Apotheker im Landkreis Cham protestieren erneut für höhere Honorare

Vor rund fünf Monaten blieben die Apotheken an einem Mittwoch im Landkreis Cham bis auf einen Notdienst geschlossen. Am kommenden Mittwoch, 22. November, wird das erneut der Fall sein. So wie tausende weitere Apotheken in Bayern und Baden-Württemberg schließen sich auch die 26 im Landkreis Cham den Protesten an.
Bereits Mitte Juni hatten Apotheker unter anderem einen Lieferengpassausgleich, höhere Honorare und weniger Bürokratie gefordert. Nun geht der Protest in die zweite Runde.
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Alexander Pöschl, Chamer Apotheker und Delegierter für die Oberpfalz der bayerischen Landesapothekenkammer, sagt: „Unser Protest kam an, es gab aber nur leichte Bewegungen. Ein paar Forderungen vom Punkteplan wurden übernommen. Aber bei der Hauptforderung, der Honoraranpassung, hat Lauterbach uns nichts in Aussicht gestellt.“
Die bundesweite Protestaktion – je nach Region wird in einer anderen Woche protestiert – soll den Druck auf die Bundespolitik verschärfen. Laut Jutta Rewitzer, Landkreissprecherin des bayerischen Apothekenverbandes, nehmen alle Apotheken im Landkreis Cham daran teil. Patienten können am Mittwoch somit nicht wie gewohnt in ihre Apotheke gehen, stattdessen werden Medikamente nur vom Notdienst über die Klappe herausgegeben.
Eines steht dabei für die Apotheker fest, wie Rewitzer, zusammenfasst: „Der Streik soll sich nicht gegen Patienten richten, sondern gegen die Politik, weil der Bundesgesundheitsminister offenbar nicht versteht, wo die Probleme in der Praxis sind“.
Bürokratie erschwert Arbeit
Damit meint sie beispielsweise die Honorare, die das letzte Mal vor mehr als zehn Jahren angehoben wurden. Aber auch den Medikamentenmangel und den gestiegenen bürokratischen Aufwand kritisiert sie ebenso wie ihre Kollegen im Landkreis.
Auch Stefanie Henke von der Sonnen-Apotheke Bad Kötzting und die Apotheker des Kötztinger Altlandkreises fordern insbesondere Honorar-Anpassungen und Bürokratieabbau. „Sonst haben wir in Sachen Nachwuchsgewinnung, Kosten-Explosion und Versorgung auf dem Land in Zukunft keine Chance. Stattdessen müssen wir ein schlecht konzipiertes E-Rezept zum Laufen bringen, das noch einmal zusätzlichen Aufwand in unseren Apotheken bedeutet“, sagt sie.
Für Henke und ihre Kollegen sei das Thema ein emotionales. Die Frustration scheint groß. „Wir haben oft das Gefühl, dass es mehr darum geht, bürokratische Vorschriften abzuarbeiten und weniger darum, Patienten zu versorgen. Wir hecheln nur noch hinterher“, sagt Henke. So bedeuten, wie die Apothekerin berichtet, die Genehmigungen, die Apotheker von den Krankenkassen zur Herausgabe benötigen, im Arbeitsalltag einen großen Mehraufwand: „Wenn zum Beispiel eine Mama mit ihrem erkälteten Kind kommt und eine Inhalationshilfe braucht, dürfen wir das streng genommen ohne Genehmigung der Krankenkasse nicht rausgeben“, kritisiert Henke.
Ebenso entstehe wegen des Medikamentenmangels viel zusätzliche Arbeit. „Bei rund jedem zweiten Rezept fehlen Medikamente und man muss versuchen, das verordnete Medikament irgendwoher zu bekommen, auf eine sinnvolle Alternative ausweichen oder Eigenherstellung in Betracht ziehen. Häufig ist auch Rücksprache mit dem verordnenden Arzt notwendig“, sagt Landkreissprecherin Rewitzer über den Arbeitsalltag.
Schließungen auch im Landkreis
Viele Apotheker in der Region können laut Pöschl nicht mehr kostendeckend arbeiten: „In Deutschland schließen heuer so viele Apotheken wie nie zuvor, vor allem in den ländlichen Bereichen“. Laut der Arbeitsgemeinschaft der Berufsvertretungen Deutscher Apotheker (ABDA) wurde mit 17.733 Apotheken im dritten Quartal bundesweit ein neuer historischer Tiefstand erreicht. Ende 2022 waren es noch 18.068 Apotheken. Auch in Waldmünchen schloss im Sommer die Apotheke am Rathaus wegen Personalmangels, des gestiegenen bürokratischen Aufwandes und der Sparmaßnamen, wie die damalige Besitzerin Andrea Pawelka im Juni erzählte. Bad Kötzting hat mit der Schließung der St. Veit-Apotheke vergangenes Jahr eine Anlaufstelle weniger für Patienten.
Von Lauterbachs Idee der Filialapotheken, die dem Apothekenmangel entgegenwirken sollen, halten die Apotheker im Landkreis scheinbar wenig. Die „Light-Apotheken“, wie sie von den Apothekern genannt werden, sollen neben den Hauptapotheken existieren. Dabei sollen sie jedoch nicht nur von Apothekern, sondern auch von pharmazeutisch-technischen Assistenten bedient werden. Für Henke ist das keine Option: „Das ist ein Nebenschauplatz, den Lauterbach eröffnet hat, in unseren Augen ist das gar nicht umsetzbar, weil wir mit den Hauptapotheken genug zu tun haben“. Rewitzer befürchtet eine qualitative Verschlechterung für Patienten und wünscht sich, dass stattdessen die bestehenden Apothekenstrukturen gestärkt werden.
Rückhalt von Bevölkerung
Neben ihrem Ärger über die Bundespolitik freuen sich die Apotheker aber auch über Rückenwind: „Auf unseren Streik im Juni hatten wir sehr positive Resonanz der Bevölkerung und der bayerischen Regierungsparteien“, sind sich die Apotheker im Bad Kötztinger Raum einig. „Von Klaus Holetschek haben wir damals gute Rückendeckung bekommen“, sagt Pöschl.
Auch mit Geschäftspartnern, Ärzten oder Heimen sei man sich laut Stefanie Henke einig. Nur das Verhältnis zu den Krankenkassen und Politik stört die Apotheker nach wie vor. „Wenn das Miteinander im Gesundheitswesen, speziell mit Krankenkassen und der Politik, wieder besser werden würde, wäre uns damit schon sehr geholfen“, sagt Henke.