Krippenplatz dringend gesucht: Familie fühlt sich von Stadt Burglengenfeld im Stich gelassen

Langsam wird es für Sofie L. (Name v.d. Red. geändert) eng. Seit Monaten sucht die 37-jährige Pädagogin für ihr jüngstes Kind Laura (1) einen Platz in einer Krippe. Doch weder in Burglengenfeld, noch in den Einrichtungen benachbarter Gemeinden wurde sie fündig.
Anfang Januar aber läuft Sofie L.s Elternzeit aus. Eine Verlängerung sei ausgeschlossen, sagt die zweifache Mutter. Sie muss zurück an ihren Arbeitsplatz – Geld verdienen. Wie zuletzt im September berichtet, steckt eine ganze Reihe junger Familien in einer ähnlichen Lage. Burglengenfeld, das seit Jahren damit wirbt, besonders familienfreundlich zu sein, hat nämlich ein massives Betreuungsproblem. Vor allem für Knirpse unter drei Jahren fehlt es an Plätzen.
Bewährte Partner wie Johanniter oder BRK blockten
Dabei war die Stadt vor den Sommerferien noch zuversichtlich, zum Start ins neue Kita-Jahr genügend Gruppen bilden zu können. Um speziell den Bedarf an Krippenplätzen abzudecken, sollten die von der Mittelschule nicht mehr benötigten Container im Naabtalpark genutzt werden.
Ein Träger würde sich schon finden, dachten die Verantwortlichen. Zu allererst sollten dafür die Johanniter infrage kommen, denn sie betreiben im Naabtalpark bereits die Einrichtung der Naabtalzwerge. Doch dann musste Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) zur Kenntnis nehmen, dass der Plan nicht aufging: Die Johanniter winkten ab. Ihr Pressesprecher, Matthias Walk, nennt als Hauptgrund den Mangel an Fachkräften. Der sei ja bekanntlich längst ein deutschlandweites Phänomen. Sein Verband habe sich daher entschlossen, seine Strategie in Ostbayern zu ändern – und keine neue Einrichtung mehr zu eröffnen.
Als weiterer Partner käme der BRK-Kreisverband in Betracht. Nicht nur, dass er in Burglengenfeld bereits die „Burg Zauberstein“ übernommen hat; im ganzen Kreisgebiet mauserte sich die Organisation zu einem der führenden Betreiber von Betreuungsstätten.
Doch diesmal gab auch Kreisgeschäftsführer Otto Josef Langenhan der Stadt einen Korb. Seinen Worten zufolge hatte dies nach einem Ortstermin mehrere Gründe, die Trägerschaft abzulehnen – zum Beispiel der Zustand der Container. Außerdem sei der Personalbedarf für eine Krippe besonders hoch.
Familie errichtete ein Eigenheim – zur Finanzierung braucht sie zwei Einkommen
Zurück zu Sofie L. und ihrer Familie: Die 37-Jährige war vor rund drei Jahren zusammen mit ihrem Mann (45) aus Oberbayern nach Burglengenfeld gezogen. Beide fanden in der Region eine feste Stelle und gemeinsam errichteten sie hier ein Eigenheim. Das zweite Gehalt ist fester Bestandteil des Finanzierungsplans.
Dass dieser einmal in Gefahr geraten könnte, weil sich für den Nachwuchs kein Betreuungsplatz finden ließe, mochten sich die Eltern gar nicht vorstellen. Mit ihrem ersten Kind, das heute drei Jahre alt ist, gab es zunächst auch keine Probleme. Das Kind kam in der Krippe des Johanniter-Kinderhauses an der Ludwig-Erhard-Straße im Hussitenweg IV unter.
Doch auch dort wuchsen, so berichtet Sofie L., plötzlich die Personalsorgen. Mehrere Erzieherinnen hätten gekündigt, sodass eine der beiden Krippengruppen geschlossen worden sei. Johanniter-Sprecher Walk bestätigt, dass sich die Personalsituation im Kinderhaus zugespitzt habe. Ursächlich sei die Frustration der Mitarbeiterinnen gewesen, die vor drei Jahren angefangen hätten zu arbeiten, weil es zu diesem Zeitpunkt „die Vision eines Neubaus von Seiten der Stadt gab“.
Diese Vision sei bis heute weder realisiert, noch sei absehbar, wann dies geschehen werde. Deswegen hätten sich die Mitarbeiterinnen nach neuen Jobs umgesehen – „meist in neueren und damit schöneren Einrichtungen, als in einem Container“, so Walk.
Bürgermeister Thomas Gesche weist Vorwurf zurück: Auch andere Kinderbetreuungseinrichtungen haben Personal verloren
Bürgermeister Gesche warnt davor, ein Schwarzer-Peter-Spiel zu beginnen. Fakt sei, dass auch Einrichtungen, die augenscheinlich bessere Rahmenbedingungen bieten könnten, wie etwa die Krippe im Neuen Stadthaus oder der Don-Bosco-Kindergarten, Personal verloren hätten.
„Auch wir leben nicht auf der Insel der Glückseligen“, sagt Gesche. Die Stadtverwaltung habe ernüchternd festgestellt, dass „wir einigermaßen machtlos sind, wenn seit diesem Kindergartenjahr in drei verschiedenen Einrichtungen ganze Gruppen geschlossen werden“.
Gleichwohl, so betont der Bürgermeister ebenfalls, habe sich an der Prioritätensetzung in Burglengenfeld nichts geändert. Die Stadt sei bestrebt, bestmögliche Familienpolitik zu betreiben, und sei diesbezüglich noch immer gut aufgestellt.
Ganz klar weist Gesche den Vorwurf zurück, die Stadt nehme die Sorgen der Eltern doch nicht ernst genug oder gehe bei der Planung der Betreuungsplätze nicht mit ausreichender Gewissenhaftigkeit vor. Für das neue Kinderhaus, das die Container an der Ludwig-Erhard-Straße ersetzen soll, gebe es, anders als behauptet, einen klaren Fahrplan.
Sofie L. hofft darauf, dass doch noch ein Krippenplatz frei wird
Sofie L. ist indes auf die Stadt nicht mehr besonders gut zu sprechen. Dass auch andere Kommunen mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben, ist der 37-Jährigen nicht entgangen. Dennoch, so meint die Mutter, fehle es der Verwaltung bei der Suche nach Lösungen an Fantasie und Einsatzbereitschaft. Zum Beispiel könnte für sogenannte Tagespflege mit Tagesmüttern ein Gebäude zur Verfügung gestellt werden.
Familienintern überlegen Sofie L. und ihr Mann derweil fieberhaft, wie der Plan ab Januar aussehen könnte. Stundenreduzierung am Arbeitsplatz lautet ein Vorschlag, der finanziell aber kaum zu verkraften wäre. Im Prinzip, so sagt Sofie L., helfe ihr jetzt nur noch ein kleines Wunder – der Anruf aus einer Krippe, dass doch noch ein Platz frei sei.
