Die Waldräuber sind los: In Neunburgs neuester Kita werden aktuell sieben Kinder betreut

Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht über fehlende Kita-Plätze geklagt wird. Die Gemeinden im Landkreis Schwandorf tun dabei alles, um den Bedarf zu decken. Auch die Stadt Neunburg hat in die Kinderbetreuung investiert. Seit Anfang September ist die Waldkita in Betrieb, die gestern offiziell übergeben wurde.
Bürgermeister Martin Birner (CSU) erinnerte daran, dass das Vorhaben in Rekordzeit umgesetzt wurde. Am 3. März diesen Jahres hatte die Stadt das erste Gespräch mit dem Bayerischen Roten Kreuz (BRK) geführt und bereits am 1. September startete die Kinderbetreuung unter der Trägerschaft des BRK. „Innerhalb von sechs Monaten einen Kindergarten in den Wald zu zaubern, ist wirklich einmalig“, fand Birner. Er dankte allen, die dies ermöglicht haben – vor allem dem BRK, das sofort bereit gewesen sei, die Trägerschaft zu übernehmen.
Große Nachfrage bei Eltern
Dem vorausgegangen war eine Bedarfsabfrage unter den Neunburger Eltern. Dabei zeigte sich, dass der Wunsch nach einem Waldkindergarten sehr groß ist. Das ist nicht verwunderlich, denn die Betreuung des Nachwuchses mitten in der Natur ist im Kommen, wie BRK-Kreisgeschäftsführer Otto Josef Langenhan bestätigte.
Und Langenhan weiß wovon er spricht: Der BRK-Kreisverband Schwandorf betreibt inzwischen sieben Waldkindergärten. Der erste wurde 2016 in Schwandorf eingerichtet, über die Jahre kamen weitere in Burglengenfeld, Maxhütte-Haidhof und Bodenwöhr hinzu. Allein in diesem Jahr entstanden drei neue BRK-Waldkitas – neben Neunburg auch in Teublitz und Steinberg am See.
In Neunburgs Waldkita, die den Namen „Bärnhofer Waldräuber“ trägt, werden aktuell sieben Kinder betreut. Weitere Anmeldungen liegen dem Träger schon vor – im Frühjahr wird die Zahl der zu betreuenden Kinder auf 13 steigen.
Container von Trolli in Fürth
Von der Funktionalität sei die Einrichtung sehr gut, lobte Langenhan. Neben dem Freigelände, auf dem die Kleinen herumtoben können und verschiedene Spielmöglichkeiten finden, gibt es einen Containerbau, den die Kinder und Erzieher zum Beispiel bei schlechtem Wetter nutzen können.
Martin Birner blickte in seiner Rede zurück, wie die Stadt zu den zwei Containern kam. Bei einem privaten Treffen habe ihm Feuerwehrchef Bernhard Käsbauer nebenbei erzählt, dass die FF Neunburg zwei gebrauchte Container von der Firma Trolli aus Fürth kostenlos bekommen könnte und dass sie überlegen, wo sie gebraucht werden.
Der Bürgermeister habe dem Feuerwehrchef in ein paar Minuten ausreden können, dass sie die Container bräuchten. Denn er benötigte ja dringend welche für den Waldkindergarten. So wurden die beiden Container dem Kita-Projekt überlassen. Das sei entscheidend für die schnelle Umsetzung des Vorhabens gewesen. Hätte die Stadt die Container bestellen müssen, hätte es mit Sicherheit viel länger gedauert, zeigte sich Birner überzeugt.
Bauhof hat Container in Fürth zurückgebaut
Nachdem der zuständige Förster, das Kreisjugendamt, die Kommunale Unfallversicherung Bayern und die Feuerwehr den Standort besichtigt und grünes Licht gegeben hatten, konnte mit der Umsetzung begonnen werden. Birner richtete seinen ganz besonderen Dank dabei an die Mitarbeiter des eigenen Bauhofes, die die Container in Fürth zurückgebaut, das Freigelände mit den angrenzenden Parkplätzen gestaltet, die Container wieder aufgebaut und die Infrastruktur mit Strom und Wasser hergestellt haben. „Es ist wirklich toll, was ihr hier geschaffen habt!“
Die beiden Geistlichen, der evangelische Pfarrer Gerhard Beck und der katholische Pfarrvikar Emmanuel Ogbu, segneten anschließend den neuen Waldkindergarten. Beck erinnerte sich, dass er ein Kind der 1980er Jahre war und nach der Tschernobyl-Katastrophe nicht mehr draußen spielen durfte. Man sollte deshalb Gott dankbar sein, dass es jetzt einen Waldkindergarten in Neunburg gibt. Er solle ein Ort fröhlichen Spielens sein. Das er dies ist, bewiesen die Kinder bereits am allerersten Tag. Damals gab es eine Riesenpfütze am Eingang, erzählte Birner, Die Kleinen hätten sich sofort reingehockt und Spaß gehabt.
