An der Fischschleuse der Vorsperre in Rötz wurde erstmals Wasser eingelassen

Den Rapfen, auch Schied genannt, wird es freuen: Er soll im Speziellen von der neuartigen Fischschleuse profitieren, die in Hillstett gebaut wurde und unmittelbar vor der Fertigstellung steht, so Diplomingenieur Jochen Zehender.
Der Geschäftsführer der Landeskraftwerke Bayern, die an der Vorsperre Strom gewinnen, kümmert sich für das Wasserwirtschaftsamt Weiden, als Betreiber der Vorsperre, um den Bau.
Man habe diese zur Familie der Karpfenfische zählende geschützte Fischart bei Monitoringuntersuchungen festgestellt, erklärt Zehender weiter, und anschließend festgelegt, dass die Durchgängigkeit neben anderen in der Schwarzach vorkommenden Fischen insbesondere für diese besondere Fischart herzustellen ist.
Sackgasse bald Geschichte
Bisher fanden die Fische an dem fünf Meter hohen Querbauwerk eine Sackgasse vor. Das wird sich bald ändern. Seit Pfingsten 2022 wurde an der innovativen Fischschleuse gebaut, die den Fischen ermöglichen soll, in jede Richtung mit dem Wasser zu wandern. Das Betonbauwerk für die Fischschleuse steht seit Ende 2022, im Juni sind die Erdbauarbeiten abgeschlossen worden.
Es folgten der Metallbau mit den komplexen Rohrleitungssystemen sowie die Schacht-abdeckungen und die aufwendige Elektrotechnik. Wegen Lieferverzögerungen in der komplexen Anlagentechnik habe sich die Inbetriebnahme zeitlich etwas verschoben, informiert Zehender, zuletzt war auch noch ein Schieber kaputt gegangen.
Nun ist das Problem behoben, und am gestrigen Mittwoch wurde das erste Mal Wasser in die Fischschleuse eingelassen. Nach einer hoffentlich erfolgreichen Druckprüfung wird das Wasser wieder abgelassen, um im Inneren der Vorrichtung Steine als Solsubstrat einzubringen, was sowohl eine Aufwertung für die Gewässerfauna, aber vor allem eine wichtige Orientierung für sohlnahe Fische darstellt.
In einem weiteren Schritt wird die Anlage erneut mit Wasser befüllt und sukzessive in Betrieb genommen. Eine Trockenfunktionskontrolle habe bereits erfolgreich stattgefunden, so Zehender, daher stehe einem zeitnahen Probebetrieb nun nichts mehr im Weg.
Die Fische werden dann in einem sechs Meter langen Stahlrohr in der Schleuse einer Lockströmung folgen und können dabei in jede Richtung mit dem Wasser der Schwarzach wandern. Welche Fischarten, wann und in welcher Anzahl den neuartigen Fischaufzug nutzen, wird mittels Video untersucht werden.
Durchgängigkeit bis 2027
Der Eixendorfer Stausee dient seit Ende 1975 als Talsperre dem Hochwasserschutz und der Niedrigwasseraufhöhung. Außerdem wird an der Vorsperre in Hillstett seit 2017 über eine Wasserkraftanlage Strom für rund 800 Personen produziert. In einer zweiten Ausbaustufe könnte das Wasser, das durch die Fischschleuse strömt, ebenfalls zur Stromerzeugung genutzt werden.
Die Durchgängigkeit der Flüsse wird im Zuge der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) angestrebt, so dass Flüsse, Seen und Grundwasser bis spätestens 2027 einen guten Zustand erreichen.
Nur zwei weitere Anlagen dieser Art in Bayern
Vorlage: Die grundsätzliche Vorlage für die neuartige Druckkammer, die in der Vorsperre in Hillstett zum Einsatz kommen wird, ist diejenige am Höllensteinsee oberhalb des Blaibacher Sees.
Anlage: Mittlerweile haben die Landeskraftwerke eine ähnliche Anlage auch in Hilpoltstein gebaut und vor etwa einem halben Jahr in Betrieb genommen.
Kosten: Für die Fischschleuse in Hillstett wird laut Angaben der Landeskraftwerke Bayern weiterhin von Gesamtkosten in Höhe von rund 2,6 Millionen Euro ausgegangen.
