Die Apotheken im Landkreis Cham streiken zum Wohl der Patienten

Von Sabrina Kauer · 1. Juni 2023 um 19:00

Die Apotheken im Landkreis Cham kümmern sich Tag für Tag um ihre Patienten. Auch nachts und an Wochenenden. Doch wer kümmert sich um die Apotheken? Die Politik scheinbar nicht – noch nicht. Denn das soll sich nun durch einen bundesweiten Streik am 14. Juni ändern.

„Die Botschaft an die Politik ist klar: Die Abda fordert einen Lieferengpassausgleich, höhere Honorare und einen Bürokratieabbau für Deutschlands Apotheken“, heißt es auf der Webseite der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (kurz: Abda).

„Man sieht, dass der Druck bei den Kollegen angekommen ist, denn einen solchen flächendeckenden Streik hat es noch nicht gegeben“, sagt Jutta Rewitzer, Sprecherin der Apotheken im Landkreis Cham und Inhaberin der Stadt-Apotheke Furth im Wald. Und das hat eine Menge Gründe, wie man unter anderem dem Zehn-Punkte-Forderungskatalog der Abda auf deren Webseite entnehmen kann.

Wie Rewitzer sagt, hat der Verband zum Streik am 14. Juni aufgerufen. Unter anderem, weil es immer schwieriger werde, Patienten ordnungsgemäß mit Arzneimitteln zu versorgen. „Wir wollen die Versorgung der Patienten sicherstellen, aber das ist momentan in Gefahr, deswegen wollen wir die Politik wachrütteln“, sagt Rewitzer. Grund für die gefährdete Versorgung seien Lieferengpässe. Die Forderung laute demnach, die Produktion von Medikamenten nach Deutschland zurückzuholen, um die Liefersituation wieder zu verbessern.

Sechs Apotheken-Schließungen im Landkreis

Zudem wolle man durch den Protesttag auf die vielen Apotheken-Schließungen – unter anderem aufgrund von Personalengpässen – aufmerksam machen. Laut Rewitzer hat es im vergangenen Jahr sechs Schließungen im Landkreis Cham gegeben.

Natürlich spiele dabei auch die Bezahlung eine Rolle. Insbesondere bei Lieferengpässen müssen Apotheken schnell auf Selbstherstellung umstellen – das bedeutet Mehraufwand. „Das kostet Zeit, Energie, Geld und Arbeitskraft und das muss adäquat erstattet werden“, sagt Rewitzer.

Außerdem werde eine Anpassung der Arzneimittelpreisverordnung gefordert, die seit 2004 nicht mehr stattgefunden hätte. „Das ist nicht mehr zeitgemäß“, sagt Carolin Schleußinger, Inhaberin der Marien-Apotheke Daiminger in Roding und der Stadt Apotheke in Rötz. Auch sie bestätigt, dass durch Lieferengpässe ein enormer Mehraufwand entsteht. Unter anderem müssen Apotheker dadurch ständig Rücksprache mit Ärzten halten, um ein geeignetes Ausweich-Medikament zu finden. „Es sitzen auch Mitarbeiter den ganzen Tag vor dem Computer, um zu schauen, was lieferbar ist. Zudem herrscht Personalmangel an allen Ecken und Enden“, so Schleußinger.

Bürokratie nimmt überhand

Wie sie sagt, ist auch die Bürokratie „ein Wahnsinn“. „Das nimmt alles überhand.“ Ein Stichwort ist dabei die Präqualifizierung, also eine Bestätigung, die Apotheken nachweisen müssen, um Hilfsmittel wie Inkontinenzprodukte, Bandagen oder Kompressionsstrümpfe an Patienten abgeben zu dürfen.

„Zahllose Verträge und unterschiedliche Präqualifikationen im Blick zu haben, ist für Apotheker fast unmöglich“, heißt es auf der Webseite der Abda. Deshalb werden die Einschränkung dieses Verfahrens sowie Einzelmaßnahmen zum Bürokratieabbau gefordert.

„Uns ist wichtig, dass die Kunden über den Streik Bescheid wissen, weil die sind nicht daran Schuld“, sagt Schleußinger. Apotheken, die am 14. Juni Notdienst haben, werden ihre Patienten und Kunden trotz des Protesttages mit Arzneimitteln ausstatten. „Das Notwendige wird über die Notfallklappe versorgt, aber es könnte möglicherweise zu Warteschlangen kommen“, so Schleußinger.

Das könne Sie auch interessieren: Der Regen war optimal, sagen Forst- und Landwirte aus dem Landkreis Cham

„Unser Protest geht in keinster Weise gegen unsere Kunden. Er geht gegen die verantwortlichen Gesundheitspolitiker in Berlin. Deshalb ist es so wichtig, dass alle Apotheken in Deutschland Geschlossenheit zeigen. Somit erhoffen wir, uns damit endlich Gehör zu verschaffen. Die jahrelange sachliche und fachliche Argumentation gegenüber der Politik hat wenig bis gar nichts gebracht“, sagt Alexander Pöschl, Delegierter der Bayerischen Landesapothekerkammer und Inhaber der Apotheke am Stadtpark und der Regental-Apotheke in Cham.

Wie er sagt, werden sich beim Streik am 14. Juni alle Apotheken aus dem Landkreis Cham beteiligen. „In dieser Form gab es das noch nie. Auch die Geschlossenheit und der Zusammenhalt meiner Kollegen wie ich sie erlebe sind bisher einzigartig“, sagt Pöschl.