Fuchs Europoles will in Neumarkt 150 neue Arbeitsplätze schaffen, aber auch sieben Hektar Wald roden

Von Wolfgang Endlein · 28. Juli 2023 um 15:00

Fuchs Europoles expandiert rasant. Nach dem neuen Standort im Neumarkter Norden samt einer neuen Stahlmastenfertigung will das Unternehmen möglichst schnell ein weiteres Werk in der Nachbarschaft bauen. Grund dafür ist die Energiewende. Die Fraktion der Grünen im Stadtrat stimmte dennoch gegen das Großprojekt.

„Ich stecke in einem Dilemma“, bekannte Grünen-Stadtrat Thomas Leykam in der Sitzung am Donnerstag. Er war hin und hergerissen zwischen der Unterstützung von regionalen Unternehmen und der Energiewende einerseits, sowie der Ablehnung von Flächenverbrauch andererseits. All dies ist mit dem neuesten Großprojekt der expandierenden Firmenfamilie Fuchs verknüpft.

Im Nordosten des noch jungen Betriebsstandorts an der Habersmühle soll ein weiteres Werk entstehen. Sieben Hektar Wald müssten dafür weichen, um Platz für sechs Hektar bebauter Fläche zu schaffen. In fünf Hallen zu je 100 mal 25 Metern will Fuchs Europoles Produkte für die Energiewende produzieren. Geschäftsführer Alois Scherer nannte als Beispiele Fundamente für Umspannwerke, Trafohäuschen, Raumzellen für Batteriespeicher und Türme für Windräder.

Kritiker im Stadtrat geht es beim Projekt von Fuchs Europoles zu schnell

Ja, man nehme der Natur etwas, aber man gebe ihr auch wieder etwas zurück, indem man die Energiewende mit ermögliche, sagte Scherer. Zudem gleiche Fuchs Europoles die gerodeten Flächen an anderer Stelle wieder aus. Das Unternehmen werde außerdem 150 neue Arbeitsplätze schaffen.

Die Kritiker unter den Stadträten stellte das nicht zufrieden. Leykam: „Uns geht das Projekt zu schnell. Wurde beispielsweise ausreichend geprüft, ob es nicht alternative Standorte gibt?“ Habe man, unter anderem in Nord- und Mitteldeutschland, erklärte der Vertreter von Fuchs Europoles. Aber der Standort in Neumarkt neben dem bestehenden Betriebsgelände biete Synergieeffekte.

Fuchs Europoles drückt aufs Tempo, weil die Bundespolitik Druck macht

Zur Geschwindigkeit des Verfahrens erklärte Scherer, dass Kunden bereits jetzt die Produkte nachfragten. Vor allem aber mache die Bundesregierung Druck mit den Zielen, bis 2030 80 Prozent des Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Energien zu gewinnen und 2045 gar zu 100 Prozent. Vor diesem Hintergrund eile die Zeit, zumal er nicht davon ausgehe, dass selbst bei günstigem Verlauf des Verfahrens früher als in eineinhalb Jahren produziert werden könne.

Das überzeugte eine klare Mehrheit der Stadträte. 26 stimmten dafür, den Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan auf den Weg zu bringen. Damit ist zwar noch nichts endgültig beschlossen, aber „ich kenne uns, wir haben noch selten einen Aufstellungsbeschluss zurückgenommen“, erklärte Leykam, der zu den sieben Räten gehörtem die dagegen votierten.

Das Projekt zurückzunehmen wäre auch ganz offensichtlich nicht im Interesse der Mehrheit der Stadträte und von Oberbürgermeister Thomas Thumann. Er wie andere Redner betonten: Wer die Energiewende wolle, müsse die Voraussetzungen dafür schaffen. Weitere Argumente der Befürworter war die Zahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze, dass es sich um ein verlässliches, in der Region verwurzeltes Unternehmen handele und dass dessen Wachstum sich in Form von Steuern in der Stadtkasse bemerkbar machen werde. „Wir sollten ein deutliches Signal an die Firma senden“, sagte Martin Meier (UPW). Das taten die Stadträte dann auch.