieht. Wagenpfeil ist aber der Meinung, ein Unternehmen sollte nicht in Arbeits- und Gesundheitsschutz investieren, weil es sich verpflichtet fühlt, sondern: „Mach es, weil es einen hohen Nutzen stiftet.“

Kommentar zum Thema: Ein Obstkorb für alle reicht nicht

Auch wenn es sich heutzutage kein Unternehmen mehr leisten kann, Gesundheitsförderung auf die lange Bank zu schieben: Es tun noch zu viele.

Gerade Branchen, die stark vom Fachkräftemangel betroffen sind, müssen die eigenen Mitarbeiter halten. Zusätzlich müssen sie sich als Arbeitgeber attraktiv machen. Dabei reicht es bei weitem nicht mehr aus, einen Obstkorb für alle aufzustellen. Was Mitarbeiter krank macht, ist übermäßiger Stress und schlechte Bedingungen am Arbeitsplatz – sei es auch nur ein falsch eingestellter Bürostuhl. Und genau darauf muss der Arbeitgeber ein Auge haben und handeln.

Nicht weniger wichtig für Bewerber und Angestellte: ein gutes Betriebsklima. Auch das kann nur in einem gesunden Unternehmen entstehen. Fördern können Chefs das, indem sie auf die Wünsche ihrer Mitarbeiter eingehen: Weiterbildungskurse, Betriebssport oder schlicht gutes Kantinenessen.

Ja, für ein gesundes Unternehmen muss man Geld in die Hand nehmen. Die kostbare Konsequenz ist aber, dass man Fehltage reduziert und den Arbeitsalltag mit motivierten Mitarbeitern bestreiten kann. Wer diese Investition scheut, schadet also nur sich selbst.