Naturschützer im Dilemma: Fuchs Europoles produziert für Energiewende, fällt aber Wald in Neumarkt

Fuchs Europoles will sich in Neumarkt erweitern. Sieben Hektar Wald müssten weichen. Bei einem Klimaschutz-Aktionstag der Firma für Schüler waren auch die Vorsitzenden der beiden großen Naturschutzverbände im Landkreis zu Gast. Wie gehen sie mit dem Vorhaben der Firma um, die damit wirbt, sie produziere für die Energiewende?
„Infrastruktur für eine erfolgreiche Energiewende“ hieß ein Vortrag von Michael Novotny, einem der Geschäftsführer von Fuchs Europoles. Damit argumentierte das Unternehmen auch im Sommer im Stadtrat, als es seine Pläne für ein neues Werk neben dem ein Jahr zuvor eröffneten neuen Standort vorstellte. Ja, man versiegele Fläche, aber man produziere dort Windradtürme, Trafohäuschen, Masten etc. für die Energiewende. Kurzum, der übergeordnete Nutzen ist aus Sicht von Fuchs größer als der Verlust an Wald. Eine Mehrheit der Stadträte überzeugte das in Kombination mit den versprochenen 150 neuen Arbeitsplätzen und der Gewerbesteuer.
Bund Naturschutz lehnt Planung von Fuchs Europoles ab
Der Bund Naturschutz hingegen lehnt die vorgelegte Planung ab. In seiner Stellungnahme zum Bebauungsplanverfahren spricht der BN von einer „eklatanten Fehlentwicklung“. Die zentralen Kritikpunkte: Der Stadt mangele es an einem Konzept für eine nachhaltige und umweltgerechte Bauleitplanung. Die Planung hält aus Sicht des BN zahlreiche rechtliche Standards zum schonenden Umgang mit der Natur nicht ein. Auch der Ausbau der erneuerbaren Energien sei kein zulässiges Argument, um solche Standards zu brechen, unterstrich BN-Kreisvorsitzender Josef Guttenberger.
Immer wieder geschieht aber genau das aus Sicht des Naturschützers. Vorgaben beispielsweise der Landesplanung und Raumordnung werden zurechtgebogen. Am Ende entstünden Gewerbegebiete, Supermärkte und andere Flächen verbrauchenden Projekte, wo sie nicht sein dürften.
Guttenbergers Kollege vom LBV, Bernd Söhnlein, spricht mit Blick auf die Pläne von Fuchs Europoles von einer bitteren Pille. Der Flächenverbrauch tue weh und er sei per se nicht dafür, allerdings sieht er sich in einem Dilemma. Im Gegensatz zu den derzeit in Mühlhausen und Pollanten diskutierten Supermarkt-Projekten gebe es bei Fuchs „einen gewissen Sachzwang“. Dieser sei entstanden durch die Entscheidung, an diesen Standort umzuziehen. Baute das Unternehmen an anderer Stelle, gingen dort auch Flächen verloren – ohne die Vorteile der kurzen Wege bei der Produktion an einem Standort.
Zudem sei das Ausgleichskonzept im Großen und Ganzen vernünftig, sagt der LBV-Vertreter. Der BN sieht Letzteres anders. Er spricht davon, dass der Verlust von mehreren Hektar Wald in keiner Weise durch die vorgeschlagenen, einzelnen kleineren und vom Eingriffsort mehr oder minder weit entfernten Kompensationsmaßnahmen ausgeglichen werden könne.
„Wir müssen aufpassen, dass der Naturschutz nicht hinten runter fällt“, betonte Guttenberger mit Blick auf die anstehende Energiewende. Naturschutz sei unter diesen Umständen mehr denn je eine Gratwanderung.
LBV-Kreisvorsitzender zu Energiewende: „Es wird Konflikte mit dem Naturschutz geben“
Die Klimakrise nur technisch lösen zu wollen, sei zu kurz gegriffen, führte Bernd Söhnlein in seinem Vortrag aus. Lediglich die fossilen Energien zu ersetzen, reiche nicht, um die Klimakrise zu bewältigen. Man müsse auch in den Naturschutz investieren. Als Beispiel führte Söhnlein den Schutz der Moore an, die CO² speicherten. Seine Schlussfolgerung: Zur Energiewende gebe es keine Alternative, aber sie müsse naturverträglich umgesetzt werden. Der Mensch müsse sich mehr als Teil eines Gesamtsystems sehen.
Trotzdem, ganz naturverträglich wird die Energiewende kaum umsetzbar sein. Dessen ist sich Söhnlein bewusst: „Es wird Konflikte mit dem Naturschutz geben“, sprach der LBV-Kreischef die von seinem BN-Kollegen erwähnte Gratwanderung an.

