Warum Ernst Schütz die Stadt zum Ortstermin zu sich einlädt – und zwar nicht bei Schönwetter

Von Stefanie Bauer · 25. Oktober 2023 um 05:00

Wird hier mit zweierlei Maß gemessen? Diese Frage drängte sich Ernst Schütz auf, als er kürzlich den Bericht unserer Zeitung „‘Verzögerungstaktik‘ bei Bauvorhaben?“ gelesen hat.

Über das Bauvorhaben von Thomas Maier in Pillmersried, um das es in besagtem Artikel geht, könne er nichts sagen, da er keinen Bezug dazu habe, so Schütz. Ihm geht es im Speziellen um die Tatsache, dass Maiers Bauantrag in der letzten Bauausschusssitzung wegen des noch zu klärenden Entwässerungskonzepts zurückgestellt worden war. Mitglieder des Gremiums hatten eine geplante Sickermulde als möglicherweise kritisch angesehen, weil es vielleicht das Wasser zum Grundstücksnachbarn drücken könne.

In den Augen von Schütz, dessen Grundstück in der Brückenstraße im Rötzer Süden an ein städtisches Grundstück grenzt, hat jedoch die Stadt Rötz ihr eigenes Entwässerungskonzept selbst nicht immer im Griff, im Gegenteil: „Der Bauausschuss verweigert in meinem Fall, das eigene Entwässerungsproblem zu lösen, um ein fortwährendes Eindringen von Oberflächenwasser vom Gemeindegrundstück auf mein Grundstück zu beseitigen. Welch ein Widerspruch!“

„Problem hat sich verstärkt“

Ernst Schütz lebt seit seiner Kindheit auf dem Anwesen in der Brückenstraße. Seit er sich erinnern kann, habe es dort in all den Jahrzehnten keine Überschwemmungen gegeben. Seit aber ein Teil der Bernrieder Straße vor einigen Jahren erneuert und um ungefähr 18 Zentimeter erhöht worden sei, laufe das Wasser bei starken Regenfällen extrem schnell und in größerer Menge in sein Grundstück. Das Problem habe sich noch verstärkt, als die Regensburger und die Brückenstraße vor wenigen Jahren saniert worden seien.

Da seine westliche Hofeinfahrt eine leichte Neigung nach außen zur Straße hin hatte, sei er, so Schütz, im Zuge dieses Ausbaus von der Stadt dazu gezwungen worden, das anfallende Oberflächenwasser noch innerhalb seines Grundstücks aufzufangen und in den Kanal einzuleiten. Was er auch getan habe, ebenso wie alle anderen Anwohner, bei denen das ebenfalls der Fall gewesen sei.

Bei seiner südlichen Hofausfahrt hingegen hänge das Gemeindegrundstück in Richtung seines Grundstücks ab. Deshalb hat Schütz die Stadt gebeten, auch hier eine Auffangvorrichtung für das einlaufende Oberflächenwasser zu bauen. Das sei bis dato nicht geschehen. Dabei fließe bei Starkregen oder anhaltendem Regen enorm viel Wasser auf sein Grundstück.

Um die Dringlichkeit seines Anliegens zu unterstreichen, hat Schütz Fotos und Videos an verschiedenen Regentagen aufgenommen, die die Überschwemmungen mehr als deutlich zeigen. Die Bilder habe er auch der Stadt, mit der es in dieser Sache schon einen umfangreichen Briefverkehr gibt, zukommen lassen. Auch mehrere Videos habe er Spindler auf dessen Handy zukommen lassen, berichtet Schütz.

Immerhin habe es vor gut zwei Jahren schon einen Ortstermin bei ihm Zuhause mit den Mitgliedern des Bauausschusses gegeben. Aber: An diesem Tag hatte es nicht geregnet.

Die gezeigten Bilder der Überschwemmungen seien mit den Worten „Das Wasser muss irgendwo anders herkommen“, abgetan worden. „Letztlich wurde mein Antrag abgelehnt, ohne sich einmal die Mühe zu machen, die Lage auch einmal bei anhaltendem Regen zu begutachten“, bedauert der Rötzer. Er könne hier beim besten Willen keine objektive Beurteilung seines Problems seitens der Stadt erkennen.

„Die Aussage von Bürgermeister Stefan Spindler, dass der Regeneintrag vom städtischen Grundstück völlig vernachlässigbar ist, ist schlicht und ergreifend falsch. Das Wasser läuft schließlich laut Naturgesetz bergab.“ Die Stadt habe ihre öffentliche Daseinsvorsorge zu erfüllen und müsse „etwas dagegen tun, dass das Wasser vom Gemeindegrundstück auf mein Anwesen läuft – rauslaufen darf es ja schließlich auch nicht!“

Es habe am 8. September 2021 einen Ortstermin mit den Mitgliedern des Bauausschusses gegeben, bestätigt Bürgermeister Stefan Spindler auf Anfrage. Man habe sich ausführlich mit der Thematik beschäftigt, versichert er, und habe dabei festgestellt, dass lediglich 20 Quadratmeter des städtischen Grundstücks ein leichtes Gefälle aufweisen würden und etwas abschüssig seien.

„Kosten in keinem Verhältnis“

Der Eintrag von Regenwasser auf das Grundstück von Ernst Schütz rühre also nur zu einem geringem Bruchteil vom Gemeindegrundstück her. Vielmehr würden hauptsächlich dessen eigene Innenhof-Flächen dort hinein entwässern.

Eine bauliche Maßnahme an der Straße würde sicherlich Kosten von 4000 bis 6000 Euro aufwärts bedeuten für eine – was rein das Wasser vom Gemeindegrundstück her betreffe – nur unwesentliche Beeinträchtigung. Weil dies in keinem Verhältnis stehe, habe man damals einstimmig beschlossen, dass keine Maßnahmen ergriffen würden. Deshalb sei auch kein weiterer Ortstermin geplant.

Doch er sehe, räumt Spindler ein, dass die Situation für Schütz ein Problem darstelle. Er habe sich auch die Videos angesehen, die dieser ihm geschickt habe. Wenn in der Zukunft wieder eine Baumaßnahme an der Straße angepackt werden müsse, werde man das im Hinterkopf haben.

Ernst Schütz hat sich mittlerweile selbst geholfen und drei weitere Gullys auf seinem Anwesen gebaut sowie seinen Weg aufgeschottert. Auch wenn es seitdem besser geworden sei, was die Überschwemmungen betrifft, laufe nach wie vor reichlich Wasser auf sein Grundstück, berichtet er.

Deshalb hat Schütz eine Bitte: Dass die Bauausschussmitglieder und der Bürgermeister ihn einmal bei starkem und anhaltendem Regen besuchen. „Dann werden sie ihre Meinung mit Sicherheit ändern.“

Ernst Schütz mit Fotos, auf denen die Überschwemmungen deutlich erkennbar sind: links vor dem Bau der drei Gullis, rechts danach. Noch immer macht ihm das Regenwasser Probleme.