Regensburg schaltet auf Krisenmodus: Zahl der Flüchtlinge steigt

Nun also doch: Die Stadt Regensburg sucht intern bereits Turnhallen zur Unterbringung von Flüchtlingen für den Winter. Wie die Regierung der Oberpfalz bestätigte, muss die Stadt bis zu 264 Plätze vorhalten.
Gesperrt werden muss allerdings noch keine Turnhalle. Erst, wenn die Migranten ankommen, würde der Notfallplan in Kraft treten. Derweil hat die Regierung schon Container im Ankerzentrum aufgestellt. Auch die Stadt muss sich für einen Winter vorbereiten, in der die Unterbringung von Migranten gesichert sein muss. Entgegen der Bekundung der Regensburger Oberbürgermeisterin, man wolle zunächst keine Turnhalle als Flüchtlingsunterkünfte umwidmen, hat die Stadtverwaltung intern bereits Hallen in den verschiedenen Ressorts abgefragt.
„Die Stadt hat, wie alle kommunalen Gebietskörperschaften in Bayern, eine Anfrage der Bayerischen Staatsregierung erhalten, für die Planung einer Winter-Notfallreserve Kapazitäten zu melden, die kurzfristig zusätzlich aktiviert werden könnten“, bestätigte eine Sprecherin der Stadt. Die internen Notfall-Kapazitäten in der Boessnerstraße hat man aber bereits der Regierung der Oberpfalz überlassen.
Turnhallen der Stadt sind zuletzt dran
Dafür habe die Stadt die Zusage erhalten, „ dass im Falle weiterer zusätzlicher Bedarfe zunächst auf andere Standorte zurückgegriffen“ wird, so die Sprecherin der Stadt weiter. Somit geht die Stadt davon aus, dass man zunächst auch andere Kapazitäten nutzt, bevor man auf die Turnhallen der Stadt zurückgreift. Und dennoch gibt es interne Abfragen in der Stadtverwaltung, welche Hallen genutzt werden können – auch Schulturnhallen sind kein Tabu mehr. Obwohl die Oberbürgermeisterin vor vier Wochen noch die Belegung der Turnhallen ausgeschlossen hat, kommen diese nun erneut in die Planung, sollten die Kapazitäten von Seiten der Regierung angefordert werden. Die Sprecherin sagt aber auch: „Trotzdem wurde bei der Auswahl darauf geachtet, nach Möglichkeit Hallen zu vermeiden, die für den Schulsport benötigt werden.“
Dass die Zahlen heuer deutschlandweit massiv ansteigen, ist hinlänglich bekannt. Bis September 2023 wurden bereits 251.000 neue Asylanträge gestellt. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 135.000. Bei vielen der Flüchtlinge, die jetzt auch in Bayern untergebracht werden müssen, handelt es sich um Syrer.
Doch wieso wieder Turnhallen, obwohl die OB noch Ende September sagte: „Wir werden jetzt keine Turnhallen belegen“? Laut der Sprecherin liege das daran, „dass die Hallen im Vergleich deutliche Vorteile bieten.“ Liegenschaften des Stadttheaters oder Leerstände der Stadt wie in Stadtamhof scheiden demgegenüber aus. Die Turnhallen seien auch deswegen erste Wahl, wenn es um die Belegung mit Flüchtlingen geht, weil es sich um Liegenschaften im Eigentum der Stadt handelt. So müssten keine „externen Eigentümer entschädigt werden“. Zudem bieten diese eine „flexible Nutzung durch große Flächen, die je nach Bedarf eingerichtet werden können und viele Plätze bieten“. Außerdem sei der Zugang zu den Hallen gut kontrollierbar und auch zu beschränken, heißt es weiter. Zuletzt seien auch die sanitären Anlagen funktionsfähig und müssen nicht nachgerüstet werden.
Angesichts des bevorstehenden Winters muss die Stadt ebenso wie der Landkreis handeln, der bereits vergangene Woche Bedarf für drei Turnhallen in den Gemeinden Wenzenbach, Bernhardswald und Alteglofsheim angemeldet hat. „Nationalitäten wären wohl Araber und Perser“, hatte Behördensprecher Hans Fichtl über die ankommenden Migranten mitgeteilt. Der Winter-Notfallplan für den Landkreis sieht das Vorhalten von 346 Plätzen vor. Die Turnhallen können weiter genutzt werden, bis der Bedarf tatsächlich angemeldet wird. Erst wenn die bisher vorhandenen Kapazitäten für die Unterbringung erschöpft sind, müssen diese Hallen gesperrt und für Flüchtlinge ausgerüstet werden.
Container in der Kaserne
Nach Informationen der MZ hat es auch in der Stadt schon Gespräche zu den Turnhallen gegeben. Genannt wurde dabei etwa die Halle 37, in der die Stadt bislang Sportangebote gezielt für Flüchtlinge anbietet. Sie befindet sich in der Nähe zur Bajuwaren- und Zeißstraße, also dort, wo die Regierung im Ankerzentrum die Verteilung der ankommenden Migranten koordiniert. Ob die Halle in Frage kommt, ist offen.
Auch bei der Regierung stellt man sich darauf ein, dass die Zahlen weiter steigen. So hat die Behörde angeordnet, im Ankerzentrum selbst weitere Container einzurichten. Es handelt sich dabei um die Dependance in der Pionierkaserne, wie eine Sprecherin bestätigte. Wie im Landkreis, so muss auch die Stadt Kapazitäten für die Unterbringung vorhalten. Diese dürfen aber weiter genutzt werden, bis die Regierung sie abruft. 262 Plätze muss die Stadt anbieten, wenn es soweit kommt. „Dieser Bitte ist die Stadt Regensburg mit Meldung einer entsprechenden Liegenschaft nachgekommen“, sagte die Sprecherin der Regierung.
In der Rathaus-Koalition ist die Nachricht von den Planungen für den Asyl-Notfall im Winter noch nicht angekommen. Aufgrund der Ferien sei der Koalitionsausschuss ausgefallen. Eine durchaus kritische Haltung gegenüber der Oberbürgermeisterin bringt der neu gewählte Fraktionsvorsitzende der CSU, Michael Lehner, zum Ausdruck: „Man darf sich nicht wundern, wenn man als Stadtoberhaupt dauernd die Stadt als sicheren Hafen anpreist, wenn man dann auch die eigenen Kapazitäten bis zum Anschlag überreizen muss“, sagte der CSU-Politiker zur MZ.
Turnhallen sind begehrt
Bedarf: Die Regensburger Turnhallen werden für den Sportunterricht und zudem insbesondere von den hiesigen Vereinen genutzt. Hier wäre auch noch weitaus mehr Bedarf. „Wir brauchen in Regensburg dringend zusätzliche Sporthallen. Zwei zusätzliche Dreifachhallen könnten wir leicht belegen“, sagt Sportbürgermeisterin Astrid Freudenstein.
Engpass: In diesem Jahr wurde die Erstellung des Belegungsplanes für den Winter noch dadurch erschwert, dass eine der beiden Hallen der Konradschule kurzfristig gesperrt werden musste. Der Grund dafür war der Stadtverwaltung zufolge ein Wasserschaden, der den Hallenboden zerstört habe. Mittlerweile stehe auch fest, dass der Boden komplett saniert werden muss.