Mordversuch in Regenstauf: Plante Ehemann (32) auch ein Säure-Attentat?

32-Jähriger soll Frau und Söhne in Regenstauf im Landkreis Regensburg mit heißem Öl übergossen haben. Ermittler stießen auf ein Detail, dass die Tat in neuem Licht erscheinen ließ. Vor Gericht soll sich der Mann wegen versuchten Mordes und Anstiftung zum Mord verantworten.
Weil er die Mutter seiner zwei Kinder mit heißem Öl übergossen haben soll, muss sich ein 32-Jähriger aus Regenstauf wohl bald wegen versuchten Mordes vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage erhoben, wie Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher bestätigte. Ein neues Detail des Falles vom 12. Mai lässt erahnen, wie ernst die Pläne des Mannes waren: Er wollte offenbar ein Säure-Attentat auf seine von ihm getrennt lebende Ehefrau in Auftrag geben.
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Bei Ermittlungen im Umfeld des Beschuldigten soll die Kripo auf einen Zeugen gestoßen sein, den der 32-Jährige um Hilfe bat – quasi zum Mord anstiften wollte. Das war nach MZ-Recherchen nur zwei Tage vor der Tat, für die der Mann seit knapp sechs Monaten in U-Haft sitzt. Bei dem Attentat sollte der 30-Jährigen Säure ins Gesicht geschüttet werden. Der Zeuge lehnte jedoch ab. Er wird aber vor Gericht gegen den Beschuldigten aussagen müssen. Die versuchte Beteiligung am Mord ist Teil der Anklage.
Ermittler konnten Attacke rekonstruieren
Die Attacke mit kochend heißem Öl konnten Mordermittler der Kripo in Regensburg genau rekonstruieren: Es sollen drei Liter gewesen sein, die der Beschuldigte offenbar eineinhalb Stunden in der Wohnung in Regenstauf erhitzte. Als die Noch-Ehefrau gegen 14.30 Uhr die Kinder brachte, soll er die Treppe heruntergegangen sein und den Topf aus kurzer Distanz über ihr entleert haben. Dabei traf er auch die beiden Söhne, die leichte Verbrennungen erlitten. Die Mutter wurde beim Angriff aber schwerst verletzt.
Rache an Noch-Ehefrau wegen Scheidung?
Der Beschuldigte selbst hatte damals behauptet, gestolpert zu sein. Ermittler fanden aber früh Spuren, die auf einen ganz anderen Ablauf deuteten. Die Staatsanwaltschaft bewertete den Fall letztlich als versuchten Mord aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen: Wegen der laufenden Scheidung habe sich der 32-Jährige rächen wollen und sein Opfer für andere Männer unattraktiv machen wollen. Die Frau kam im Mai mit einem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik und musste ins Koma versetzt werden. Einige Wochen später konnte die 30-Jährige das Krankenhaus wieder verlassen.
Nachbarn hatten das Paar als harmonische Familie beschrieben, ihn als liebevollen Mann. Streit wäre nie zu hören gewesen, hieß es. Der Mann, der für einen Industriezulieferer in Nordrhein-Westfalen tätig war, arbeitete seit Corona viel im Homeoffice. Und gänzlich unbelastet scheint die Beziehung nicht gewesen zu sein: Die 30-Jährige mit Faible für Make-up und eigenem Instagram-Kanal war Monate vor dem Angriff mit den Kindern ausgezogen. Ein zunächst erwirktes Kontaktverbot endete im Vergleich wegen des Umgangsrechts für den Vater. Deshalb war sie an jenem Freitag auch zur Wohnung des Mannes gefahren.
Drei versuchte Femizide innerhalb kurzer Zeit
Der Fall in Regenstauf war der dritte versuchte Femizid in Stadt und Landkreis in diesem Jahr – so nennt man es, wenn Frauen zu Opfern ihrer eigenen Partner werden. Zu Jahresbeginn hatten zwei Angriffe mitten in Regensburg Schlagzeilen gemacht: Zwei junge Männer hatte ihre Freundinnen dabei mit Messern verletzt. Das Landgericht verurteilte den Täter aus der Obermünsterstraße zu fünf Jahren Gefängnis und den Angreifer von der Ladehofstraße zu sieben Jahren und zehn Monaten Haft.
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Wann es zum Prozess gegen den 32-Jährigen kommt, ist offen. Sein Strafverteidiger Georg Karl wollte sich vorerst nicht zu Details äußern. Die Landgerichtssprecherin Ruth Koller bestätigte den Eingang der Anklage. Über deren Zulassung habe die Schwurgerichtskammer noch nicht entschieden.
