Fuchs Europoles weiht neue Stahlmastfertigung in Neumarkt: Die Zukunft gehört Wind und Sonne

Von Katrin Böhm · 26. Juli 2023 um 19:00

Dass die Energiewende unumgänglich ist, ist den meisten Menschen klar – allein, wie es funktionieren soll, ist vielen ein Rätsel. Licht ins Dunkel zu bringen versuchten am Mittwoch Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft bei einer Diskussion im neuen Werk von Fuchs Europoles – dort wurde die Stahlmastfertigung eingeweiht.

Die Werkshalle sollen künftig einige tausend Masten pro Jahr verlassen, so geschäftsführender Gesellschafter Conrad Fuchs – damit wolle das Unternehmen seinen Teil zum Gelingen der Energiewende beitragen.

Fuchs appellierte an die gesamtgesellschaftliche Verantwortung bei diesem Thema. Man könne nicht die Energiewende per se befürworten – „aber nicht in meinem Dorf“. Bei der Umsetzung „werden wir nicht jeden mitnehmen können“, so Fuchs. Doch es gehe um den Industriestandort Deutschland, um Frieden und die Bewahrung des Wohlstands. An die Politik gerichtet erklärte er, dass Planungsprozesse verkürzt werden müssten. Man könne nicht sechs oder acht Jahre im Voraus planen müssen.

Unternehmer fordern mehr Tempo von Politik

Diese Aussage traf auch den Nerv bei Michael Freitag, geschäftsführender Gesellschafter der Freitag Gruppe in Parsberg. „Wir müssen ausbaden, was die Herrschaften verbrochen haben“, erklärte er in Richtung Politik und erntete prompt Beifall. Es sei normal, dass auf einer Baustelle Dinge auftauchten, die nicht geplant seien, sagte er und erwähnte einen „brütenden Feldhamster“. Wenig hilfreich sei es aber, wenn dann viel Zeit vergehe und unter Umständen ein Jahr verloren gehe. Auch Bruno Jacobfeuerborn, CEO der Deutsche Funkturm GmbH, forderte „deutlich mehr Tempo“ bei Baugenehmigungen. Von 140 aufgestellten Masten sei beispielsweise die Hälfte ein halbes Jahr ohne Strom.

Finanzminister Albert Füracker wies darauf hin, dass 137 Stellen geschaffen worden seien, um Prozesse zu beschleunigen. Jedoch würden zahlreiche Genehmigungen hinterfragt, „alles geht sofort vor Gericht“. Daher müssten Verwaltungen Prozesse so gestalten, dass diese vor Gericht stand hielten. In Firmen müsse man demokratische Strukturen nicht berücksichtigen, „das beschleunigt Prozesse natürlich“. Auf die Wichtigkeit, Rechtsbelange zu prüfen, wies auch Regierungspräsident Walter Jonas hin. Mit mehr Mitarbeitern allein sei es aber nicht getan, da Projektträger Gutachten bräuchten – und dafür fehlten in den Planungsbüros häufig die Fachkräfte.

Klimaziele bis 2045 erreichbar

Dass die Energiewende bis 2045 prinzipiell machbar ist, davon zeigten sich Rainer Saliger, Projektentwickler bei Siemens, und Johannes Jungwirth, Professor für Energiemanagement an der Hochschule Ansbach, überzeugt. Der Zubau durch Photovoltaik und Wind sei machbar – allerdings sei es unabdingbar, die vielen dezentralen Bausteine wie in einem Puzzle sinnvoll zusammenzuführen. Dazu seien intelligente, digitale Kommunikation auf der einen und Netze auf der anderen Seite nötig.

Während MdB Susanne Hierl auf die regenerativen Energien Biomasse, Geothermie und Wasser hinwies, erklärten Saliger und Jungwirth, dass Wind und Photovoltaik bei der Energiewende die größte Rolle spielten, da diese den geringsten Flächenverbrauch hätten und am günstigsten auszubauen seien. Jungwirth: „Quintessenz ist: Wir müssen Wind und Photovoltaik ausbauen.“

Fuchs Europoles:

Bau: Im Juli 2021 wurde der Grundstein für das neue Werk gelegt, im Juli 2022 fand die Einweihung stand, im Juli 2023 wurde die Stahlmastfertigung in Betrieb genommen.

Zukunft: Was im Juli 2024 passiert, ist unklar, sicher ist für Conrad Fuchs:„Wir wollen uns weiterentwickeln.“ Dies sei am Standort Neumarkt möglich.

Wind und Photovoltaik sind für Professor Johannes Jungwirth die wichtigsten Bausteine der Energiewende – das erklärte er bei der Podiumsdiskussion in Neumarkt. Foto: Katrin Böhm