Das bringt die private Krankenversicherung Bayerns Wirtschaft

Von Lorenz Nix · 9. November 2023 um 05:00

„Wir stehen zu gesetzlicher und privater Krankenversicherung“, heißt es im neuen bayerischen Koalitionsvertrag von CSU und Freien Wählern. Eine Einheitsversicherung lehne man ab. Dass es in Deutschland in absehbarer Zeit zu einer solchen kommen wird, ist tatsächlich unwahrscheinlich. Die an der Bundesregierung beteiligte FDP lehnt eine Abschaffung des dualen Systems vehement ab. Trotzdem flammen die Diskussionen um eine Bürgerversicherung immer wieder auf.

Die private Krankenversicherung (PKV) muss dann Argumente liefern, die ihre Existenz rechtfertigen. Eine Studie, die der Mediengruppe Bayern exklusiv vorliegt, zeigt nun erstmals den „ökonomischen Fußabdruck“ der PKV in Bayern – und damit auch, wie viele Arbeitsplätze von ihr abhängen.

Den Berechnungen des Forschungsinstituts Wifor zufolge hat die PKV 2019 mit knapp 6,6 Milliarden Euro zur Wirtschaft im Freistaat beigetragen. Von dieser Bruttowertschöpfung hingen „direkt, indirekt und induziert rund 125960 Arbeitsplätze in Bayern ab“, heißt es in der vom Verband der Privaten Krankenversicherung in Auftrag gegebenen Studie.

Um nun aber einen Vergleich zur gesetzlichen Krankenversicherung herzustellen, müssen die sogenannten „Mehrumsätze“ betrachtet werden. Das sind die Umsätze, die beispielsweise in Arztpraxen oder Krankenhäusern nur dadurch entstehen, weil Patienten privat und nicht gesetzlich versichert sind. Die Wifor-Studie nennt hier für 2019 eine Bruttowertschöpfung von etwa 2,3 Millionen Euro. „In Summe entstehen damit 57920 Arbeitsplätze durch die Mehrumsätze der Privatversicherten in Bayern“, heißt es in dem Papier. Die PKV sei deshalb „eine wichtige Finanzierungsquelle für die regionale Versorgung vor Ort“, sagt die Studienautorin Sandra Zimmermannvon Wifor.

Wifor-Studie: PKV lässt so manche Branche hinter sich

Die PKV trägt dabei sowohl als Wirtschaftsakteur mit vielen Angestellten sowie als Finanzier von Gesundheitsleistungen zur Wirtschaft bei. Jeder Euro aus den Gesundheitsausgaben der PKV löst in Bayern laut Studie 91 Cent zusätzliche Bruttowertschöpfung aus. „Der Vergleich zu anderen Branchen wie etwa dem Maschinenbau (0,67 Euro), der Medizintechnik (0,74 Euro) oder der Humanarzneimittelherstellung (0,70 Euro) verdeutlicht die ökonomische Bedeutung der PKV-Ausgaben für die Gesamtwirtschaft in Bayern“, schreiben die Forscher.