Hürden beim Fernwärme-Ausbau in Schwandorf: Stadtrat Alfred Damm hat eine andere Idee

Vor mehr als einem Jahr hat der Schwandorfer ÖDP-Stadtrat Alfred Damm eine Anfrage zum Ausbau der Fernwärme im Stadtsüden gestellt. Nun liegt eine Antwort der städtischen Wasser- und Fernwärmeversorgung (SWFS) vor – und die fällt eher ernüchternd aus. Damm setzt nun auf einen alternativen Vorschlag.
„Laufend“, sagt Alfred Damm, sei er von Bürgern angesprochen worden, ob die Fernwärme bis Büchelkühn erweitert werden kann. Zu Damms diesbezüglicher Anfrage hat Werkleiter Walter Zurek nun auf vier Seiten ausführlich dargestellt, was machbar wäre. Rein vom technischen Standpunkt wäre es zwar möglich, Büchelkühn und Klardorf leitungsmäßig zu erschließen. Es bräuchte aber zwei Druckverstärkungsanlagen mit hydraulischer Weiche oder eine Wärmetauschtrennung.
Doch so gut sich das anhört, die Liste der „Abers“ ist lange: Ein solcher Ausbau, schreibt Zurek, würde „unsere Kapazitäten an Fremdfirmen und Eigenpersonal für etwa zehn Jahre“ binden. Allein für die ersten drei bis vier Jahre seien 100 Prozent „unserer Ressourcen ausgelastet“. Dazu kommen technische Probleme: Für das Projekt wäre nämlich eine Wärmeleistung von 5000 bis 7000 Kilowatt nötig.
Viele technische Hürden
Allerdings kann die Fernwärme „vertraglich und technisch“ nur 36.000 Kilowatt vom Zweckverband Müllverwertung Schwandorf (ZMS) beziehen. Diese Menge werde „sehr wahrscheinlich“ im Winter 2026/27 erreicht sein, schreibt Zurek – ganz ohne einen Ausbau nach Klardorf und Büchelkühn. Und weiter: „Die bestehende Wärmeauskopplung kann technisch nicht weiter erhöht werden, wegen der räumlichen Begrenzung.“ Es wäre also eine zweite Auskoppeleinheit notwendig.
Wobei auch der Durchsatz in den Kesseln des Müllkraftwerks „nicht beliebig erhöht“ werden könne, so Zurek. „Das heißt, die Leistung der Kessel müsste höher werden. Aber auch der Mülldurchsatz müsste steigen.“ Allein für einen theoretischen Ausbau nach Büchelkühn und Klardorf müssten demnach 15.000 Tonnen mehr Müll verbrannt werden.
Auch finanziell ist die SWFS eher skeptisch. In Büchelkühn und Klardorf kämen insgesamt 750 Gebäude infrage, die an die Fernwärme angeschlossen werden könnten. Die Kosten dürften bei circa elf Millionen Euro liegen, davon entfallen allein zehn Millionen auf den Leitungsbau. Damit der Ausbau überhaupt kostendeckend wäre, müsste es zu Beginn und während der Ausführung eine staatliche Förderung geben, die 40 Prozent der anrechenbaren Kosten beträgt.
Zusätzlich müssten innerhalb von fünf Jahren zwei Drittel der möglichen Gebäude tatsächlich Wärmeenergie beziehen und bezahlen. In den Unterlagen steht hinter beiden Punkten ein „sehr, sehr großer Vorbehalt“. Mehr noch, für erhöhte Transportkosten müsste wohl ein finanzieller Aufschlag bezahlt werden. Laut Zurek könne das pauschal über eine doppelte Grundgebühr erfolgen. „Es würden aber dafür im gesamten Wärmenetz die gleichen Wärmearbeitspreise gelten.“
Umsetzung frühestens in zehn bis 15 Jahren
Was die Prüfung angeht, ob weitere Ortsteile angeschlossen werden können, so könnte das zwar realisiert werden. Für Wiefelsdorf, Naabeck, Gögglbach, Neukirchen und Naabsiegenhofen sei das aber bereits „vereinfacht erfolgt“ – mit dem Ergebnis, dass ein Anschluss „aussichtslos ist, da es an der Zahl der möglichen Anschlussnehmer mangelt“.
Zudem stellt Zurek die Grundsatzfrage, wofür der Anschluss noch weiterer Ortsteile geprüft werden solle, wenn die Investitionskosten noch deutlich höher als bei einem theoretischen Ausbau nach Klardorf und Büchelkühn wären – und frühestens in zehn bis 15 Jahren mit der Umsetzung begonnen werden könnte. Auch stelle sich die Frage, woher denn die Energie kommen solle.
Nach Zureks Einschätzung würde eine „weitere, detaillierte Prüfung“ erst im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung Sinn machen. Diese müssen die Kommunen verpflichtend bis 2028 vorlegen. Die Bundesregierung sieht darin ein „strategisches Planungsinstrument für die klimaneutrale Wärmeversorgung“, wie es auf der Website des Bundesbauministeriums heißt. ÖDP-Stadtrat Alfred Damm interpretiert die Antwort so, dass ein weiterer Ausbau der Fernwärme in den Stadtsüden eher nicht realistisch ist. Auch er selbst sagt: Man solle die Energie nutzen, die da ist. „Aber die Müllmenge zu erhöhen, um mehr zu haben, will ich auch nicht.“
Kommt ein Nahwärmenetz?
Stattdessen hat Damm einen anderen Vorschlag: Für die Ortsteile, die nicht an die Fernwärme angeschlossen werden können, sollten mit Hilfe der Wärmeplanung sogenannte Nahwärmenetze angeboten werden. Dabei geht es um eine Wärmeversorgung, die dezentral in einem Ortsteil errichtet werden könnte. Die nötige Energie käme dann aus einer lokalen Quelle, so wie zum Beispiel einer Hackenschnitzelanlage. Ein solches Netz könne laut Damm für eine Gleichbehandlung mit den Bürgern in der Kernstadt sorgen, die Fernwärme nutzen können.
Wie Stadt-Sprecherin Maria Schuierer auf Anfrage mitteilt, solle bei der Wärmeplanung auch ein Nahwärmenetz in den einzelnen Ortsteilen geprüft werden. Über die Planungstiefe einzelner Nahwärmenetze könne derzeit allerdings noch keine Aussage getroffen werden. Es bleibe „voraussichtlich bei konzeptionellen Ansätzen“.
Dabei würden Potenziale und Möglichkeiten ermittelt. Eine Machbarkeitsstudie und konkrete Projekte in den Ortsteilen würden sich „aller Voraussicht nach anschließen oder begleitend in Auftrag gegeben werden müssen“. Diese „aufbauenden Planungsleisten“ sind laut Schuierer bereits im Klimaschutzkonzept vorgesehen. Sie sollten „unter Vorbehalt der Haushaltsplanung“ angestoßen werden. Das solle in enger und aufwendiger Abstimmung mit den Bürgern der Stadtteile erfolgen.
Die Wärmeplanung in Schwandorf
Ausschreibung: Die Ausschreibung werde über den Winter vorbereitet, teilt Stadt-Sprecherin Maria Schuierer mit. Bis wann die Arbeiten an der Wärmeplanung für die Stadt Schwandorf beginnen, sei allerdings zum jetzigen Zeitpunkt „leider noch nicht absehbar“.
Experten: Für so eine Planung sei „tiefgreifende fachliche Planungsexpertise“ nötig. Das könne nicht durch die Stadtverwaltung gestemmt werden. Selbst mit externen Dienstleistern sei die Wärmeplanung eine „erhebliche Zusatzbelastung“ für die Verwaltung, so Schuierer.
Förderung: Den Förderantrag für die Wärmeplanung hat die Stadt bereits Mitte Oktober gestellt. Die Förderquote beträgt nämlich 90 Prozent, wenn der Antrag noch 2023 erfolgt. Ab 2024 wären es nur noch 60 Prozent. Der theoretische Bewilligungszeitraum beginne im April 2024.