Kündigung: Regensburgs Traditionsverein für Schwule und Lesben steht vor dem Aus

Seit Jahrzehnten setzt sich der Verein für Schwule und Lesben ein. Jetzt wird das Haus saniert, in dem die Resi ihren Sitz hat. Wie es weitergeht, ist offen.
Ausgerechnet die Feier zum 40. Bestehen könnte die letzte sein. Am Freitagabend zelebrierten die Vereinsmitglieder in den Räumen der Resi in der Blauen-Lilien-Gasse, was vor 40 Jahren für Regensburg neu und innovativ war: Die Gründung eines Vereins, der sich um die Belange von Schwulen und Lesben in der Domstadt kümmert.
„Wir können das nicht bezahlen“, sagt Martin Preis, einer der Vorstände des Schwulen- und Lesbenvereins, der sich natürlich auch um Transsexuelle kümmert. „Wir machen dem neuen Vermieter auch gar keinen Vorwurf, aber bislang haben wir 750 Euro Miete bezahlt – nach der Sanierung soll die Miete 1350 Euro betragen und das können wir uns nicht mehr leisten.“
Feier mit Klos im Hals
Es war also eine Feier, die durchaus einen traurigen Hintergrund hat am Freitagabend. Doch der neue Vermieter Armin Lengauer macht deutlich, dass ihm der Verein am Herzen liegt. Nach dem Tod des Vorbesitzers wurde das Haus an ihn verkauft. „Wir haben im Landkreis einige Projekte, beispielsweise in Nittendorf, gebaut. Wir vermieten“, sagt Lengauer.
Eine Heuschrecke, die mit Immobilien Reibach machen möchte, ist Lengauer nicht. Lengauer führt den MZ-Reporter durch das Gebäude. Übernommen hat Lengauer das Gebäude fast leer. Jahrelang war nichts in Sachen Brandschutz unternommen worden. Immer mehr Altstadthäuser, die noch nicht saniert sind, geraten aufgrund von immer höheren Sicherheitsanforderungen in den Fokus. So wurde beispielsweise auch das Wiedamann-Haus, eine komplexe Anlage, die einst eine Zinnfabrik war, verkauft, da die alteingesessene Inhaber-Familie die teuren Brandschutzmaßnahmen nicht stemmen konnte. „Wir nehmen viel Geld in die Hand“, sagt Lengauer. Am liebsten wäre es ihm, wenn man sich mit der Resi einigen könnte. „Aber ich bitte auch um Verständnis, dass sich das Objekt tragen muss.“
Das Gebäude war fast vollständig entmietet, doch die Resi durfte bleiben, weil die Räume neben dem Eingang liegen. Die Flucht bei einem Brand wäre also einfach. Dennoch hat die Stadt massive Vorgaben gemacht, etwa dass keine Mülltonnen mehr im Hausgang stehen dürfen. Ein bislang als Büro und Lager genutzte Raum der Resi muss nun als Müllraum umgewidmet werden.
Etwa 50 Mitglieder hat die Resi noch. Sie ist nach wie vor Anlaufstelle für Menschen, die in einer auf Heterosexualität ausgelegten Gesellschaft Anschluss suchen. Dass es auch solche Vereine schwer haben, wie übrigens auch auf diese Minderheit ausgerichtete Gaststätten, liegt auch am Internet. Dort finden sich Partner viel schneller als in einem Verein. Und doch ist die Existenz der Resi vielen Menschen wichtig: „Wozu haltet ihr denn an den Überresten der alten Zeiten fest?“, wird Witali Jakobi, ebenfalls Vorstand der Resi, oft gefragt. „Die Resi-Gemeinschaft ist für mich persönlich über die Jahre zu einer Art zweiter Familie geworden, die mir Mut macht und in schwierigen Situationen Halt bietet“, sagte Jakobi kürzlich auf dem Christopher-Street-Day, der einst ebenfalls von der Resi organisiert wurde. Rückendeckung bekommt er auch von Alexander Irmisch, nicht nur Stadtrat der SPD, sondern selbst offen homosexuell. „Eine mögliche Option wäre, dass zukünftig die Anmietung über Queeres Regensburg läuft“, sagt Irmisch. Auch das ist ein Verein.
Irmisch hofft auf Förderung
„Wir sind gerade an einer Projektförderung dran, um eine Beratungsstelle aufzubauen, die mit Eigenmitteln sowie Mitteln aus dem Sozialministerium finanziert wird“, so Irmisch weiter. Hier wären auch Mittel für Räumlichkeiten vorgesehen, so dass es sicherlich möglich wäre, die zusätzlichen Kosten aufzufangen.
Zudem wäre denkbar, dass die Stadt Regensburg weitere freiwillige Leistungen zur Verfügung stellt, allerdings sei das angesichts der angespannten Haushaltslage schwierig. „Alle Beteiligten werden sich zeitnah zu weiteren Beratungen treffen“, verspricht Irmisch.
Zuletzt käme auch ein Sponsoring in Betracht. Die Akzeptanz sexueller Minderheiten ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Auch Firmen haben diese Gruppe entdeckt. Es gibt also noch Hoffnung für den Traditions-Verein, der in den kommenden Wochen aus den Räumen ausziehen muss.
