„Natur bleibt auf der Strecke“: Bund Naturschutz kritisiert die Erweiterung von Europoles

Von Mittelbayerische Zeitung · 19. Oktober 2023 um 14:38

Der Stadtrat der Stadt Neumarkt hatte beschlossen, einen qualifizierten Bebauungsplan für das Gebiet „177 – Habersmühle III“ aufzustellen und den Flächennutzungsplan zu ändern – mit dem Ziel, der Firma Europoles eine Betriebserweiterung um neun Hektar zu ermöglichen. Der Bund Naturschutz kritisiert das Vorhaben scharf.

Der Neumarkter Stadtrat hatte im Juli mit dem Ansinnen von Europoles zu tun und mehrheitlich die Aufstellung eines Bebauungsplan beschlossen. Allerdings war damals von sieben Hektar Wald gewesen, die sechs Hektar bebauter Fläche weichen müssten. In fünf Hallen zu je 100 mal 25 Metern wolle Fuchs Europoles Produkte für die Energiewende produzieren.

Wie es in einer Mitteilung des BN an die Redaktion heißt, komme man laut einer ersten Stellungnahme zu dem Ergebnis, dass das Planungsvorhaben entschieden als krasse Fehlentwicklung abgelehnt wird. Die Begründung mit Umweltbericht sei aus Sicht der Organisation fehlerhaft und unvollständig. Bei diesem Vorhaben sollen laut BN neun Hektar Wald gerodet werden und dieser Verlust könne durch die vorgeschlagenen einzelnen kleineren Kompensationsmaßnahmen in keiner Weise ausgeglichen werden.

BN: Vorgaben werden an entscheidender Stelle missachtet

Der BN führt an, dass die Stadt Neumarkt kein belastbares Konzept für eine nachhaltige und umweltgerechte Bauleitplanung vorgelegt habe. Das Landesentwicklungsprogramm und der Regionalplan würden laut Mitteilung an wichtigen Stellen missachtet. Darin seien die Notwendigkeit einer nachhaltigen Raumentwicklung mit dem Schutz der natürlichen Ressourcen genannt oder der Aspekt des Walderhalts im Hinblick auf seine Funktion als natürlicher Speicher für Kohlendioxid und andere Treibhausgase.

Der BN kritisiert vor allem, dass die sich aus dem Landesplanungsgesetz ergebene Zielmarke, den Flächenverbrauch in Bayern auf fünf Hektar am Tag zu reduzieren, offenkundig im Bereich der Planungshoheit der Stadt Neumarkt keine Rolle spiele.

Gefahr durch Rodungen für den Wasserhaushalt der Landschaft

Die zu rodende Waldfläche liege am Unterhang des Albanstiegs. Die hydrogeologischen Auswirkungen des Planungsvorhabens würden nur oberflächlich erwähnt. Gerade im zunehmenden Klimawandel mit seinen verheerenden Folgen für den Wasserhaushalt in der Landschaft könnten derart großflächige Waldrodungen nicht mehr hingenommen werden.

Der BN habe bereits beim Bau des jetzigen Europoles-Gebäudes auf diese Entwicklungen hingewiesen. Damals seien solche Befürchtungen entschieden zurückgewiesen worden. Nur drei Jahre später sollen sie nun dennoch umgesetzt werden, schreibt der BN.