Wiedereröffnung geplatzt: Der Ratskeller bleibt weiterhin ein Sorgenkind

Was wird aus der Traditionsgaststätte unter dem Alten Rathaus in Regensburg? Eine Antwort auf diese Frage gibt es weiterhin nicht. Die Suche nach Pächter für den Ratskeller beginnt von vorne.
In jüngster Vergangenheit ist es für die Brauerei Bischofshof in Sachen Neuverpachtungen eigentlich wie am Schnürchen gelaufen. Sowohl für die Goldene Ente am Eisernen Steg als auch für die Kreuzschänke in der westlichen Altstadt konnten schnell und geräuschlos neue Wirte gefunden werden, so dass es an beiden Standorten zum Jahresanfang nahtlos weitergeht.
Ausgerechnet der Ratskeller – neben dem Bischofshof am Dom und dem Haus Heuport das prestigeträchtigste Gastronomie-Objekt der Brauerei – tanzt aus der Reihe: Hier beginnt im Januar das dritte Jahr mit verschlossenen Türen.
Aus kurz vor der Unterschrift
Geplant war das freilich anders. Noch im Mai hatte Bischofshof-Gastroleiter Tobias Funke vor Optimismus gesprüht und war fest davon ausgegangen, dass das Traditionslokal im Souterrain des Alten Rathauses im Herbst neu eröffnen kann.
Lange Zeit habe es auch gut ausgesehen, sagt er jetzt: „Wir waren mit einem Bewerber schon ganz weit, kurz vor der Vertragsunterschrift. In letzter Sekunde hat es sich aber leider doch zerschlagen.“ Somit beginnt die Suche nun wieder von vorn. Zwar waren im Mai noch vier Aspiranten in der engeren Wahl, denen die Brauerei allesamt „sehr gute Konzepte für eine langfristige Bewirtschaftung des Ratskellers“ bescheinigte.
Doch nachdem sich der Findungsprozess auf einen Kandidaten zugespitzt hatte, sind die anderen offenbar nicht mehr greifbar. Im Gegensatz zu herkömmlichen Stellenbesetzungen sind Lösungen mit Nachrückern in dieser speziellen Branche nämlich selten umsetzbar, wie Funke erklärt: „Gute Gastronomen haben in der Regel wieder schnell ein gutes Objekt.“
Dass im Ratskeller ein „guter Gastronom“ vonnöten ist, geht schon aus dem im Internet veröffentlichten Exposé hervor. Denn das Lokal mit seinen 500 Quadratmetern Nutzfläche plus Freisitzen im Innenhof sowie am Rathausplatz und einer Gesamtkapazität von über 250 Plätzen ist ein wahrer Großbetrieb.
Dessen Leiter muss Erfahrung, ein fähiges Team und reichlich Kapital mitbringen. Allein die Kaution beläuft sich auf 40 000 Euro, die monatlichen Nebenkosten sind mit 850 Euro netto veranschlagt, als Jahrespacht sind mindestens 96 000 Euro angegeben. Der wichtige Zusatz „mindestens“ erklärt sich damit, dass es sich um eine Umsatzpacht handelt.
Neues Ziel: Erste Hälfte 2024
Das bedeutet: Schlägt sich der neue Wirt richtig gut, muss er mehr Pacht zahlen, nämlich acht Prozent seines Umsatzes. Wie ein Branchenkenner aus dem Bankenbereich der MZ im Mai vorrechnete, sei aber bereits für ein auskömmliches Dasein mit der Mindestpacht ein Jahresumsatz von einer Millionen Euro nötig.
Bei der Brauerei Bischofshof ist man nach wie vor überzeugt, dass sich im Ratskeller ein derart gutes Geschäft machen lässt. „Das ist ein besonderes Lokal, mit 1a-Lage, toller Einrichtung, kleineren und größeren Räumen und beeindruckender Historie“, sagt Funke und gibt nach dem jüngsten Rückschlag das erste Halbjahr 2024 als neuen Ziel-Zeitraum für die Wiedereröffnung an.