BKH-Messerattacke in Regensburg: Ermittler prüfen Hinweise auf Mitwisser

Die Generalstaatsanwaltschaft nennt zum Tatablauf in Regensburg keine Details – bestätigt aber Ermittlungen „in alle Richtungen und gegen alle Beteiligten“. Der Täter hatte sich nach neuesten Informationen vor der Attacke jemandem anvertraut.
Immer neue, verstörende Details kommen vier Tage nach der Messerattacke am Bezirksklinikum in Regensburg ans Licht: Offenbar gab es mindestens einen Mitwisser der unfassbaren Tat, die ein 14-Jähriger plante. Das wurde der Mediengruppe Bayern aus Sicherheitskreisen bestätigt.
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Der Teenager hatte am Donnerstag zwei Menschen in der Regensburger Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie schwer verletzt. Ein Siebenjähriger starb am Freitagabend an den massiven Stichverletzungen. Die Generalstaatsanwaltschaft in München ermittelt „vollumfänglich in alle Richtungen und gegen alle Beteiligten“, hieß es auf eine Anfrage am Montag.
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Bei den Opfern dürfte es sich um Zufallsopfer handeln. Die Ermittler gehen davon aus, der mutmaßliche Täter, sie nicht gezielt ausgesucht hat, wie ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft der dpa sagte. Bei dem 63-Jährigen handele es sich demnach um einen Lehrer, der sich im Rahmen seiner Tätigkeit in der Einrichtung aufgehalten habe. Der getötete Junge hingegen war laut Recherchen der Mediengruppe Bayern ein Patient der Tagesklinik am BKH.
Noch am Freitag hatte die Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET) den Fall übernommen. Denn der Jugendliche ist den Ermittlern bekannt: Im Januar war er, damals noch nicht strafmündig, Cyberfahndern aufgefallen, weil er sich im Internet offen über Pläne für ein Schulmassaker austauschte. Als die Polizei zugriff, fand sie Industrie-Sprengstoff, Softair-Waffen und weitere verbotene Gegenstände im Haus der Familie im Landkreis Neustadt an der Waldnaab.
Teenager schrieb in Chats von seinen Amokplänen
Der Teenager hatte sich demnach im vergangenen Jahr über ziemlich jeden Amoklauf weltweit informiert – ob Columbine High, Erfurt oder Winnenden. In Chats soll er seine eigenen Pläne diskutiert haben. Ermittler schließen daher auch aktuell einen möglichen extremistischen Hintergrund nicht aus. Der Beschuldigte habe sich intensiv mit der Planung und Durchführung von schwersten Gewalttaten beschäftigt, teilte ein ZET-Sprecher mit.
Mit richterlichem Beschluss war für den damals 13-Jährigen im Januar die Unterbringung im Bezirksklinikum angeordnet worden; für ein Jahr – die gesetzlich maximal mögliche Dauer einer freiheitsentziehenden Maßnahme. Für wie hochgradig gefährlich die Sicherheitsbehörden ihn hielten, zeigt ein anderer Aspekt: Der Teenager wurde als Gefährder eingestuft. Obwohl er auf der geschlossenen Station der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Regensburg untergebracht war, musste er eine elektronische Fußfessel tragen. Das bestätigte die Generalstaatsanwaltschaft in München nun. Grundlage dafür sei die polizeiliche Gefahrenabwehr gewesen. Damit hätte der Jugendliche im Fall des Falles jederzeit lokalisiert werden können.
„Rache“-Selfie mit Tatwaffe auf Instagram gepostet
Wie Recherchen der Mediengruppe Bayern ergaben, wurden dem Teenager jedoch zuletzt an Wochenenden mehrere begleitete Freigänge genehmigt. Sein Zustand soll – zumindest dem Anschein nach – zuletzt als „sich bessernd“ eingeschätzt worden sein, hieß es. Offenbar ein fataler Irrtum: Die Tat am Donnerstag schien von langer Hand geplant gewesen. Kurz vor der Attacke posierte der 14-Jährige mit dem Schlachtermesser für ein Selfie und lud das Bild mit dem Text „Revenge“, zu deutsch: Rache, auf Instagram hoch. Die Polizei ließ den Beitrag mittlerweile wieder entfernen.
Zu Details der Messerattacke, bei der neben dem tödlich verletzten Kind auch ein 63-jähriger Mitarbeiter am BKH schwer verletzt wurde, halten sich die Behörden sehr bedeckt. Laut Generalstaatsanwaltschaft könnten mit Blick auf die laufenden Ermittlungen derzeit keine näheren Auskünfte erteilt werden. Eine der zentralen Fragen sei aber, „wie der Beschuldigte zu einem Messer kam und ob es im Vorfeld der Tat Mitwisser oder Unterstützer gab".
Indizien darauf, dass jemand mehr wusste, gab es offenbar bereits am Tattag. Das erfuhr die Mediengruppe Bayern aus gut unterrichteten Kreisen. Welche Informationen der Tatverdächtige teilte und die Frage, ob sich dadurch auch Mitpatienten durch ihr Schweigen strafbar gemacht haben, wird also ebenfalls geprüft.
