Chefin der Regensburger Kinder- und Jugendfarm muss weiter Spenden sammeln

Über 20 Jahre gibt es die Kinder- und Jugendfarm in der Konradsiedlung . Generationen lernten hier, sich Ziegen oder Kaninchen zu kümmern – und damit auch fürs Leben. Jetzt will der Verein die Finanzierung auf verlässlichere Füße stellen. Das ist nicht einfach.
Damit der Betrieb für ein weiteres Jahr steht, müsse Monika Göttler, die Vorsitzende des Betreibervereins Jufatreff, jedes Mal 145000 Euro auftreiben. Anfang Oktober sagte Göttler noch, dass sie mit den Ressourcen auf dem Konto sicher bis kommenden März planen könne. Inzwischen zeichne sich das Spendenaufkommen für das darauffolgende Planungsjahr zwar schon ab. So habe sich die Zuwendung aus einer Stiftung erhöht. Dennoch hänge die Finanzierung auch jetzt noch am Eingang eines größeren Betrags.
Hilft ein Rettungsschirm?
So möchte Göttler aber nicht mehr haushalten. „Von dem Geld müssen ja auch die Gehälter für die Pädagogen bezahlt werden, die hier angestellt sind“, verdeutlicht sie ihre Situation. Deswegen brauche sie längerfristige Zusagen für das Geld, mit dem sie sicher rechnen kann. „Wenn das Geld nicht da ist, ist der Arbeitgeber weg. Was ist das?“, fragt sie aus der Perspektive der Pädagogen.
Inzwischen hat sich auch Reinhard Kellner, Vorsitzender beim Verein Regensburger Soziale Initiativen, bei dem Thema eingeschaltet. Er engagierte sich in den Anfangstagen bei der Kinder- und Jugendfarm und fühlt sich ihr seither eng verbunden. „Dieses Projekt ist ein Leuchtturm unter den ansonsten sehr Innenstadt-zentrierten Sozial- und Kulturprojekten“, sagt er. Kellners Vorschlag: eine Art Rettungsschirm mit Spenden von Privatleuten, Sportvereinen, Kirchen oder Geschäftsleuten.
Göttler aber sagt, sowohl das eine als auch das andere zu benötigen. Denn etwa würden andere Vereine oft selbst jeden Euro oder auch Spenden benötigen. Die Beträge, die von Partnern bei der Stadtteilarbeit eingehen, seien sehr wichtig für sie. „Zumindest die Personalkosten wüsste ich aber gerne durch durch institutionelle Förderung der Stadt und Zuwendungen aus Stiftungen gesichert“, erklärt sie. Und dafür brauche sie verlässliche Zusagen für zwei oder drei Jahre im Voraus.
So geht es weiter
„Die Stadt ist sich der Bedeutung der Kinder- und Jugendfarm sehr bewusst und unterstützt den Verein deshalb bereits seit Jahren durch eine institutionelle Förderung von 65000 Euro pro Jahr“, sagt Katrin Butz von der städtischen Pressestelle dazu. Durch freiwillige Leistungen finanziere die Stadt zudem die Pacht für das Grundstück. Das Amt für kommunale Jugendarbeit übernehme auch die laufenden Kontrollen, etwa durch den TÜV.
Allerdings könne die Stadt ihre finanzielle Unterstützung aus institutioneller Förderung und freiwilligen Leistungen laut Butz aktuell aufgrund der Haushaltslage nicht erhöhen. Der Verein sei aber dabei unterstützt worden, Förderanträge zu stellen.
Die Stadt werde die Kinder- und Jugendfarm auch ab 2025 unterstützen, da ihr diese Einrichtung sehr am Herzen liege und sie unbedingt erhalten werden soll, beteuert Butz. Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) und Sozialbürgermeisterin Dr. Astrid Freudenstein (CSU) seien in Kontakt mit dem Trägerverein und setzen sich dafür ein, ihn mit allem, was die Stadt leisten kann, zu unterstützen.
Göttler aber hat noch ein anderes Problem, das sie lösen muss, um dem Verein den Weg in die Zukunft zu ebnen: Es brauche einen Generationenwechsel und neue ehrenamtliche Helfer auf der Farm. Weil viele Mitglieder des Trägervereins aus den Anfangsjahren des Projekts stammen, tue sie sich mit der Perspektive schwer. „Wenn alles so bleibt, wie es jetzt ist, steht zur Debatte, dass wir aufhören müssen“, sagte Göttler Anfang Oktober über die Situation. Zwei Jahre wollen sie und ihre Mitstreiter noch probieren, den Trägerverein der Kinder- und Jugendfarm zu retten. Spätestens dann aber werde sich die Frage stellen, ob das Projekt in die Hände eines anderen Trägers übergeben werden muss oder ob sich genügend neue Mitglieder gefunden haben, die selbst bestimmen können, wie es weitergeht, kündigt sie an.
